13.04.2019, Baden-Württemberg, Mannheim: Der Rapper Capital Bra tritt in der Maimarkthalle während seines Tourauftakts auf. (Quelle: dpa/Deck)
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Spotify-Jahrescharts für Berlin und Brandenburg - Diesen Musikern muss sich Capital Bra geschlagen geben

Der Rapper Capital Bra ist Dauerparker in den deutschen Singlecharts. Doch außerhalb von Berlin gibt es auch Hoffnung für andere Künstler - wie eine Auswertung von Spotify zeigt. Vor allem Potsdam hat einen recht eigenen Musikgeschmack. Von Haluka Maier-Borst

Schnapp dir sechs Themen, würfel einmal durch, und dann noch mal, und dann nochmal, und schon bist du im Textkosmos von Capital Bra. Die Songs drehen sich um:

Geld, Gewalt und Drogen ("Wieder Lila")

Drogen, Geld und Frauen ("Tilidin")

Frauen, Geld und Ruhm ("Prinzessa")

Frauen, Geld und Sex ("Cherry Lady")

Geld, Frauen und Gewalt ("Benzema")

Frauen, Gewalt und Drogen ("110")

Geld, Drogen und Ruhm ("DNA")

Wenig Abwechslung? Wozu auch! 7 der 20 meist gespielten Songs in Deutschland in diesem Jahr stammen laut dem Streamingdienst Spotify von Capital Bra. In Berlin sind es sogar 8 von 20. Man kann es Dominanz, Erfolgsgarantie oder sibirische Einöde nennen (dort ist der Berliner Rapper geboren). Aber es ist auf jeden Fall beeindruckend.

Und doch: So unangefochten Capital Bras Status auf den ersten Blick wirken mag, es gibt auch andere Musik, die in Berlin und Brandenburg funkt. Eine regionale Auswertung, die rbb|24 basierend auf regionalen Spotify-Daten gemacht hat, zeigt, dass vier Songs sogar noch besser liefen als Capital-Bra-Singles.

Da wäre zum einen "bad guy" von der 17-jährigen Billie Eilish, die so ganz anders als andere Popikonen sein soll – und vielleicht gerade damit das typische Merkmal einer neuen Popikone mitbringt. Und dann Juju, ein früheres Mitglied des skandalträchtigen Rapperinnenduos SXTN, die im Song "Vermissen" von der Sehnsucht als tourende Musikerin rappt.

Desweiteren die Australierin Tones And I mit quäkender Stimme und dem Song "Dance Monkey". Und schließlich der Shootingstar Apache 207, der mit einer eigenwilligen Mischung aus Eurotrash und Deutschrap gerade Konzerthallen im Rekordtempo ausverkauft.

Hinzukommt, dass Capital Bras Songs zwar in Berlin gut laufen, rund um die Hauptstadt aber deutlich schlechter. Ausgerechnet Cottbus, Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Potsdam sorgen dafür, dass die Spotify Top 20 nicht wie ein einziges "Bratan"-Album klingen und retten gewissermassen die musikalische Vielfalt.

Kurios ist auch, wer sich in die Top 20 Plays in Potsdam geschmuggelt hat. AMR ist ein Künstler, der es auf gerade mal 1.000 monatliche Hörer bringt (bei Capital Bra sind es 5 Millionen). Für Potsdam schaffen es aber tatsächlich gleich zwei seiner Songs in die Top 20. Beide dauern gerade einmal eine Minute und klingen wirklich nicht nach einem Sound, der einen nachhaltig in Erinnerung bleibt oder dem kommerzieller Erfolg blüht. Aber gut, das dachten manche vor einigen Jahren auch von einem gewissen Berliner Rapper. Vielleicht wächst da also die nächste Überraschung in Potsdam heran.

Beitrag von Haluka Maier-Borst

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11 Kommentare

  1. 11.

    Und sie müssen nach meinen Regeln spielen
    Ich kann nicht sehr gut reden, Bra, dafür kann ich sehr gut zielen

  2. 10.

    Capital-ismus :D

  3. 9.

    Dennoch hat Erfolg im Musikbusiness mehr mit einem guten Marketing zu tun, als mit der Musik als solches. Hier hat er seine Hausaufgaben gemacht: Immer bei Instragramm präsent, nen Haufen Features am Start u.a. mit Dieter Bohlen und ne Anfrage bei Helene Fischer und Musik in kürzester Zeit releasen (6 Alben in 3 Jahren). Hier geht es nicht darum gute Musik zu machen, sondern Geld zu scheffeln. Mag sein das er mal authentisch war. Nun nicht mehr, er ist in der Musikindustrie angekommen.

  4. 8.

    Capi war schon in Freestyle Battles sehr stark und er kann seine Disziplin.

  5. 7.

    Ich bezweifle ja fast, dass Bra seine Texte selbst schreibt. In Interviews bekommt er ja keine drei Sätze zusammenhängend zu stande.
    Am Ende bleibt die Frage, warum solche Musik überhaupt Anklang findet? Und was das über diejenigen aussagt, die sie hören? Es geht ja hier nicht nur um die Musik, sondern um das Drama rund herrum, wer mit wem mal wieder "Beef" hat usw. Menschen lieben Geschichten und Dramen und in Zeiten von Instragram und Co. lässt sich gut inszenieren und die Musik wird eigentlich mehr zur Nebensache.

  6. 6.

    Ich meinte ja auch den Rap der heutigen Generation - HipHop nehme ich da aus, weil der musikalisch und vom Text her richtig gut sein kann. Da muss mittlerweile leider ein Unterschied gemacht werden.
    Der Rap an sich ist eine hohe Sprach/Wortkunst - wenn die Texte nicht so flach und primitiv wären, wie die meisten mittlerweile. Ich liebe den Rap der späten Siebziger/Anfang 80´er Jahre - wobei gerade "White Horse" da eine große Ausnahme gemacht und die Richtung vorgegeben hat - das ist was verloren gegangen.
    Ich mag in der Hinsicht oldschool sein - aber da mich Texte und deren Inhalte interessieren, kann ich dem heutigen Rap kein wirklich gutes Zeugnis erstellen - denn die Inhalte sind zumeist primitiv, flach, sexistisch, voller Gewalt und Aufruf zu derer - da werden Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Wenn ich die Leute mit ihren BT-Lautsprechern erlebe, die sich diesen Wortmüll reinziehen, wundert mich nicht mehr viel..... leider......

  7. 5.

    Dem ersten Abschnitt Ihres Kommentars möchte ich gerne anmerken (oder widersprechen), dass - von den bekannteren Künstlern - wie z. Bsp. Dendemann, SMUDO, Samy Deluxe, Sookee u.a. durchaus hörbare Musik und vor allem auch Texte mit Haltung, Anspruch und Statement kommen, die nicht einfach nur hohl und schon gar nicht gewaltverherrlichend sind.
    Ansonsten meine volle Zustimmung, denn 'on air' läuft viel Schexxx und ist ohne politischen Anspruch und textlich alleraller unterste Schublade und nur auf Klicks aus - wie Sie es auch bereits sagten. Alles nicht = ein Kamm.

  8. 4.

    Als ob man diese Charts auch nur ansatzweise irgendwie ernst nehmen könnte...

  9. 3.

    Achja.... ist schon guter Junge, Capital. Macht so´n bissken auf Prolet, schaut den Menschen auf die Finger und singt übers Alltägliche. Geht immer. Modern Talking hat auch kein größeres Repertoire gehabt (Cherry cherry.... usw...).

  10. 2.

    Die Frage ist für mich, wie repräsentativ sind die Charts heute? Klar repräsentierten die Charts die Mehrheit, aber wie viele sind das? Wie verhalten sich diese Zahlen, vor Allem Streaming, zu den Zahlen von vor 20 Jahren? Welchen Wert hat einmal hören auf Spotify im Vergleich zu einem Datenträger-Kauf (Vinyl, CD)?
    Ich höre keine Charts und in meinem Bekanntenkreis so gut wie keiner. Die meisten kennen Capital Bra nicht mal, obwohl er so viele Nummer 1 Hits hat. Die Frage ist, wie viele werden ihn in 20 Jahren kennen. Die Beatles haben weniger Nummer 1 Hits, aber sind wesentlich bekannter als Bra. Wie war das damals bei den Beatles? Kannten die jemand, außer den Charthören?
    Bra mag zwar unzählige Nummer 1 Hits haben. An sich kann man aber kein genauen Vergleich zu damals ziehen. Da heute ganz anders gemessen wird.

  11. 1.

    Rappen ist KEINE Musik - es ist leider zum dumpfen Gestammel verkommen mit sinnfreien und gewaltvollen Texten. Es gab mal guten Rap - aber diese Zeiten sind leider schon zu lange vorbei.
    Leute wie der Protagonist des Berichts sind keine Künstler und keine Musiker - das sind Leute, die mit widerlichsten Textpassagen dazu beitragen, die Gesellschaft ein Stück weit weiter zu verrohen - sowas als Kunst zu bezeichnen, sollten sich die "Preisverteiler" und Charlistenersteller ernsthaft durch den Kopf gehen lassen - so das Hirn nicht schon "weggerappt" wurde. Der heutige Rap ist mit Rape vergleichbar - wer´s versteht, weiß, was gemeint ist.

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