Die Entdeckung der Heimat - Fontanes "Fünf Schlösser" - Film von Johannes Unger (19.12.2019, 20:15)
Audio: Inforadio | 17.12.2019 | Holger Zimmer | Bild: rbb/Norman Gäbler

rbb-Fernsehen | "Die Entdeckung der Heimat" - Unterwegs mit Fontanes Schreibtisch

Theodor Fontane hat sich bei seinen Wanderungen Einiges zugemutet - Erholung sieht anders aus. Für einen Fünfteiler ist Schauspieler Fabian Hinrichs nun auf Fontanes Spuren durch die Mark gereist. Im Gepäck: der wuchtige Schreibtisch des Schriftstellers. Von Holger Zimmer

 

"Fontane hat uns eine Welt eröffnet - eine Welt direkt vor unserer Haustür. Haben Sie Lust auf eine Entdeckungsreise?" So lädt Schauspieler und Literaturkenner Fabian Hinrichs gleich im ersten Teil der Serie "Die Entdeckung der Heimat" die Zuschauer ein, ihm zu folgen. Hinrichs Rolle ist die des Vermittlers, der den Zuschauern immer wieder Fontanes Gedanken nahebringt, auch oft Zitate einstreut.

Immer im Gepäck: Fontanes Schreibtisch

Hinrichs reist durch die Mark, im Gepäck immer der wuchtige Schreibtisch Fontanes. Es ist ein hölzerner Trumm, wie ein Apothekerschrank, mit Schubladen für Notizen und Zeitungsmeldungen. Obwohl sperrig, steht der Schreibtisch an damaligen Fontane-Orten, in Parks, vor Gutshäusern oder an malerischen Seeufern.

Von da aus durchstreift das Filmteam die jeweilige Umgebung, erkundet, was in Parks und Dörfern, verfallenen Schlössern heute los ist. Man begegnet Handwerkern, Künstlern, Pfarrern, Modedesignerinnen und Sprösslingen bedeutender Adelsfamilien. Abgelegene Dörfer zeigen sich lebendig und geschichtsträchtig. Schauspieler beleben alte Scheunen mit Ideen und neuen Theaterstücken.

Eine riesige Arbeit

Und fast nebenbei erschließt sich Stück um Stück Leben und Wirken Fontanes. Etwa, dass er die eigene Idee, seine Heimat zu erwandern und zu beschreiben, selbst doch oft ziemlich anstrengend fand, wie er in einem Brief an seine Frau schreibt: "Es soll eine Erholung sein und ist eigentlich eine riesige Arbeit: Schlösser, Bilder, Statuen, Parks, Kutscher, Haushälterinnen - alles das tanzt mir im Kopf herum - dazu die Landschaftsbilder, die alle beschrieben werden müssen und nun ein verdorbener Magen - das halte aus, wer kann."

"Ohne die Erfindung des Ofens wäre Berlin nie so gewachsen"

Fontane allerdings hat damals dann doch durchgehalten. Seine fünfbändigen "Wanderungen" sind das Hilfsmittel, mit dessen Hilfe die Zuschauer von heute aus eine Brücke in die Vergangenheit schlagen können.

Die Serie nimmt uns mit nach Ribbeck, zum Birnbaum, aber auch nach Glindow. Die alte Ziegelei dort produziert auch nach 150 Jahren immer noch mit der gleichen Technik wie damals. Dabei erfährt man, wie Stadt und Land zusammenhängen, wie der Betreiber der Glindower Ziegelei sagt: "Wenn der Ofen nicht erfunden worden wäre zu der Zeit, dann wäre Berlin in der Form gar nicht so gewachsen."

Die Suche nach Heimat

Dazu kommt, dass Fontane seine Heimat nicht nur beschrieben, sondern sie dadurch auch geprägt hat. Johannes Unger, Autor und Regisseur der Serie weiß: "Der Begriff Heimat ist ja ein durchaus komplizierter, aber im Prinzip hat er das Märkische Heimatgefühl kreiert, vorher gab es das in dem Sinne nicht. Fontane war eigentlich der Erste, der ganz umfänglich Heimatgefühl populär gemacht hat."

Die Serie "Entdeckung der Heimat" ist eine Mischung aus biografischem Essay, literarischem Exkurs und poetischer Dokumentation. Fontanes Welt trifft auf heutiges Zeitgefühl. Es ist eine Reise, die sich lohnt.

Beitrag von Holger Zimmer

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

2 Kommentare

  1. 1.

    Danke, Danke, Danke! Eine herausragend gute Dokumentation! Ich habe sie erst gestern auf Tagesschau 24 mit allen fünf Folgen entdeckt und war gefesselt. Nicht nur eine Besprechung von Fontanes Werk war zu sehen, sondern eine Vielfalt von Informationen zur Biographie, Geographie, Zeitgeschehen, Gegenwärtigem, und das alles von einem so guten Erzähler sehr kreativ kommentiert. Einfach hervorragend! Thekla Hussy-Rau

Das könnte Sie auch interessieren