Stumpen und Buzz Dee von Knorkator (Quelle: imago-images)
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Audio: Inforadio | 06.12.2019 | Steen Lorenzen | Bild: imago-images

Konzertkritik | Knorkator in der Columbiahalle - Eine Buchstabensuppe bitte vor dem Untergang!

Harte Riffs und Humor auf beiden Seiten der Gürtellinie: Knorkator sind seit 25 Jahren auf diesem gar nicht so schmalen Grat unterwegs. Die Köpenicker Band feiert das mit gleich drei Konzerten in der Columbiahalle. Das erste war schon mal knorke, meint Steen Lorenzen.

Man muss aufpassen bei dieser Band, die man schon wegen ihres Namens knorke finden und am liebsten auch gleich als meiste Band der Welt anpreisen möchte. Eine Behauptung, die selbstverständlich Knorkator in die Welt gesetzt haben. Schon deshalb bemüht sich der Kritiker, nicht ganz und gar dem Klamauk zu erliegen. Also betrachtet er die Band zu Beginn mal aus musikalischer Sicht.

Ator & Stumpen: Geniales Duo in Glitzerklamotten

Knorkator hat in Alf Ator einen genialen Songschreiber und in Stumpen den virtuosen Sänger, der Ators Ideen mal im Opern-Format und in höchsten Tönen, meist aber mit etwas schepperndem Sprechgesang umsetzt. Die beiden Köpfe der Band schonen sich dabei nicht. Stumpen hüpft wie ein Flummi über die Bühne, Ator spielt nicht nur seine Tasteninstrumente, er zerlegt auch unterwegs eines davon.

Neben solchen groben Momenten überwiegt aber der Glamfaktor von Knorkator. In ihren roten und goldenen Glitzerklamotten - begleitet von drei weiteren versierten Rockmusikern und langjährigen Freunden - passt zwischen den brachialeren Rocksongs deshalb auch eine Adaption des Disco-Hits "Ring My Bell" von Anita Ward.   

Gut für Trommel- und Zwerchfell

Knorkator verbindet einiges mit Rammstein: eine Vorgeschichte in der Ostberliner Musikszene zu DDR-Zeiten und Überschneidungen beim musikalischen Repertoire. Der große Unterschied zur schwermetallischen Feuerwerksband, die weltweiten Ruhm erlangt hat? Wer will, kann Rammstein sehr ernst nehmen, während bei Knorkator immer Trommel- und Zwerchfell bedient werden.

Womit wir dann natürlich doch beim Humor wären. Der hat sich in den 25 Jahren eindeutig weiterentwickelt. Natürlich wollen die Fans auch die etwas älteren Selbstbefriedigungs- und Fäkalhymen mitsingen, doch auch die überraschend vielen neuen Songs im Jubiläums-Programm werden goutiert. Aus ihrem aktuellen Album "Widerstand ist zwecklos" spielen Knorkator die provokante Einstimmung auf einen Krieg und eine sarkastische Revolutions-Hymne - und auch ein Song über Eigentum, das gierig macht, fehlt nicht.

Zucken Zicken Zacke

Gut, dass nach der düsteren Analyse noch ein letztes Mahl vor dem Untergang serviert wird. Was schwimmt im Teller? Buchstabensuppe! Der gleichnamige Song, mit dem die Welt vielleicht doch noch mal neu durchbuchstabiert werden kann, ist ein Meisterwerk auf Ernst-Jandl-Niveau.

"Locken Zocken Zucken Zicken Zacke Hühnerkacke", rapt Stumpen, während er auf einen Flipchart und auf die Worte zeigt. Lehrer sollten das gleich heute mal im Unterricht nachmachen. Am besten auch im goldenen oder roten Glitzerkostüm.

Und ab ins Bett!

Gegen Ende schließt sich der Kreis, in dem sich die Band seit einem Vierteljahrhundert bewegt. Ein trotziger Moment aus Kinderzeiten wird wachgeküsst mit dem sehr guten Riff-Gitarren-Hit "Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett". Kein Song könnte die Fans besser auf ihren Nach-Hause-Weg vorbereiten.

Erste Bilanz nach 25 Jahren Bandgeschichte und dem ersten von drei Abenden in der aus gegebenem Anlass gleich mal umbenannten Knorkatorhalle: Die meiste Band der Welt ist einfach: "Knorke, knorke, knooorrrkeee!"

Sagen die Fans. Zu recht!                            

Beitrag von Steen Lorenzen

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