Gereon Rath (Volker Bruch) in einer Filmszene von "Babylon Berlin" 3. Staffel (Quelle: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019)
Audio: rbb 88,8 | 17.12.2019 | Frauke Gust | Bild: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

Premiere der 3. Staffel "Babylon Berlin" - "Wir dürfen nicht einfach ein Schema wiederholen"

Die bisher erfolgreichste deutsche Fernsehserie "Babylon Berlin" feierte am Montag mal wieder Premiere. Die ab Herbst 2020 im Ersten zu sehende dritte Staffel taucht tief in die Psyche der Hauptfiguren ein, die in den Wirren der 1920er-Jahre in einem Mordfall ermitteln. Von Oliver Kranz

Ein Gewinnerteam soll man nicht auswechseln. Auch die dritte Staffel von "Babylon Berlin" ist in mehr als 100 Länder verkauft worden. Für die Drehbücher und die Regie zeichnen, wie schon bei den vorherigen Folgen, Henk Handloegten, Achim von Borries und Tom Tykwer verantwortlich. "Uns war klar, dass wir nicht einfach ein Schema wiederholen dürfen", sagt Tykwer. "Deswegen spielt in der neuen Staffel Psychologie eine große Rolle. Die Figuren sind schon etabliert. Nun können wir in ihr Innerstes vordringen."

Gereon Rath und Charlotte Ritter ermitteln wieder

Im Zentrum stehen wieder der aus Köln nach Berlin versetzte Hauptkommissar Gereon Rath und seine charismatische Assistentin Charlotte Ritter. Er hat als ehemaliger Weltkriegssoldat mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen, sie stammt aus einer Arbeiterfamilie und will Karriere machen. In der von Männern dominierten Kriminalpolizei ist das aber nicht so einfach. Die dritte Hauptrolle spielt Berlin, wo die Zwanziger Jahre durchaus nicht nur golden waren.

Große Teile der Bevölkerung lebten in Armut, Nazis und Kommunisten hatten großen Zulauf und wurden immer radikaler - auch davon will die neue Staffel erzählen. Das Regie- und Autorentrio hat die Geschichte, die aus dem Kriminalroman "Der stumme Tod" von Volker Kutscher stammt, entsprechend umgeschrieben.

Die Handlung setzt im Spätsommer 1929 ein. "Es geht um eine Gesellschaft, die am Rand eines Abgrunds steht", sagt Henk Handloegten. "Deshalb erzählen wir auch von Ereignissen, die bei Volker Kutscher keine Rolle spielen – vom Tod Gustav Stresemanns am 3. Oktober 1929 und vom Zusammenbruch der Weltwirtschaft Ende Oktober."

Der Börsencrash taucht gleich am Anfang der ersten Folge in einer Alptraumsequenz auf. Kommissar Rath taumelt durch eine verwüstete Bankfiliale, bis er von einem Mob wütender Kleinaktionäre niedergetrampelt wird. Dabei ist Deutschland am Anfang der neuen Staffel noch im Börsenfieber. Überall im Land kaufen Menschen Aktien – die meisten auf Kredit. Da die Kurse steigen, gehen sie davon aus, Gewinn machen zu können.

Im Film wird die Aktienblase vom Industriellen Alfred Nyssen erkannt und für seine Geschäfte genutzt. Natürlich kann man auch an die Finanzkrise des Jahres 2008 denken. "Die Parallelen sind frappierend", sagt Achim von Borries. "Aber wir haben sehr darauf geachtet, aus der Perspektive des Jahres 1929 zu erzählen. Die Zuschauer sollen genauso unmittelbar mit der Geschichte konfrontiert werden, wie unsere Helden."

Tatort: Filmstudios in Babelsberg

Hauptkommissar Rath und die Kriminalassistentin Ritter ermitteln in den Filmstudios von Babelsberg. Eine Schauspielerin ist bei den Dreharbeiten zu einem Musikfilm von einem herabstürzenden Scheinwerfer erschlagen worden. Der Täter hatte die Befestigungsschrauben manipuliert. Ob es ihm um einen persönlichen Racheakt ging oder darum, der Filmproduktion an sich zu schaden, ist unklar. Da ein berüchtigter Unterweltboss das Projekt finanziert, könnte der Mörder aus diesem Milieu kommen.

Die Szenen, die in den Babelsberger Filmstudios spielen, haben die drei Regisseure mit großem Aufwand inszeniert. Man sieht expressionistisch bemalte Kulissen, Tanzgirls auf Schaukeln und Trampolinen, während eine düster geschminkte Diva mit rollendem "R" ein Liebeslied ins Mikrofon raunt.

"Wir wollten auf Filme der Zwanziger Jahre verweisen, ohne dass es wie ein eitles Zitat wirkt", erklärt Tom Tykwer. "Man kann an 'Nosferatu' oder 'Das Cabinet des Doktor Caligari' denken. Es geht um das Düstere und Schattenhafte, was ja auch ein Thema unseres Films ist."

Die Filmfiguren jagen durch düstere und glamouröse Welten. Neben Volker Bruch als Kommissar Rath und Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter spielen Benno Fürmann, Lars Eidinger, Martin Wuttke, Meret Becker und viele weitere bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler mit  – die Besetzungsliste liest sich wie ein Who is Who der deutschen Theater- und Filmszene.

Auch das spricht dafür, dass die neuen Folgen, gegenüber den bisherigen nicht abfallen werden, sondern dass das Niveau gehalten wird.

Trailer zur 3. Staffel

Sendung: Inforadio, 17.12.2019, 11:30 Uhr

Beitrag von Oliver Kranz

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2 Kommentare

  1. 2.

    "Wir dürfen nicht einfach ein Schema wiederholen" LOL!! In einem Jahr wird es dann auf ARD zu sehen sein. Was für eine Frechheit, weil mit Gebührengeldern produziert! So lange Wartezeiten sind das "alte Verwertungsketten-Denken" und damit ein Schema. Das geht heute gar nicht (mehr)!

  2. 1.

    Bin wahnsinnig gespannt auf die 3.Staffel. Lange mußte ich warten. Freue mich sehr auf den nächsten Herbst wenn’s wieder losgeht. Ein echtes Highlight.

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