Club Griesmühle in Neukölln droht das Aus, (Quelle: rbb)
Video: Abenschau | 12.01.2020 | Trocoli Castro | Bild: rbb

Mietvertrag nicht verlängert - Neuköllner Techno-Club Griessmühle vor dem Aus

Clubs wie das White Trash oder die Lohmühleninsel mussten schon schließen, dem Sage und dem KitKat droht das gleiche Schicksal. Jetzt wird die Liste der vom Clubsterben bedrohten Etablissements um einen Namen länger: Die Neuköllner Griessmühle kämpft ums Überleben.

Dem über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Techno-Club Griessmühle in Neukölln droht schon in gut zwei Wochen das Aus. Der Mietvertrag für das ehemalige Industriegebäude an der Sonnenallee wurde vom Inhaber, einem österreichischen Unternehmen, nicht verlängert, wie der Betreiber des Clubs mitteilte. Der Vertrag läuft Ende Januar aus. Investoren wollen das Gelände neu entwickeln.

David Ciura hatte vor acht Jahren den Club eröffnet, der inzwischen Gäste aus aller Welt anlockt. Vor vier Jahren wurde das Gelände an eine österreichische Aktiengesellschaft verkauft, danach erhielten die Club-Betreiber nur noch Halbjahresverträge. Man habe damit jegliche Planungssicherheit verloren, sagte Ciura dem rbb.

Club kämpft ums Überleben

Die Griessmühle hat neben ihren Clubnächten auch zahlreiche andere Freizeitangebote auf dem Programm. Dienstags gibt es einen Ping-Pong-Abend, zu Kinovorführungen auf der Tanzfläche kommen regelmäßig mehr als 200 Menschen. Beim sogenannten Griessmuehlenmarkt können Trödler und kleine Start-ups in den Club-Räumen Gebrauchtes und Selbstgemachtes verkaufen.

Mit einem Video auf Youtube und anderen Aktionen kämpft die Griessmühle um politische Unterstützung. Der Bezirk Neukölln hat bereits seine Hilfe angeboten.

Lederer will Abhilfe schaffen

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) will derweil die Club-Szene der Stadt vor einschneidenden Veränderungen schützen. Die Stadt werde dichter, die Nutzungskonflikte nähmen zu, hieß es vom Senator im Dezember vergangenen Jahres. Diese Entwicklung gefalle ihm nicht, man müsse sie aber zur Kentnis nehmen. Daher bemüht sich der Linken-Politiker darum, Clubs baurechtlich als Kulturstätten einzuordenen, statt wie bisher als Vergnügungsstätten.

Zudem hat der Berliner Senat einen Lärmschutzfonds eingerichtet, um Streitigkeiten zwischen Anwohnern und Clubbetreibern entgegenzuwirken. Dieser sei nun verstetigt worden, sagte  Lederer am Sonntagabend im rbb. Jedes Jahr sollen demnach den Clubs eine Million Euro für entsprechende Ausstattungen zur Verfügung stehen.

Auch Sage und KitKat stehen vor dem Aus

In Berlin wird schon länger ein Clubsterben durch steigende Mieten, Lärmbeschwerden und Gentrifizierung beobachtet. Dabei traf es zuletzt bekannte Einrichtungen wie Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel, das White Trash in Treptow oder den Bassy Cowboy Club in Prenzlauer Berg.

Auch den beiden bekannten Berliner Clubs Sage und KitKat droht das Aus. Wie Sage-Betreiber Sascha Disselkamp dem rbb bestätigte, wurde der Mietvertrag für das von beiden Clubs gemeinsam betriebene Haus vom Besitzer gekündigt. Demnach müssen beide Clubs bis Juni 2020 ausziehen.

Sendung: Abendschau, 12.01.2020, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Beim Sage/KitKat hat der Verwalter des Eigentümers vor längerem mit Printmedien gesprochen und mitgeteilt, dass er anstrebe, mit dem KitKat eine Vertrag zu schließen. Die seien als Hauptnutzer bisher nur Untermieter.

  2. 1.

    Nichts Neues in Berlin !

    "Investoren wollen das Gelände neu entwickeln !"
    Alles klar !!!

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