Märchenhütte am Monbijoupark (Quelle: imago images/Bernd Friedel)
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Video: rbb|24 | 05.12.2019 | Material: rbb|24, Abendschau | Bild: imago images/Bernd Friedel

Berlin-Mitte - Märchenhütte im Monbijoupark muss Betrieb sofort einstellen

Eigentlich wollten die Theatermacher in der Märchenhütte im Berliner Monbijoupark bis Ende des Jahres weitermachen - das Bezirksamt aber fordert nun: Der Betrieb muss zu sofort eingestellt werden. Dagegen haben die Betreiber Widerspruch eingelegt.

Die Märchenhütte im Monbijoupark muss ihren Spielbetrieb sofort einstellen. Das geht aus einem Schreiben des Bezirks Mitte an die Betreiber des Theaters hervor, das dem rbb vorliegt. Die Betreiber hatten geplant, Ende des Jahres aufzuhören.

Laut Bezirk müssen sämtliche baulichen Anlagen - also die hölzernen Märchenhütten, ein Säulengang, die Werbeanlage und ein Lagerschuppen - innerhalb von vier Wochen beseitigt werden. Zur Begründung nennt das Bezirksamt die Tatsache, dass der Antrag auf eine Duldung des Betriebs nicht verlängert wurde. Trotz der Aufforderung, den Theaterbetrieb nicht aufzunehmen, sei die Bunkerdachfläche nicht geräumt und die Nutzung am 22. November aufgenommen worden. Dies habe das Bezirksamt bei einer erneuten Besichtigung des Grundstücks Ende November festgestellt.

Sollten die Betreiber der Märchenhütte der Anordnung nicht Folge leisten, droht ihnen unter anderem ein Zwangsgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Betreiber haben Widerspruch eingelegt

Die Betreiber haben Widerspruch gegen die Anordnung eingelegt. Das Amtsgericht soll am Freitag über den Eilantrag entscheiden. "Und wir hoffen, dass der Richter uns geneigt ist und klärt, dass das jetzt nicht das Allererste sein muss, dass wir weggehen, sondern dass man sich das ganz genau anschaut, was Berlin eigentlich will, was geht - und dann werden hoffentlich Märchen gespielt", sagte einer der Betreiber, Christian Schulz, dem rbb. 

"Wir müssen versuchen, es zu schaffen, dass wir spielen können", sagte Schulz. Die Märchenhütte mache seit zwölf Jahren im Monbijoupark Theater, der Zuspruch in der Bevölkerung sei relativ groß. Deshalb wolle er kämpfen: "Im Moment ist jetzt erstmal was angedroht, aber wir werden versuchen, darauf zu reagieren und zu sagen: Uns geht's ums Spielen. Wir sind nicht ein Hochhaus-Bauer, sondern wir machen ein Theater und spielen hier Märchen. Und das versuchen wir mit rechtlichen Mitteln durchzusetzen, dass wir das weiter machen können."

Monatelanger Streit mit verhärteten Fronten

Der Streit zwischen dem Bezirk Mitte und den Betreibern der Märchenhütte läuft schon seit dem Frühjahr. Trotzdem hatte die Märchenhütte am 22. November die erste Premiere der neuen Spielzeit gefeiert. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) bekräftigte jedoch im rbb, dass die Nutzung des Areals nicht zulässig sei, und kündigte juristische Schritte an. Es handle sich um eine Grünanlage mit einem Bebauungsplan, der das auch festsetze, betonte Gothe. In der Vergangenheit sei es so gewesen, dass die Hütte geduldet wurde, aber es sei auch seit diesem Frühjahr klar gewesen, dass diese Duldung nicht verlängert werde - und er habe das auch zu keinem Zeitpunkt in Aussicht gestellt.

Die Betreiber hatten dennoch zunächst angekündigt, bis Ende Februar spielen zu wollen. Eine Woche nach der ersten Premiere teilten die Betreiber dann jedoch mit, den Spielbetrieb zum Jahresende einzustellen. Es würden ihnen "nur Steine in den Weg gelegt", hieß es in einer Mitteilung. Der Spielbetrieb bis Ende des Jahres sei aber nicht gefährdet, sagten die Betreiber damals noch.

Die Märchenhütte besteht aus zwei Holzhütten, die auf einem alten Bunker stehen. Die Bauten stammen nach Angaben des Betreibers aus einem polnischen Waldgebiet. Auf dem Spielplan stehen Stücke für Kinder sowie für Jugendliche und Erwachsene.

Sendung: Abendschau, 05.12.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Oh, sind die Grünen nicht mehr stärkste Partei im Bezirk? Hat der weisungsbefugte Bezirksbürger*innen*meister die Partei gewechselt? Ist Ihnen die Beschlußlage der BVV bekannt?

    #rbb24: Wie ging das Verfahren gestern aus?

  2. 21.

    SPD=Immer mehr unwählbar. Das sage ich als Stammwähler

  3. 20.

    So ist Berlin, beschämend

  4. 19.

    Schämen sollen sich diese menschen die so was beschließen ....ein Armutszeugnis für Berlin....Menschen mit kleinem Geldbeutel so was schönes weg zunehmen.

  5. 18.

    Hey Markus, Ist es ein Verbrechen, gutes Theater zu machen? Das ist eines der schönsten kleinen Theater in Berlin, immer ausverkauft, während andere Theater trotz Subventionen nicht voll sind! Wo bleibt da die Relation? Gesetze sollten doch für die Bürger*innen da sein und nicht gegen sie!

  6. 17.

    Richtig so. In einer entwickelten Gesellschaft gibt es Gesetze und Regeln. Die gelten für alle. Wer glaubt, er kann machen, was er will, soll das im Urwald versuchen.

  7. 16.

    Wie traurig und beschämend für Mitte - das Amphitheater musste weichen, die Märchenhütten sollen weg - Berlin Mitte verliert ein weiteres Stück dessen, was Berlin bisher ausgemacht hat. Die Hütten waren etwas, das bei Berlinern und ihren Gästen für Winter, Weihnachten und Silvester stand - mit hoher Auslastung - und zu wirklich kleinem Geld. Jetzt soll alles weg … ziemlich unverständlich.
    Umso mehr, als unmittelbar daneben seit einiger Zeit eine neue, optisch ziemlich hässßliche 0815 "Märchenscheune" errichtet wird. Das Amphitheater und die Märchenhütten, die sich harmonisch in den Park eingefügt haben, sollen weg - stattdessen errichtet man eine sterile Leichtbauhütte, die den Platz echt verschandelt???. Verstehen kann man das kaum. Herr Gothe, warum diese Konfrontation statt der Suche nach einer einvernehmlichen Lösung???

  8. 15.

    Sehr, sehr traurig!!!
    Und fassunglos!!!
    Die Begründung auch ein Hohn...sofort schließen, da Grünfläche. Macht SINN im Winter!
    Es ist unglaublich, dass Politiker sich SO für Ihre Wähler und die Kultur dieser Stadt interessieren!
    Die Hoffnung liegt nun beim Amtsgericht.

  9. 13.

    Das Bauordnungsrecht hat seine Bewandtnis. Würde die Betreiber solcher semiprofessionellen Veranstaltungsstätten sich vollprofessionelle Unterstützung holen, hätte es die Hütte dort nie gegeben. Einige Brände in Berliner Clubs wären nie entstanden und Menschen nicht ums Leben gekommen.

  10. 12.

    Für uns ist die Märchenhütte seit vielen Jahren zu einer Institution der Vorweihnachtszeit geworden. Die Berliner SPD sollte sich überlegen, welches Signal sie mit dieser völlig sinnfreien Entscheidung sendet. In die Berliner Kulturszene wird so viel an Subventionen geblasen, dass es jedem normalen Menschen schwindlig werden könnte. Und dann soll ausgerechnet ein Theater schließen, das sich selbst trägt und vielen Menschen Freude bringt. Ich hoffe, dass es dafür bei der nächsten Wahl die Quittung gibt.

  11. 11.

    Wie kann unser Senat nur so sein.
    Hier werden Märchen gespielt etwas Wunderschönes hier sollte unser Senat mal ein Auge zudrücken.
    Was bedeutet Duldung wenn es schon seit 10 Jahren da ist.
    Jeder Arbeitgeber ist gezwungen nach einem Zeitvertrag die Person irgendwann unbefristet einzustellen.
    Wieso sollte man nach 10 Jahren Duldung nicht fest dort bleiben können.

  12. 10.

    Oktober? Der Bezirk war wohl auf Basis eines BVV-Beschluss schon Monate vorher aktiv. "Der Streit zwischen dem Bezirk Mitte und den Betreibern der Märchenhütte läuft schon seit dem Frühjahr."

  13. 9.

    Wir haben per Paypal für Freitag, den 13.12., ,für 4 Personen Karten gekauft. Erhalten wir m Fälle der sofortigen Einstellung des Spielbetriebes das Geld zurück?
    Mit freundlichem Gruß
    Chr. Funke

  14. 8.

    "diese Hintergründe zu recherchieren und sich für die unsubventionierte,einmalige Kulturstätte MÄRCHENHÜTTE in Berlin stark zu machen?"
    Und das ist dann NEUTRALER Journalismus für Sie?

  15. 7.

    Für viele Berliner ist die Märchenhütte im Lauf der Jahre zu einem Synonym für Weihnachten geworden. Das Märchentheater jetzt mit Gewalt zu schließen bedeutet: den Kindern und Erwachsenen Weihnachten wegzunehmen! Ich bin entsetzt über die Räumungsdrohung, über die Vetternwirtschaft des Herr Gothe, und über die Art und Weise wie die kommunale SPD mit dem Konflikt umgeht. Wenn schon Schließung, dann hätte man dies im Oktober über die Bühne bringen sollen. Aber doch nicht jetzt so kurz vor Weihnachten, wo doch so viele Menschen Karten für Märchenvorstellungen haben und sich darauf freuen! Die Betreiber der Märchenhütten haben doch eingelenkt und spielen eh nur noch ein paar Tage. Es wäre sehr weitsichtig und vernünftig von der SPD, die Sache nun auf sich beruhen zu lassen - um der Menschen willen. Es sind übrigens viele Wähler darunter. Doch vielleicht will die SPD ja gar nicht mehr über die 5-Prozent-Hürde.

  16. 6.

    Ich denke, der Bezirk Mitte hat viel wichtigere Probleme, für die Herr Gothe sich einsetzen könnte. Den Bürgern den Spaß an der Märchenhütte zu nehmen, die aktuell niemanden offensichtlich stört, ist schon eine sehr spezielle Art der Prioritätensetzung.

  17. 5.

    Nach 12 Jahren Duldung und Ausnahmegenehmigung plötzlich keine Duldung mehr? WARUM nicht? Baustadtrat Gothe (SPD) will dazu keine Aufklärung leisten und protegiert das Plagiat "Märchenscheune" direkt nebenan: ein Bierzelt, das auf Gastronomie ausgelegt ist. Warum ist der RBB nicht fähig, diese Hintergründe zu recherchieren und sich für die unsubventionierte,einmalige Kulturstätte MÄRCHENHÜTTE in Berlin stark zu machen? Nicht nur traurig von Seiten der Politik in Berlin-Mitte - auch traurig, wie einseitig der RBB über diesen Skandal berichtet. Grausam!! Berlin scheint keine Kultur - vor allem auch für Kinder und Jugendliche - in Berlin-Mitte zu brauchen und macht alles unkonventionelle dicht.

  18. 3.

    Ich werde bei dem ganzen Aktionismus von Herrn Gothe das Gefühl nicht los, dass es sich um einen Konflikt mit der Märchenscheune und der Anfang 2019 gegründeten „Theater an der Museumsinsel gGmbH“ handelt. Die Märchenhütte ist eine schöne Attraktion und ich selbst war schon mehrfach mit Freunden und Familie dort. Es ist immer wieder ein unvergesslich schöner Abend gewesen. Auch, dass die Vorstellungen schnell ausverkauft sind zeigt, dass wir Belinerinnen und Berliner und unsere Gäste dieses Theater gern annehmen. Man sollte also.... und dies an Herrn Gothe gerichtet.... darüber nachdenken, wie man zu einer vernünftigen, gemeinsamen und für beide Seiten akzeptablen Lösung kommt.

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