Jaques Herzog (l-r), Architekt des neuen Baus, Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, und Klaus Max Rippel, Leiter des Landesbetriebes Bundesbau Baden-Württemberg, stehen auf dem Spatenstich für das Berliner Museum der Moderne. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
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Video: Abendschau | 03.12.2019 | Christian Titze | Bild: dpa/Fabian Sommer

Erster Spatenstich - Bau des Museums der Moderne in Berlin gestartet

Der Regierende ist erleichtert, der Architekt zufrieden: Mit dem ersten Spatenstich hat am Dienstag der Bau des Museums der Moderne offiziell begonnen. Ein Gebäude, das teuer wird und über das lange diskutiert wurde.

Der erste Spatenstich für das Berliner Museum der Moderne ist getan. Am offiziellen Baubeginn nahmen am Dienstagvormittag unter anderem Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), teil. Grütters sagte bei der Feier, im Herzen der Hauptstadt entstehe mit dem Museum der Moderne ein Ort, der das 20. Jahrhundert im Spiegel der Kunst sichtbar machen solle.

Ein Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts

"Ein überdecktes Stück Stadt"

Das Museum nahe dem Potsdamer Platz soll eine der wichtigsten Sammlungen mit Kunst des 20. Jahrhunderts werden. "Dieses intensiv diskutierte Vorhaben für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist ein weiterer großer Schatz, der unsere Stadt bereichert und noch ein Stück attraktiver für unsere Gäste aus aller Welt macht", teilte Müller nach dem Spatenstich mit. "Städtebaulich ist das Museum der Moderne ein großer Schritt zur Weiterentwicklung des Kulturforums, das sich damit auf neue Weise definieren wird."

Entworfen wurde das Museum der Moderne von dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron. Zu den Prestige-Objekten des Architekten-Duos zählen etwa die Elbphilharmonie in Hamburg, das Olympiastadion in Peking oder die Allianz Arena in München. Der Entwurf für das Gebäude in Berlin ist allerdings nicht unumstritten: In der Presse wurde der Bau zunächst abfällig als "Bierzelt" oder "Kunstscheune" bezeichnet.

Namhafte Architekten und Experten aus der Kunstszene hatten sich vor etwa zweieinhalb Jahren sogar mit einer Onlinepetition gegen den Entwurf gestellt und eine Debatte unter Bürgerbeteiligung zum Design des neuen Museums angeregt. Kritisiert wurde insbesondere die Dimension des Gebäudes, da es die Neue Nationalgalerie sowie die Philharmonie verdecke. Allerdings fand die Petition nur etwas mehr als 1.200 Unterstützer.

Am Dienstag erklärte der Architekt Jacques Herzog, das Bauwerk sei "für diesen spezifischen Ort in Berlin erdacht". "Er ist auch ein überdecktes Stück Stadt, ein sich kreuzender Boulevard, wo Alltagsleben, künstlerische Experimente, Performances und öffentliche Debatten sich vermischen und gegenseitig stimulieren. Dazu braucht es keinen Prunk und keine übermäßige skulpturale Geste für die äußere Form. Ein großes Dach, die archaische und bis heute aktuelle und auch ganz offensichtlich provozierende Form des Hauses scheint uns dafür besonders geeignet."

Fertigstellung 2026 geplant

Die Baukosten für das Museum der Moderne liegen bei rund 450 Millionen Euro. Zunächst war mit 200 Millionen kalkuliert worden. Auch diese massive Kostensteigerung noch vor Baubeginn hatte für Diskussionen gesorgt. Mitte November bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages dann jedoch die erhöhten Baukosten. Grütters betonte beim offiziellen Spatenstich, das Projekt werde unter einer strengen Kostenkontrolle realisiert. Alle sechs Monate sollen die Bauherren dem Bundestag über die Kostenentwicklung berichten.

Die Fertigstellung des Gebäudes ist für 2026 vorgesehen, ursprünglich sollte das Museum 2021 eröffnen.

Sendung: Inforadio, 03.12.2019, 9:24 Uhr

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18 Kommentare

  1. 17.

    Genau so änliches ging mir auch kurz durch den Kopf :-))
    Da wären die Leutchen auch gar nicht so schlecht aufgehoben. Da würde man nämlich mal wirklich Arbeiten müssen "lach"

  2. 16.

    Zum Grundsätzlichen einmal, abgesehen von der für mich nicht überzeugenden Architektur und auch losgelöst davon, dass das Kulturforum für mich keinerlei Ausstrahlungskraft hat:
    Selbst zu Zeiten höchster Not hat ein Mensch und haben Gesellschaften IMMER auch Dinge besessen, die mit der bloßen Notwendigkeit nichts zu tun hatten - ein Teddybär gefunden im Koffer von Geflüchteten und dabei ums Leben Gekommenen, die Lieblingsplatte, die gekauft worden ist, obwohl es zu keiner Butter, sondern nur für die Margarine aufs Brot reichte.

    Unterschieden werden müsste nach Geldausgaben in Bezug auf die Länge der Nutzung - ein Bauwerk wie der Flughafen oder wie eine Schnellstraße ist nach 20 Jahren, max. 30 J. überholt, unwiderbringlich abgefahren. Die Investition in Museen überdauern oft genug Jahrhunderte. Insofern sehr gut angelegtes Geld.

  3. 14.

    Es ist das Geld der Steuerzahler! Moralisch haben diese auf Zeit gewählten Vertreter nicht das Recht es für so elitäre Projekte zu verschleudern! Ca. 50.000 Obdachlose, mindestens 500.000 Rentner in Armut, die ihr Alter in Würde mit Flaschensammeln verbringen dürfen. Dafür soll kein Geld da sein? Es ist grotesk und ekelt mich an. Baut nur weiter. Rom in den letzten Tagen muss sich ähnlich angefühlt haben.

  4. 13.

    Mit dem Geld könnte man wahrscheinlich in allen heruntergekommenen Schulen Berlins die Sanitäreinrichtungen in Ordnung bringen, den Schimmel beseitigen und und und.
    Alledings könnte sich wohl kein Politiker damit schmücken. Da macht schon der Spatenstich für ein Museum mehr her!

  5. 12.

    Na denn man Tau....
    Noch nicht mal in der Lage eine Flughafen zu bauen, aber schon wieder die Schüppe in der Hand mit einem nächsten "Reisen-Groß-Projekt".
    Ich lach mich jetzt schon mal scheckig, zumal schon in Stein gemeißelt fest steht, dass dieses Ding wieder aus irgendwelchen - jetzt vieleicht noch unerfindlichen Gründen - mindestens um das doppelte - wenn nicht sogar ums dreifache teurer wird.
    Und wiedereinmal setzt man sich einfach über - durchaus berechtigte Zweifel - der Bürger hinweg.
    Ist es wirklich genau das, was die Menschheit braucht? Kann man mit dem haufen Kohle nicht erstmal etwas viel viel wichtigeres und dringenderes anstellen?
    Solche Dinge machen mich wirlich fassungslos......

  6. 11.

    Natürlich erst mal abwarten wie es denn wirklich in ca. 12 Jahren aussehen wird, die Baukosten werden sich sicher auch noch mal verdoppeln. Abreißen können wir dann immer noch. Unsere Stadtplanung ist einfach ein Hohn, nicht nur an diesem Ort.

  7. 10.

    Sie werden lachen: Bis 1985 war tatsächlich eine U-Bahn dort geplant. In circa 700 - 1000 Abstand zur S-Bahn-Strecke bis hinunter nach Lichterfelde-West. Weil die "dem Osten" gehörte, musste zu West-Berliner Zeiten dort natürlich eine Parallelstrecke gebaut werden. Mit der Übertragung der Betriebsrechte der S-Bahn auf die West-Berliner BVG gehörte die dann zum eigenen Laden und eine derart abstruse Planung - wenn man die Gesamtstadt zugrundegelegt - wurde ad acta gelegt.

    Nur zur Industrie- und Handelskammer in Berlin-Brandenburg hat sich das noch nicht rumgesprochen. Die reden immer noch von U-Bahn-Erweiterungen, obwohl schon beim gegenwärtigen U-Bahnhofs-Bestand die Kosten für die Unterhaltung der Anlagen nicht aufgebracht werden können (Musterbeispiel Grenzallee / U7) In Zürich fährt selbst der Bankdirektor mit der Tram ...

  8. 9.

    Gratuliere Berlin! , endlich wird staedtebaulich ein echtes Forum geschaffen, das war laengst ueberfaellig. Und ich glaube, es waere auch im Sinne Sharouns. Als Wahlberliner habe ich viele Diskussionen verfolgt- ueber jahrzehnte hinweg konnten man sich nicht einigen, es blieb nur eine Stadtbrache uebrig. An diesem wichtigen Ort. ueber Jahrzehnte sollten alle Entwuerfe im Nichts enden. Ob ein schlichter Bau oder was sonst? oder was wollen die Gegner eigentlich? Ein neues Schloss des 21. Jahrhunderts? Fuer mich zweitrangig, Hauptsache es entsteht ein Baukoerper der es wuerdig ist, die Kunst des 20. Jahrhunderts zu beherbergen.
    Und da glaube ich, hat sich der geplante Bau schon profiliert, er hat keine schweren Lasten, die wir zu ertragen haetten, er bleibt profan, wie schoen!

  9. 8.

    die Scheune gehört eigentlich aufs Land zur Viehhaltung etc.

  10. 7.

    Och, für 'n Hangar mitten in der Stadt ist es doch ganz nett ...
    Jetzt noch per U-Bahn mit dem Flughafen BER verbinden - und Berlin hat schon wieder etwas Einmaliges.

  11. 6.

    Natürlich mit strenger Kostenkontrolle. Es darf gelacht werden. Wetten gegen die 450 000 000 werden demnächst angenommen.
    Wäre noch die Frage, was bei diesem Schlichtbau diesen Baupreis rechtfertigt?

  12. 5.

    Wieder mal hat der Senat gegen die Stimmen vieler Berliner entschieden.
    Genauso wie bei der hässlich und viel zu teuren Eiheitswippe.
    Vieviele soziale Dinge wären viel wichtiger.

  13. 4.

    Sicher muss man erstmal abwarten wie das Gebäude irgendwann in Natura aussehen wird aber bis jetzt finde ich die Entwürfe nicht besonders überzeugend erst recht an so einen wichtigen Ort . Die völlig überhöhten Kosten von mindestens 450 Millionen Euro finde ich aber egal was dort mal für ein Ergebnis stehen wird absolut inakzeptabel .

  14. 3.

    "Kultur" gegen Wohnungen.

  15. 2.

    Die Staatsbibliothek gehört konzeptionell mit zum Forum wird aber nie mit erwähnt. Die Neue Nationalgalerie hat nie architektonisch mit den anderen Bauten eine Balance bilden können. Sie ein überdimensionaler Glaskiosk und damit schwach. Wie es nach dem Neubau jetzt aussehen und wirken wird weiß doch noch keiner . Die beschämende Architektur des Kunstgewerbemuseums jedenfalls wird nicht unterboten werden. Womöglich wird s sogar richtig toll.

  16. 1.

    Mit der Formulierung "nahe dem Potsdamer Platz" wird schon das Wichtigste in dieser Angelegenheit überdeutlich: Nicht, dass der Kommerz angelagert an die Kultur wäre, umgekehrt ist es, die Kultur, hier: das Kulturforum, angelagert an die Stätte des Kommerzes.

    Das Kulturforum ist leider nie der Kristallisationspunkt geworden, das es vom politischen Selbstverständnis hätte sein sollen: zum einen bei Durchkreuzen der Nazi-Pläne, die hier, an dieser Stelle, den verkehrlichen Schnittpunkt zwischen der Nord-Süd-Achse und der ausgerufenen Reichsstraße 1 vorsahen, zum anderen angesichts der nahen Grenze das Selbstverständnis einer offenen Kultur gegenüber einer parteilich gefärbten.

    Der Neben(schau)platz zum Potsdamer Platz: eine wahllose Ansammlung baulicher Solitäre. Das Museum der Moderne zähle ich, pardon, nicht dazu.

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