(Life on earth can be sweet) Donna von René Pollesch (Quelle: Deutsches Theater/Presse/Arno Declair)
Audio: Radio Eins | 16.12.2019 | Cora Knoblauch | Bild: Deutsches Theater/Presse/Arno Declai

Theaterkritik | René Pollesch im Deutschen Theater - Immer diese Gefühle!

René Pollesch, angehender Intendant an der Berliner Volksbühne, beglückt derzeit als Autor andere Häuser mit seinen Stücken. Am Sonntag war Uraufführung von "(Life On Earth Can Be Sweet) Donna", prominent besetzt unter anderem mit Milan Peschel und Martin Wuttke. Von Cora Knoblauch

Pollesch, Peschel und Wuttke harren noch aus im Exil. Es dauert schließlich noch 1,5 Jahre, bis sie wieder in die Volksbühne einziehen können. Im Deutschen Theater überlegen sie bei "(Life On Earth Can Be Sweet) Donna" schon mal, welche Kulissen der Bühnenbildnerin Anna Viebrock sie denn in die Volksbühne mitnehmen könnten. Man könnte ja schon mal was einpacken. Diese selbstreferenziellen Kommentare sind natürlich fürs Berliner Theaterpublikum gedacht, das die Biografien dieser Künstler einigermaßen parat hat. Doch dem Theaterkünstler René Pollesch gelingt es mit leichter Hand, diesen Abend nicht in ein Gag-Feuerwerk für Insider abrutschen zu lassen.

Martin Wuttke, Milan Peschel und Bernd Moss berichten von einer ganzen Reihe an alten DDR Schauspielern, die sie angeblich neulich - oder wann immer das auch war - getroffen haben, die meisten davon dürfte kaum jemand im Publikum kennen, macht aber nichts. Wie so oft ist es nicht ganz leicht, so einen René Pollesch-Abend zu beschreiben.

Pollesch lässt das Gefühls-Barometer ansteigen

Da lungern also fünf Schauspieler hinter den Kulissen einer defekten Drehbühne rum und diskutieren das epische Theater von Brecht. Welche Gefühle muss bzw. darf ein Schauspieler auf der Bühne zeigen? Muss er selbst Gefühle haben? Überhaupt, immer diese Gefühle, ständig werde er gefragt, wie er sich fühle, beschwert sich Wuttke. Was gehe ihn das an?

Pollesch selbst lässt das Gefühls-Barometer im Saal kräftig ansteigen, indem er ikonische Songs einsetzt wie "Like A Rolling Stone" von Bob Dylan, und den 80er Jahre Kuschelrock-Hit "Drive" der US-amerikanischen New Wave Band The Cars. Wer da nichts fühlt, fühlt wohl auch sonst nichts.

Ausgelassene Spielfreude auf der Bühne

In bewährter Pollesch Manier haben sich die Schauspieler die Texte nach und nach selbst erarbeitet, manch ein Satz sitzt am Abend der Premiere noch nicht ganz, die Souffleuse Katharina Popov macht einen guten Job. Peschel und Wuttke laufen zu Hochform auf, Peschel muss sich zusammenreißen, um sich nicht über Wuttke schlapp zu lachen. Doch das Publikum ist nicht ausgeschlossen, im Gegenteil.

Wir schauen hier nicht einfach nur ein paar Ausnahmeschauspielern bei ihrem selbstreferenziellem Schlagabtausch zu, wir dürfen Teil sein. Die mitunter ausgelassene Spielfreude auf der Bühne überträgt sich aufs dankbare Publikum, das junge Paar neben der Autorin dieses Textes kringelt sich vor Lachen im Theatersessel. Wie so oft schafft es René Pollesch, große, schwierige Fragen in absurd-komische und klug-witzige Dialoge zu schummeln.

Die Namensgeberin des Stücks, Donna Haraway, prominente US-amerikanische Feministin und Frauenforscherin, ist leider nur noch im Titel des Stücks übriggeblieben. Im Programmheft gibt’s aber ein paar Literaturhinweise.

Fazit: Auch wenn der Sinn großer Gefühle an diesem Abend lebhaft zur Diskussion steht - das Publikum darf getrost mit einem warmen Glücksgefühl in Herz und Bauch nach Hause gehen.

Sendung: Radio Eins , 16.12.2019, 11.05 Uhr

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