Mahalia am 09.12.2019 im Kesselhaus. (Quelle: rbb/Hans Ackermann)
Audio: Inforadio | 10.12.2019 | Hans Ackermann | Bild: rbb/Hans Ackermann

Konzertkritik | Mahalia im Kesselhaus - "Geht hinaus in die Welt und macht euer Ding"

"Love and Compromise" heißt das neue Album der Britin Mahalia - und auch live macht sie keine Kompromisse. Im Berliner Kesselhaus hat sie am Montag ein selbstbewusstes Konzert gegeben. Mit starken Appellen - und einem Stromausfall. Von Hans Ackermann

 

"I wish I missed my ex" - diese Hymne des Abends gibt es erst zum Schluß des Konzerts Mahalia im Berliner Kesselhaus zu hören. Die meisten im Publikum wissen aus eigener Erfahrung, was mit dieser Zeile gemeint ist: Besser wäre es gewesen, den Ex gar nicht erst getroffen zu haben.

Von solchen Gedankenspielen und den schmerzhaften Folgen unüberlegten Verliebtseins handelt "Love and Compromise". Der Ausspruch geht auf die legendäre Sängerin Eartha Kitt zurück. Sie plädiert in einem Fernsehinterview vehement dafür, in der Liebe keine Kompromisse zu machen, sich nicht an irgendeinen Mann anzupassen.

Wozu Kompromisse eingehen?

Mit diesem originalen Tondokument beginnt Mahalia neues Album und auch an diesen Abend knistert zu Beginn der Gesprächsfetzen mit dem berühmten Zitat aus den Lautsprechern: "Compromise? What is compromise? Compromising for what?"

Zwischen ihren Songs erzählt Mahalia ausführliche Geschichten, hebt gerade zu einer weiteren Anekdote an - als nach dem dritten Lied plötzlich der Strom auf der Bühne ausfällt. Große Erleichterung geht durchs jubelnde Publikum, als es dann nach etwa zwei Minuten weitergehen kann.

Wäre das Mikrofon kaputt geblieben, die rund 1.000 mitsingenden Fans hätten mit Mahalia zusammen durchaus ohne Strom den ganzen Abend gestalten können. Die Sängerin ist später selbst erstaunt, wie gut dieser Chor klingt - und hält immer mal wieder ihr Mikrofon in die Menge.

Aufforderung zum Tanz

Mahalias Mutter war Musikerin, die Großeltern Einwanderer aus Jamaika. "Proud to be" heißt es in einem Song - stolz auf sich selbst sein, sich nicht darum scheren, was die anderen über Hautfarbe, Figur und andere unwichtige Äußerlichkeiten sagen.

Mit ihrer selbstbewußten Haltung schreibt Mahalia seit frühester Jugend Song um Song, erhält mit 13 Jahren schon einen ersten Plattenvertrag, steht seit mehr als zehn Jahren professionell auf der Bühne.

Anfangs war sie musikalisch noch überwiegend akustisch mit Gesang und Gitarre unterwegs, doch ihr neues Album fordert mit seiner Mischung aus R&B, Soul und Hiphop fast durchgängig zum Tanzen auf.

Mahalia selbst bewegt sich zwischen den Strophen auch sichtlich gern tanzend über die Bühne - und bekommt dafür begeisterten Zwischenapplaus. Jeder dieser Moves wird von den Fans in der vorderen Reihen mit dem Smartphone aufgenommen, ebenso die an das weibliche - "my girliest girls" - Publikum gerichteten Ansprache, der man aber auch außerhalb dieser Zielgruppe durchaus gern zuhört:  "Geht hinaus in die Welt und macht euer Ding" ruft die Sängerin, die diesen Appell und auch alles andere ernst meint. Künstlerische und persönliche Authentizität ist sicher der wichtigste Grund für ihren Erfolg.

Nichts für harte Kerle

Sie habe auch nichts gegen Männer, erzählt Mahalia dann noch - aber "die Herren" könnten sich schon etwas mehr Mühe geben, im Umgang mit den Frauen.

Harte Kerle wären an diesem Konzertabend vielleicht auch noch von einem anderen Detail irritiert:  Blumen auf der Bühne und jede Menge Grünpflanzen. Ein Mikrofonstativ, geschmückt mit roten Rosen - so etwas gibt es nur bei Mahalia.

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