Auftritt von <<Karak>> im Chamäleon in den Hackeschen Höfen Berlin. (Quelle: chamaeleonberlin.com/S. Schuck)
Audio: Inforadio | 17.12.2019 | Cora Knoblauch | Bild: chamaeleonberlin.com/S. Schuck

Kritik | Circus Sonnenstich im Chamäleon - Von der Kunst, durch die eigenen Träume zu fliegen

Im Berliner Circus Sonnenstich performen Künstler mit und ohne Trisomie 21 gemeinsam: Zum achten Mal feierte das Ensemble am Montag im Chamäleon seine alljährliche Gala mit der neuen Show "Karak". Cora Knoblauch war mit dabei.

Zwei überdimensionale rote Kugeln rollen über die Bühne des Chamäleon, angetrieben von den flinken Füßen der beiden Artisten. Lautlos umkreisen sie sich: die größere Kugel bewegt durch die Füße des Jongleurs Roman Skadra, die kleinere Kugel in permanenter Bewegung gehalten von der Artistin Sarah Walther. Schließlich finden Kugeln und Artisten zueinander und das Bühnenpaar rutscht schwungvoll und elegant in einer Art Paartanz über die größere Kugel. Frenetischer Szenenapplaus vom Publikum.

Unterschiedlichkeit feiern

Seit über 20 Jahren arbeitet der Pädagoge Michael Pigl-Andrees und die Choreografin Anna-Katharina Andrees mit diesem Ensemble so unterschiedlicher Artisten zusammen. Einige der Bühnenkünstler haben im Circus Sonnenstich bereits als Teenager erste Erfahrungen gesammelt. Die Truppe ist gemeinsam gewachsen, immer freier und immer mutiger geworden in ihrer Bühnenpräsenz.

Als Pigl-Andrees vor zwei Jahrzehnten mit dem Genre des Neuen Circus begann, wurde ihm heftig davon abgeraten. Warum er denn nicht mit gewöhnlichen Artisten arbeiten wolle, das sei doch viel einfacher. Jede neue Show des Circus Sonnenstich feiert eben diese Unterschiedlichkeit und die vielen Talente seiner Darsteller. Ein noch recht junges Genre in der darstellenden Kunst und eines, dass alles darf: tanzen, schauspielern, turnen oder auch mal in Slapstick abdriften. Dieses Jahr hat Michael Pigl-Andrees für seinen unermüdlichen Einsatz für inklusiven Circus das Bundesverdienstkreuz bekommen. Chamäleon seit 15 Jahren steht: neuen Zirkus.

Archivbild: Artisten des Zirkus Sonnenstich, teilweise mit Beeinträchtigung, trainieren für eine Jubiläums-Show. (Quelle: imago images/B. Friedel)
Bild: imago images/B. Friedel

Die Diabolos surren auf der Bühne des Chamäleon in einer absurden Geschwindigkeit durch Beine, um Köpfe und unter Armen hindurch, die Diabolo-Meister Oskar Schenck und Florian Klotz haben sich für diesen Abend mal wieder neue, unglaubliche Tricks für den surrenden Kegel an der Schnur ausgedacht. Der Circus bildet mittlerweile einige seiner Artisten zu Diabolo-Trainern aus, die an Schulen Workshops geben.

Wie es ist, auf Händen zu gehen

Wie zu jeder Circus Sonnenstich-Show gibt es einen handverlesenden und liebevoll ausgesuchten Soundtrack und wunderbar zusammengestellte Kostüme von Anna-Katharina Andrees. Und so erzählen die lose aneinandergereihten Artistik-Szenen dieses Abends davon, wie es ist, auf Händen zu gehen, getragen, geworfen und aufgefangen zu werden, wie leicht Körper sind und wie schwer.

Die Sonnenstich-Artistin Zora Schemm formulierte einen Abend mit dem Circus Sonnenstich einmal so: "Ich möchte, dass unsere Zuschauer sich fühlen, als ob sie durch ihre eigenen Träume fliegen. Wie verzaubert. Und ich fliege mit ihnen. Und fühle mich leicht wie eine Feder." Die Show "Karak" hat diesen Wunsch erfüllt.

Beitrag von Cora Knoblauch

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