Besucher laufen durch einen Raum in der Leitausstellung "fontane.200/Autor" im Museum Neuruppin. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Audio | Inforadio | 30.12.2019 | Interview mit Maja Peers-Oeljeschläger | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Interview | Fontane-Ausstellung - "Viele sind wieder neugierig geworden auf Fontane"

Am 30. Dezember vor genau 200 Jahren kam Theodor Fontane in Neuruppin zur Welt. Zum Abschluss des Fontane-Jahrs und am letzten Tag der großen Fontane-Ausstellung zieht Maja Peers-Oeljeschläger, Leiterin des Museums Neuruppin, im Interview Bilanz.  

rbb: Frau Peers-Oeljeschläger, heute ist der letzte Tag der Fontane-Ausstellung im Museum Neuruppin. Wie war die Resonanz?

Maja Peers-Oeljeschläger: Für uns ist das ein sehr positives, erfolgreiches Jahr gewesen. Unsere Besucherzahlen konnten wir mehr als verdreifachen. Wir haben vor allem sehr viele Menschen erreicht, die vorher noch nie im Museum Neuruppin gewesen und die von weit her gekommen sind. Wir haben aus dem gesamten deutschsprachigen Raum Besucher erreicht, aus dem europäischen Ausland, sogar aus Übersee.

Welches Feedback haben Sie von den Menschen bekommen – was Ihr Museum angeht, aber eben auch Ihre Auseinandersetzung mit Fontane?

Wir haben erfreulich viel positives Feedback bekommen. Wir haben uns mal den Spaß gemacht, das Gästebuch durchzuzählen: Über 90 Prozent der Einträge sind ausgesprochen positiv. Auch in den Gesprächen, bei den Führungen, haben wir sehr viel positives Feedback erhalten. Und was uns am meisten freut – denn das war das Ziel für dieses Fontanejahr – sehr viele Besucher haben gesagt, dass sie wieder neugierig geworden sind auf Fontane und seine Texte. Sie nehmen wieder das Buch in die Hand, setzen sich zuhause hin und wollen ihn lesen.

Wie sind Sie denn auf die junge Generation zugegangen?

Wir haben parallel zur Ausstellung im Museum zwei Jugendprogramme initialisiert. Das war einmal das Programm "Dem Wort auf der Spur": Im Rahmen eines Fontane-Tages konnten über 5.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Brandenburg nach Neuruppin kommen. Sie haben die Leitausstellung besucht, haben dann eine Stadtrallye gemacht, es gab Fontane-Fragen, und am Ende konnten sie einen Fontane-Escape-Room besuchen. Und dann gab es ein weiteres digitales Jugendprojekt "Word & Play". 50 Jugendliche kamen nach Neuruppin, um ausgehend von den Ideen und Romanen Fontanes Computerspiele zu entwickeln. Beides ist sehr gut angekommen. Wir hoffen, dass wir davon vielleicht noch ein bisschen was in die Zukunft hinüber retten können.

In vielen Bilanzen ist zu lesen, dass man sich Fontane neu genähert habe. Welche neuen Seiten haben Sie an Fontane entdeckt in diesem Jahr?

Uns allen ist noch einmal sein zeitloser, vielleicht sogar moderner Umgang mit Sprache bewusst geworden. Er war sehr wortgewandt. Vieles, was er mit seinem normalen, herkömmlichen Wortschatz nicht ausdrücken konnte, hat er ergänzt oder sich Worte ausgesucht, mit denen er seine Ideen umsetzen konnte. Es hat uns neu überrascht und angeregt, wie zeitlos das gewesen ist. Sein Erfindungsreichtum bei Worten und Wortkonstruktion hat sich teilweise auch auf Besucher oder Rezensenten übertragen, etwa dieses Faible, Wortketten zu bilden, Worte zu kreieren wie "Zärtlichkeits-Allüren" oder "Totalkenntnis". Wir fanden das immer wieder im Gästebuch, in den Kommentaren oder in Gesprächen.

Das Fontane-Jahr 2019 geht zu Ende. Gibt es vielleicht einen neuen Pfad, den Sie als Museum auch über 2019 hinaus unbedingt beschreiten sollten, um noch etwas von diesem Fontane-Jahr mitzunehmen?

Wir werden sicherlich noch mal stärker auf seine Art zu arbeiten eingehen. Wir wollen die Grundideen zu unserer Leitausstellung fontane.200/Autor ein bisschen in unsere ständige Ausstellung hinüber retten. Wir wollen nicht nur seinen beruflichen und literarischen Werdegang erzählen, sondern noch stärker darauf eingehen, wie kreativ Fontane gewesen ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Maja Peers-Oeljeschläger sprach Alexander Schmidt-Hirschhausen für Inforadio. Dieser Beitrag ist eine gekürzte und leicht redaktionell bearbeitete Version. Das Original-Interview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Aufmacherbild nachhören.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Also mich hat der rbb mit seinen Sendungen zu Fontane voll abgeholt. Für diese Sendungen liebe ich auch den rbb. Besonders haben mir kürzlich die Folgen von "Die Entdeckung der Heimat" mit Fabian Hinrichs gefallen. Wie alle diese Sendungen (inkl. "Heimatjournal") leider viel zu kurz. Ich hoffe, Ihr bessert Euch... ;) Habe jetzt angefangen, wieder die "Wanderungen..." von Fontane zu lesen.

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