Jury des Theatertreffens Berlin 2020: Theaterkritiker Wolfgang Hoebel, Cornelia Fiedler, Georg Kasch, Shirin Sojitrawalla, Margarete Affenzeller, Andreas Klaeui und Dr. phil. Franz Wille. (Quelle: Freese/drama-berlin.de)
Audio: rbb Kultur | 28.01.2020 | Gespräch mit Theaterkritikerin Barbara Behrendt | Bild: Freese/drama-berlin.de

Auswahl in Berlin präsentiert - Inszenierungen beim Theatertreffen überwiegend von Frauen

Schon die Einladung zum Berliner Theatertreffen gilt im Kulturbetrieb als Auszeichnung. In diesem Jahr sollte mindestens die Hälfte der Stücke von Regisseurinnen stammen - die Quote wurde sogar übertroffen. Anfang Mai wird die Auswahl in Berlin zu sehen sein.

Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen 2020 steht. Erstmals berücksichtigte die Jury dabei mehr Stücke von Regisseurinnen als von Regisseuren: Sechs der zehn Stücke im Programm wurden von Frauen inszeniert.

Im vergangenen Jahr hatte der Veranstalter angekündigt eine Quote einzuführen: Mindestens die Hälfte der eingeladenen Produktionen sollte von Frauen inszeniert worden sein. "Und ich kann Ihnen sagen: Es ging sehr einfach", sagte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer am Dienstag.

Von Hamlet, Chinchillas und Staubsaugern

Gezeigt werden nun Molières "Der Menschenfeind" von Regisseurin Anne Lenk vom Deutschen Theater in Berlin-Mitte. Zu sehen sein werden auch "Anatomie eines Suizids", von Regisseurin Katie Mitchell für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg inszeniert.

In der Zehnerauswahl finden sich zudem "The Vacuum Cleaner" von Toshiki Okada. Das Stück wird aus Sicht eines Staubsaugers erzählt. Das Gerät beobachte eine etwas spezielle Familie, der es seit Jahrzehnten beiwohne, erklärte die Jury. Die Inszenierung stammt von den Münchner Kammerspielen. Ebenfalls im Programm: "Hamlet" vom Schauspielhaus Bochum mit Sandra Hüller ("Toni Erdmann") in der Hauptrolle.

Eingeladen ist auch die Koproduktion "Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn" von Regisseurin Helgard Haug aus dem Berliner Theater-Label Rimini Protokoll. Sie erzählt vom Tourette-Syndrom.

Zu den Koproduktionen zählt auch "Die Kränkungen der Menschheit" in der Regie von Anta Helena Recke und "TANZ. Eine sylphidische Träumerei in Stunts" von Choreografin Florentina Holzinger. In Holzingers Stück werde der Körper zum Machtinstrument, zum Schlachtschiff, zum Spektakel, erklärte die Jury in Berlin.

Änderung nach 60 Jahren

Ausgesucht wurden auch "Der Mensch erscheint im Holozän - Ein Visual Poem nach Max Frisch" vom Schauspielhaus Zürich, "Eine göttliche Komödie. Dante ( ) Pasolini" vom Residenztheater München und "Süßer Vogel Jugend" von Tennessee Williams vom Schauspiel Leipzig. Die Jurorinnen und Juroren sichteten rund 430 Inszenierungen.

Im vergangenen Jahr hatte Festivalleiterin Büdenhölzer angekündigt, erstmals eine Frauenquote einzuführen. Beim Theatertreffen gebe es seit den 1960er Jahren ein großes Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Regisseuren, sagte sie damals. Mindestens die Hälfte der zehn ausgesuchten Inszenierungen sollte deshalb von Regisseurinnen oder überwiegend weiblichen Kollektiven kommen. Die Quote gilt nun vorerst in diesem und dem nächsten Jahr.

Das Theatertreffen findet vom 1. bis 17. Mai in der Hauptstadt statt. Die Jury sollte die ihrer Meinung nach zehn "bemerkenswertesten Inszenierungen" aus dem deutschsprachigen Raum aussuchen.

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