Die Kinder proben für das Stück "Berlin ist cool" (Quelle: rbb/Hans Ackermann)
Audio: Inforadio | 07.12.2019 | Hans Ackermann | Bild: rbb/Hans Ackermann

Premiere Kindermusical "Berlin ist cool" - Wenn Igel über die Urania-Bühne wirbeln

Am Samstag feiert das Musical "Berlin ist cool" Premiere in der Urania. Das Besondere: 120 Kinder zwischen 6 und 17 Jahren haben das Stück ein ganzes Jahr einstudiert. Hans Ackermann hat bei den Proben der kleinen Musical-Darsteller zugeschaut.

Lauter kleine Igel wirbeln auf der großen Bühne der Urania durcheinander. Darunter auch Salia aus Steglitz, die Jüngste im Ensemble. Sie ist zwar erst sechs Jahre alt, aber schon zum zweiten Mal dabei. Sie freut sich schon auf die Premiere - wobei ihr dieser Erwachsenen-Begriff nur ein Stirnrunzeln verursacht. Und eine Sache fehlt ihr noch zum vollständigen Bühnenglück: "Ich würde gern mitsingen. Aber ich muss das machen, was ich geübt habe, für meinen Igel".

Ein bisschen Geduld braucht man schon, wenn man in diese Musicalschule geht. Dabei kann Regisseur Volkmar Neumann, der vom Lichtpult aus die Probe leitet, den anrührend vorgetragenen Wunsch der kleinen Darstellerin natürlich verstehen. "Die Igel haben leider keinen Text und auch keine Komposition. Aber im nächsten Jahr werden sie schon etwas kriegen. Wenn sie größer sind."

Pädagogen und Künstler im Team

Als künstlerischer Leiter im Friedrichstadtpalast war Volkmar Neumann dort viele Jahre lang auch für die Kindershows verantwortlich. Im Ruhestand hat er 2004 den Verein Kinder-Musical-Theater in Berlin e.V. gegründet und ermöglicht seitdem mit einem Team von Pädagogen und Künstlern qualifizierten Gesangs- und Tanzunterricht für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren.   

Für die schauspielerische Ausbildung ist unter anderem Rosanna Steyer verantwortlich. Als Kind hat sie selbst im Verein getanzt und gesungen. Nach ihrem  Studium arbeitet sie jetzt dort mit. Bei den "Igelchen" setzt Rosanna Steyer vor allem auf ein Konzept der "Imagination": "Ich frage, wie stellt ihr euch einen Igel vor? Dann kommt natürlich als erstes  'klein, rund, kugelig' - was noch nicht ganz so viel Bühnenpräsenz in sich hat. Dann sage ich, wenn ihr Zuschauer wäret, was würde euch ansprechen? Und das lasse ich sie dann selbst umsetzen".

Nicht irgendetwas vorschreiben, sondern schon die Kleinsten ihre Rollen selbst entwickeln lassen, in diesem modernen pädagogischen Ansatz verwandeln die Kinder Bewegung in Tanz und Texte in Gesang. Die Handlung des Musicals, das für ein friedliches Zusammenleben der Kulturen plädiert und die "Wegwerfgesellschaft" kritisiert, kommt dann auch in einer klaren Botschaft des Titelsongs zum Ausdruck "Berlin ist cool, bleibt immer unsere Stadt, Berlin, Berlin das viele Farben hat", heißt es in dem eingängigen Song, den Michael Hansen zusammen mit der übrigen Bühnenmusik komponiert hat. 1940 in Güstrow geboren, hat der Komponist zusammen mit Volkmar Neumann den Verein gegründet.

"Man kommt hierher und wird sofort aufgenommen"

Von Michael Hansen stammt auch das Lied, das die 17 Jahre alte Amelie aus Potsdam in ihrer Rolle als "Liz" singen wird. "Wir fliegen in die Welt hinaus, besiegen Wankende und Spötter" heißt es in der ersten Zeile. Wenn die Schülerin im Gespräch den Song spontan anstimmt, spürt man auch bei ihr sofort die außergewöhnlich große Begeisterung für die Mitarbeit an diesem Musicalprojekt.

Im Verein findet Amelie einen besonderen "Familiengedanken" verwirklicht: "Man kommt hierher und wird sofort aufgenommen. Ich habe erst vor kurzem angefangen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass man ausgeschlossen ist." Mit ihren 17 Jahren muss Amelie allerdings im nächsten Jahr schon wieder Abschied nehmen vom Kinder-Musical-Theater. Sie wird dann aber, wie viele in diesem Ensemble, der Musik treu bleiben. Vielleicht sogar "im Musicalbereich", wie sie erzählt - alles andere wäre bei ihrem unüberhörbaren Talent auch bedauerlich.

Im Mittelpunkt stehen die Kinder

Sarina Paker organisiert im Verein die Mitarbeit der Eltern, die keinen Druck ausüben und auch keine Karrierepläne für den Nachwuchs schmieden. "Wir unterscheiden uns von solchen Eltern, die ihre eigenen Wünsche nicht ausleben konnten. Hier geht es wirklich um die Kinder - wenn die Kinder keine Lust haben, dann kommen die Kinder auch nicht."

Paker weiß, wovon sie spricht, denn sie ist die Mutter der kleinen Salia - das Igelchen, das auch schon so gern bei den Großen mitsingen würde. Immerhin darf sie, das habe ihr "Mama versprochen", in den nächsten Wochen "neun Mal" auf die Bühne. Salia freut sich jedenfalls schon auf den Applaus - und hat eigentlich auch ohne Singen eine ganze Menge zu tun: "Beim Tanzen ist das Schöne, dass man den Rhythmus kriegt und die Bewegung schön findet", sagt die Kleine und wirbelt im Igelkostüm davon.

Sendung: Inforadio, 06.12.2019, 15:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren