Der Spiegelsaal in Clärchens Ballhaus (Quelle: dpa/Spata)
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Audio: rbbkultur | 08.01.2019 | Carsten Dippel | Bild: dpa/Spata

Unternehmer und Kulturaktivist Yoram Roth - Das Clärchens gehört jetzt einem Verehrer

Das "Clärchens" bittet zum vorerst letzten Tanz. Dann wird das berühmte Ballhaus saniert - von Yoram Roth. Ganz behutsam, beteuert der Künstler und Immobilienunternehmer, der das Etablissement in der Auguststraße erworben hat. Von Carsten Dippel

Yoram Roth freut sich wie ein kleines Kind über seine neueste Eroberung. Das Clärchens, das berühmte Ballhaus in Berlin-Mitte mit seinem morbiden Charme, ist eine Institution. Hier wurde seit mehr als hundert Jahren gefeiert und getanzt. "Alles ist hier denkmalgeschützt, aber mir ist es wahnsinnig wichtig, Clärchens Ballhaus so zu haben, wie es ist." Und dann sagt er noch: "Ich, ich bin total verliebt in Clärchens Ballhaus."

Yoram Roth (Quelle: imago-images9
Yoram Roth | Bild: imago-images

Allerdings: Seit dem Krieg wurde nicht viel daran getan. Die bauliche Substanz ist marode, eine Sanierung schien schon länger unausweichlich. Doch wie immer, wenn heute von Investoren Hand angelegt wird an traditionsreichen Orten, zumal in Berlin, ist die Sorge schnell da, dass ein Gebäude vielleicht erhalten wird, aber der Geist verloren geht. Yoram Roth hat das Clärchens gekauft. Er will es sanieren und einem neuen Betreiber zuführen und doch – so sagt er, am liebsten alles so belassen: "Es ist wirklich so: Ich liebe Clärchens, ich will es so haben. Ich weiß nicht, wie wir es genau hinkriegen, aber es wird super." Das Clärchens zubauen oder "ein schamloses, seelenloses Ding draus machen“ käme für Yoram Roth nicht in Frage.

Ich weiß nicht, wie wir es genau hinkriegen, aber es wird super.

Yoram Roth, neuer Besitzer von "Clärchens Ballhaus"

Vater und Großvater bauten bereits in Berlin

Yoram Roth, 1968 in Berlin geboren, hat in New York Fotografie studiert. In seinen künstlerischen  Arbeiten lässt er sich gern von Alten Meistern inspirieren. Heute ist Roth aber vor allem Chef einer Investorengesellschaft, und zwar von einem Unternehmen, das sein Vater, der 2013 verstorbene Immobilienunternehmer Rafael Roth, begründete. Von ihm habe er die Idee vermittelt bekommen, sich auch finanziell für gesellschaftliche Belange zu engagieren. "Mein Vater musste 1938 mit einem Boot über das Mittelmeer flüchten. Heutzutage haben wir Leute, die kommen in die andere Richtung und wir müssen ihnen helfen", sagt Yoram Roth. An diese Geschichte wolle er "bewusst anknüpfen".

Im Büro seiner Firma hoch oben über dem Ku'damm hängen Familienportraits an der Wand. Roths Urgroßvater baute einst Häuser in der Kastanienallee im heutigen Szeneviertel Prenzlauer Berg. Der Großvater baute Kinos, sein Vater errichtete Bürotürme. Yoram Roth engagiert sich heute für ein Projekt, das neu angekommenen Flüchtlingen hilft, hier Fuß zu fassen. Er unterstützt die israelische Organisation "Taglit", die junge Deutsche nach Israel bringt, um Land und Kultur des jüdischen Staates kennenzulernen.

Das Verantwortungsgefühl von seinem Vater

Und Yoram Roth unterstützt auch den privaten englischsprachigen Radiosender KCRW, der ganz bewusst eine Brücke nach Amerika schlagen will, dem Land, in dem er viele Jahre gelebt und dem er viel zu verdanken habe. Man habe sich in der Familie immer darüber unterhalten, wie wichtig es sei, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Das Verantwortungsgefühl dafür habe er von seinem Vater mitbekommen: "Man muss helfen und man muss auch inspirieren, das heißt, man kann spenden, um jemandem zu helfen und man kann spenden, um etwas darzustellen, was ansonsten nicht beleuchtet wird." Sei es nun die Kunst oder ein gewisser Streifen der Kultur – immer müsse man auch etwas zurückgeben.

Wirklich gern spricht Roth jedoch nicht über diese Dinge. Es gebe zu viele Anfeindungen und zudem würde privaten, vermögenden Finanziers hierzulande oft mit einem gewissen Argwohn begegnet. "Viele Leute wollen nicht, dass wir hier Asylanten helfen, die wollen, dass gar keine Leute reinkommen", so Yoram Roth. Viele hätten Angst. "Und Angst führt immer zu schlechten Entscheidungen."

Ein Fotomuseum, das mehr sein will

Schon sehr viel lieber redet Yoram Roth über ein anderes Herzensprojekt, das er mit befreundeten Künstlern und Kollegen seit Jahren international auf die Beine stellt: "Fotografiska" - ein Fotomuseum, das mehr sein will. "Fotografiska" gab es zuerst in Stockholm. Dort werden in wechselnden Ausstellungen auf mehreren Tausend Quadratmetern alle Formen der Fotografie präsentiert. Umrahmt aber auch von einem Akademieprogramm mit Veranstaltungen, Konzerten, Fotokursen. Inzwischen gibt es "Fotografiska" auch in Tallinn und New York. Und Yoram Roth freut sich besonders, dass bald auch Berlin eine Dependance von "Fotografiska" erhalten wird, denn das klassische Museum bediene fast ausschließlich den visuellen Kunstkonsum.

"Fotografiska" dagegen sei ein Museum, in dem man an Kultur teilnehmen könne: "Man kann an Kursen teilnehmen, kann bei uns essen und es gibt eine super Bar."

Gerne jüdisch und furchtbar gerne Berliner

Seit 13 Jahren ist Yoram Roth mit seiner Familie zurück in seiner Geburtsstadt Berlin. Er hat zuvor lange in Los Angeles gelebt, seine Frau ist Amerikanerin. Seine Kinder verbringen viel Zeit in Israel. Die Religion spiele zu Hause keine große Rolle, aber er sei gerne jüdisch und furchtbar gern Berliner, sagt Yoram Roth und diese Liebe habe ihn letztlich auch zum "Clärchens" gebracht. Behutsam umgehen wolle er hier nun mit dem Ballhaus, den Charakter bewahren: "Tanzen gehört dazu, es muss bezahlbar sein und es muss charmant sein." Er spricht von einem "inklusiven Feeling", wozu es gehöre, dass niemand das Gefühl habe, nicht fein genug zu sein, hier auch reinzugehen. "Clärchens muss für alle sein!"

Blick zurück: Die Geschichte des "Clärchens" in Bildern

Sendung: rbb Kultur, 08.01.2020, 11.00 Uhr

Beitrag von Carsten Dippel

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    „Ich weiß nicht, wie wir es genau hinkriegen, aber es wird super“
    Yoram Roth, neuer Besitzer von "Clärchens Ballhaus

    überzeugend und inspirierend Ihre schönste sicherste Sicht auf Ihr Vorhaben Yoram Roth, wann immer sich stabiles Selbstvertrauen und leidenschaftliche Neigung in gefühlter Verantwortung in einer Vision treffen dann entstehen beneidenswerte grossartige Projekte im Einklang einer gesellschaftlich dienlichen Haltung. Ein offen gehaltener
    Entstehungsprozess ist ein Garant für etwas Besonderes....

    ein Investor, eine Investition um die Berlin zu beneiden sein wird....Glückwünsche



  2. 1.

    Es währe wirklich wünschenswert das möglichst viel von Clärchens Ballhaus erhalten bleibt auch wenn die Substanz sehr marode sein soll . Es sollten sich auch in Zukunft möglichst viele Besucher diese alte Berliner Institution leisten können und sich an dessen Charme erfreuen . Sehr schlecht währe ein Ballhaus nur für gut betuchte Leute denn Luxus gibt es auch im " miefigen " Berlin meiner Meinung nach schon genug .

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