Fabian Hinrichs auf Fontanes Spuren am Kalksee (Bild: rbb)
Audio: Radioeins | 17.12.2019 | Interview mit Johannes Unger | Bild: rbb Presse & Information

Interview | rbb-Dokuserie "Die Entdeckung der Heimat" - "Fontane war der erste preußische Tourist"

Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane begibt sich der Schauspieler Fabian Hinrichs auf die Spuren des Schriftstellers durch Brandenburg. Johannes Unger ist Autor und Regisseur der fünfteiligen rbb-Dokuserie und erzählt, wie Fontane selbst damals gereist ist.

rbb: Warum wollte Theodor Fontane damals reisen?

Johannes Unger: Fontane hat das Reisen eigentlich erfunden und ist der erste preußische Tourist. Er war Angestellter im Innenministerium und musste viele Texte für die preußische Regierung schreiben. Er hat aber auch für Zeitungen geschrieben und sich dann überlegt, aufs Land rauszufahren und die Geschichte Brandenburgs zu erzählen. Diese hat er zuerst in Zeitungen veröffentlicht, dann folgten Bücher. Wenn man so will, ist Fontane der Erfinder dieses märkischen Heimatgefühls.

Wie ist er damals gereist?

Man denkt ja immer, dass Theodor Fontane mit Stock, Hut und Jacke durch die Gegend gewandert ist. Das war auch so. Aber die meiste Zeit ist Fontane mit der Kutsche gefahren oder vor allen Dingen mit der neuen Bahn gereist. Fontane war ein begeisterter Bahnfahrer. Er hat sich in Berlin in einen Zug gesetzt und ist nach Brandenburg herausgefahren. Anschließend hat er die Kutsche oder ein Fuhrwerk genommen und ist in der Regel zu Dörfern oder in alte Schlösser gefahren. Dort hat er sich die Geschichten des Ortes erzählen lassen.

Fontane schrieb Packzettel darüber, was er alles mitnehmen musste. Haben Sie noch eine Anekdote, mit der Sie nicht gerechnet haben?

Wir sind natürlich an ganz wunderbare Orte gekommen, die Fontane damals auch aufgesucht hat. Zwei Orte haben wir besucht, über die er nur geschrieben hat, wo er aber nicht gewesen ist. Insofern sind wir sogar ein Stück weitergekommen als er.

Das interessanteste war eigentlich der Ort Quitzöbel, der am Zusammenfluss von Havel und Elbe liegt. Dort steht ein Herrenhaus, in das Fontane damals nicht hereinkam. Wir sind aber hereingekommen. Bis vor Kurzem wohnte dort ein älterer Herr. Er hat uns durch sein Reich geführt und wir haben viel über das Leben philosophiert. Das war ein sehr, sehr schöner Drehtag. Und das haben wir Fontane voraus: Er war nicht im Schloss von Quitzöbel. Wir haben es geschafft.

Was lernen die Berliner und Brandenburger noch heute von Fontanes Reisen?

Es geht um die interessante Geschichte des 19. Jahrhunderts in der Region, wo sich sehr viel verändert hat. Es geht aber auch um die Zeitschichten dazwischen. Wir kommen nicht nur an die Orte, sondern erzählen auch, was seit der Fontane-Zeit dort passiert ist. Das ist sehr spannend und phänomenal. Alles, was seit Fontane passiert ist, versuchen wir mitzuerzählen. Es lohnt sich immer, an einen Ort zu kommen und mit den Menschen zu reden.

Das Interview mit Johannes Unger führte Nancy Fischer für Radioeins.

Der Beitrag ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das vollständige Interview können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: Radioeins, 17.12.2019, 10:40 Uhr

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