Saenger Max Mutzke bei einem Konzert im Babylon Mitte in Berlin. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 11.12.2019 | Magdalena Bienert | Bild: dpa

Konzertkritik | Max Mutzke im Metropol - Ein Mann, eine Stimme, eine Haltung

Max Mutzke - der einstige Schützling von Stefan Raab - ist 15 Jahre nach seinem Nummer-Eins-Hit "Can't wait until tonight" bei sich angekommen. Selbst, wenn er wie am Dienstag im Berliner Metropol Songs von Anderen singt, meint Magdalena Bienert.

Tight. Anders kann man die ersten Minuten gar nicht beschreiben: Max Mutzke und seine siebenköpfige Band versetzen am Dienstagabend das volle Berliner Metropol ohne Umschweife in Partystimmung. Die Band steckt mit jedem Beat ihr musikalisches Revier ab: Funk, Soul, sogar Hip-Hop satt. Langeweile wird an diesem Abend garantiert nicht aufkommen, denn wenn in Deutschland jemand den Groove für sich beansprucht, dann ist es dieser sympathische Typ aus dem Schwarzwald.

Der, der so gerne Songs von anderen singt: Als erstes steht ein funkiges "Men in Black" von Will Smith auf der Setlist. Das ist nur einer von zwölf Coversongs seines siebten Albums "Colors", mit dem der 38-jährige Max Mutzke bis zum Sommer nächsten Jahres unterwegs sein wird. Alte Hip-Hop-Tracks zurück zum Soul zu bringen, war seine Devise - schließlich hat Soulmusik ihre Wurzeln im Hip-Hop. Und während amerikanische Lieder, wie Warren G's "Regulate" oder eben "Men in Black" ihren Wiedererkennungswert behalten haben, muss man beim deutschen "Augenbling" schon ziemlich genau hinhören, um Seeed als Urheber auszumachen. Das ist verblüffend und stimmig zugleich.

Schwiegermutterliebling mit toller Band

Max Mutzke ist mit seiner Band eine wogende Einheit, bestehend aus zwei Bläsern, einem Schlagzeug, Keyboard, Gitarre, Bass und einem sehr lässigen Backgroundsänger, der zwei Stunden lang seine Sonnenbrille nicht absetzen und die Lederjacke anbehalten wird. Der Frontmann wirkt dagegen - mit seinem Hut und dem dunkelblauen T-Shirt - wie der Schwiegermutter-Liebling. Und ein Blick ins Publikum zeigt: Es könnten auch einige Schwiegermütter anwesend sein. Paare um die 50 tanzen, klatschen und singen, je nachdem, was der Sänger gerade von ihnen verlangt.

Trotz Castingshow authentisch

Max Mutzke setzte sich 2004 bei Stefan Raab in dessen Castingshow "Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star" durch und kletterte mit dem von Raab geschriebenem und produziertem Song "Can't wait until tonight" auf Platz eins der Charts. Außerdem durfte der authentische Sänger damit beim "Eurovision Song Contest" in Istanbul antreten und erreichte dort Platz acht - davon kann Deutschland heute nur noch träumen.

Seinen 15 Jahre alten Hit spielt Mutzke jedenfalls immer noch, aber natürlich zeitgemäß aufpoliert. Zwischen all den kraftvollen Coverversionen gehen die eigenen Lieder allerdings fast ein bisschen unter.

Starke Cover von Bowie bis Adele

Nach einer Stunde überlässt der hervorragende Live-Sänger die Bühne kurz seiner Band, um wieder jemanden zu covern: À la Alexander Gerst kommt er in einem weißen Astronauten-Anzug mit großem Helm unter dem Arm zurück. Weitere, wirklich berührende Versionen von Adeles Hit "Hello" oder David Bowies "Space Oddity"  begeistern die Fans. Was für ein Stimmumfang!

Ob englisch, deutsch, Coversong oder eigenes Liedgut - die Setlist ist so bunt, wie Max Mutzke auch gern sein Umfeld und seine Band beschreibt. Am Ende gibt er auch den Fans seine Werte mit auf den Weg: Seid nett zueinander, liebt die Vielfalt und bleibt offen für Menschen, die nicht hier geboren wurden. Als Botschafter des Deutschen Kindervereins bitten er und der Geschäftsführer vorher noch um Spenden für die Kinder. "Alle zwei bis drei Tage stirbt in Deutschland ein kleines Kind an den Folgen von Gewalteinwirkung", sagt Mutzke. Uff. Dennoch: nach diesen bewegenden Worten knallt der Bass extralaut und eine weitere Stunde vergeht, wie im Flug. Pop-Business und persönliche Anliegen sind bei Mutzke gleichberechtigt.

Sein Engagement wirkt dabei nicht aufgesetzt, nicht zu moralisch, nicht den Ablauf störend, sondern einfach nur menschlich. Es ist eine tolle Geste, die den eigenen Promistatus über den Tellerrand schubst. In heutigen Zeiten ist das viel wert und man würde sich wünschen, dass mehr Künstlerinnen und Künstler ihre Stimme nicht nur zum Singen erheben.

Beitrag von Magdalena Bienert

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2 Kommentare

  1. 1.

    "Promistatus" ich kenne den nicht,wer ist das ??

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