Staatsballett-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Oehman (Bild: imago images/Reiner Zensen)
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Audio: Inforadio | 22.01.2020 | Sabine Bangert | Bild: imago images/Reiner Zensen

Berliner Staatsballett - Tänzer reagieren "empört und enttäuscht" auf Rückzug

Nach dem angekündigten Rückzug der Staatsballett-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman melden sich die Tänzerinnen und Tänzer zu Wort. Sie üben scharfe Kritik an den Scheidenden. Auch in der Berliner Kulturpolitik herrscht Ratlosigkeit.

Die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts Berlin haben die Rücktrittsankündigung der Co-Intendanten Johannes Öhman und Sasha Waltz scharf kritisiert. Die Entscheidung habe unter den Künstlern Empörung ausgelöst, hieß es in einer Erklärung des Ballett-Vorstands, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Mehr noch sind wir enttäuscht, dass wieder einmal wir Tänzerinnen und Tänzer die Leidtragenden des dürftigen Kulturmanagements sind", hieß es in der Mitteilung des Ballett-Vorstands vom Mittwochabend.

Der Choreograph Öhman und die Tanzregisseurin Waltz hatten nach nur wenigen Monaten an der Spitze des Staatsballetts am Mittwoch erklärt, dass sie ihre gemeinsame Intendanz Ende 2020 aufgeben. Sie hatte erst im August 2019 begonnen. Ursprünglich sollten die beiden bis zum Ende der Saison 2024/25 bleiben.

Ensemble hatte sich anfangs gegen Waltz gewehrt

Bei ihrem Antritt hätten die Intendanten einen Dreijahresplan angekündigt, um das Staatsballett wieder an die europäische Spitze zu bringen. Nun offenbare sich "die Oberflächlichkeit dieser Pläne", heißt es in der Erklärung. Das Vertrauen in die Fähigkeit des Berliner Senats, die Kompanie "wohl überlegt in die Hände einer ehrlich engagierten Ballettdirektion zu geben", sei erschüttert.

Es stelle sich jetzt die Frage, wie das Ensemble mit einer künstlerischen Leitung weiter zusammenarbeiten solle, die ohnehin kurzfristig gehen wolle. Das Tanzensemble hatte im Sommer vergangenen Jahres scharfe Kritik an der Personalie Sasha Waltz geübt. Knapp 20.000 Ballett-Fans hatten sich an einer Unterschriftenaktion des Ensembles gegen Waltz als Co-Intendantin  beteiligt und vor dem Profilverlust des Staatsballetts gewarnt. Als Leiterin der Kompanie "Sasha Waltz&Guests" habe sich die Regisseurin im modernen Tanztheater einen Namen gemacht hat - aber nicht im klassischen Ballett, das körperlich und technisch von anderen Voraussetzungen ausgeht, hieß es aus dem Ensemble. Auch eine Doppelspitze sei ungeeignet.

Letztlich führten Öhman und Waltz das Berliner Staatsballett aber zu großen Erfolgen. Die Auslastungszahlen waren im vergangenen Jahr so hoch wie nie. Die Zeitschrift "Tanz" wählte das Staatsballett nach der Neuausrichtung zur "Tanzkompanie des Jahres".

Bangert fordert Findungskommission

Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Sabine Bangert (Grüne), geht nach eigener Aussage von persönlichen Gründen bei Johannes Öhman aus. Er habe eben ein attraktives Angebot in Stockholm angenommen, sagte Bangert am Mittwoch dem rbb. Es sei folgerichtig, dass auch Waltz gehe. Gleichwohl habe sie die Ankündigung der Beiden "sehr kalt erwischt, und es ist auch nach wie vor eine große Erschütterung bei mir und sicherlich auch einen Schock für das Staatsballett", so Bangert.

Das Duo Waltz/Öhman habe die Kompanie beruhigt und auf einen erfolgreichen Weg gebracht. "Die Compagnie hat es zuletzt ausgestrahlt, dass sie diese neue Profilierung auch will und und sich da weiterentwickeln will. Deshalb ist natürlich umso bedauerlicher, dass dies jetzt abbricht." 

Über die Nachfolge müsse nun eine Findungskommission beraten, forderte Bangert. Sie sei weiterhin für eine Doppelspitze. Die Suche nach adäquatem Ersatz werde sich gleichwohl schwierig gestalten, denn "natürlich sind namhafte Choreografinnen und Choreografen jetzt auch nicht so kurzfristig verfügbar. Deshalb müssen wir uns wahrscheinlich auch Gedanken darüber machen, wie es in eine Übergangslösung aussehen kann", so Bangert im rbb-Inforadio.

Sendung: Inforadio, 22.01.2020, 15:55 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Reichlich geistlos und von verbriefter Unwissenheit geprägter Kommentar! Tipp : besser sich bei " Du und Dein Garten" kommentieren!

  2. 6.

    Na nun mal halblang. Mit dem Senat hat das herzlich wenig zu tun. Frau Waltz hätte jedes Haus mit Kusshand genommen. Auch sei daran erinnert, dass sich der Senat der unsäglichen Personalie Dercon mutig entledigt hat. Hier geht es eher um Vertragspflichten die gebrochenen werden. Das ist heute leider auch in der Kultur nicht anders als in Politik oder Sport (vgl. Aubameyang).

  3. 5.

    First-World-Problems...warum nicht den Laden einfach dicht machen und das Geld da investieren, wo es benötigt wird? Schulen, Jugendämter, Obdachlosenhilfe etc. pp. ......

  4. 4.

    Vielleicht Zeit, Herrn Malakov wieder zurück zu holen

  5. 3.

    Der Senat wurde von der Entscheidung auch überrumpelt. Also Kirche im Dorfe lassen.

  6. 2.

    Als Leiter einer Institution weiß ich … der Fisch stinkt immer vom Kopf her … wenn etwas nicht funktioniert. Fakt ist das die offensichtliche Unfähigkeit des derzeitigen RRG Senats in allen Bereichen des öffentlich und kulturellen Lebens in Berlin deutlich zu spüren ist. Leidtragende sind die engagierten Tänzer / Künstler und die kulturinteressierten Menschen in Berlin. Ein Armutszeugnis. Ich wundere mich über nichts mehr.

  7. 1.

    Erst meckern als Sie kam, nun meckern weil Sie geht? Was denn nun?

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