Sänger Robert Gwisdek aka Käptn Peng am 27.01.2020 bei einem Konzert mit seiner Band die Tentakel von Delphi in der Columbiahalle in Berlin. (Quelle: dpa/Eventpress Hoensch)
Audio: Inforadio | 28.01.2020 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Eventpress Hoensch

Konzertkritik | Käptn Peng und Band - Von Füchsen, Meisen und Pandas

Robert Gwisdek ist preisgekrönter Schauspieler und Musiker. Als Käptn Peng hat er mit seiner Band "Die Tentakel von Delphi" für das Abschlusskonzert in seiner Heimat Berlin angehalten. Und den Fans einen tierisch schönen Abend beschert. Von Magdalena Bienert

Manche halten Käptn Peng für den Rapper mit den klügsten deutschen Texten. Robert Gwisdek aber findet, er sei gar kein Rapper, er spreche bloß schneller als der normale Singer-Songwriter. Aber tatsächlich ist so ein Käptn-Peng-Konzert in jeder Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur, dass der (noch einen Tag) 35-Jährige wie kein anderer abstrakte Geschichten erzählen kann, er gibt seinem Publikum gern auch einen Namen, mit dem er es dann den Abend über ansprechen kann. Warum ruft bloß jemand wir sollten "Claudia" heißen?

Egal, denn Claudia muss sich erstmal Mucki unterordnen. Einem kleinen Jungen, der schon beim letzten Konzert 2018 dabei war und jetzt einmal quer durch die pickepacke volle Halle crowdsurfen darf. Nachdem dann unser aller "Beatchakra" noch geöffnet wurde, geht´s aber wirklich los. Zusammen mit den Musikern von "die Tentakel von Delphi" wird so aus einem normalen Konzertabend, vielmehr ein wilder Ritt durch die Nacht, bei dem kein T-Shirt trocken und kein Herz unberührt bleibt. 

Am Anfang war "Die Zähmung der Hydra"

Seine musikalischen Anfänge hat Käptn Peng noch allein mit seinem Bruder Shaban 2012 gestartet. Shaban, beziehungsweise Johannes Gwisdek, ist inzwischen Teil der Tentakel von Delphi, aber für die berühmte siebenminütige Fuchs-Fabel "Sie mögen sich" vom ersten Shaban & Käptn Peng Album "Die Zähmung der Hydra" muss die Band mal verschwinden. Die beiden Brüder führen das epische Erzählstück rappend und wild gestikulierend auf, was urkomisch und gleichzeitig große Kunst ist. Na klar, wenn man Corinna Harfouch und Michael Gwisdek als Eltern hat – wen wundert's?! In dem Song, in dem sich ein Liebespaar erst in Füchse und dann in alle möglichen Tiere verwandelt, sind, wie in so vielen Liedern, wunderbare Wahr- und Weisheiten verpackt, wie: "Sie schwören sich, sich nie zu schonen, um das Beste gegenseitig aus sich rauszuholen."

Live rumpelt es hier und da noch ganz schön und die "Tentakeln" macht einfach mal ihr Ding und jammen drauf los. Gwisdek nimmt´s gelassen, sie hätten halt "ein Eigenleben" und bittet "Claudia": "Nehmen Sie die Musik in sich auf und verwerten Sie sie als Bewegung." Aber gerne doch. Überhaupt, die Band, ohne die Käptn Peng wahrscheinlich nur ein Käptn wäre: Neben Gitarre, Sampler und Kontrabass ist der außergewöhnliche Schlagzeug-Aufbau eher ein Anbau, in dem schon mal Haushaltsgegenstände, wie Koffer, Schneebesen und Kuchenformen ihren Platz finden und für einen einzigartigen Sound sorgen.

Ein richtig gutes Lied!

Im letzten Jahr brachte Käptn Peng zwei EPs mit unter anderem Proberaum-Aufnahmen heraus. Das letzte Studioalbum liegt aber schon drei Jahre zurück. Er erklärt, sie hätten fast alle zur gleichen Zeit Kinder bekommen, um wenig später kurz zu erwähnen, dass der nächste Song für seine Tochter sei: "Diese Art Liebe nervt nie". Es gibt auch charmant angekündigte, noch wenig geprobte Songskizzen zu hören und immer wieder die selbstironische Anmoderation: "Jetzt kommt ein richtig gutes Lied!" Überhaupt erzählt und kommentiert Käptn Peng fast jedes Stück und baut dadurch eine wahnsinnig familiäre, heimelige Atmosphäre auf, obwohl 3.500 Fans schon längst kein gemütliches Clubkonzert mehr abgeben. Auch wenn das zu dieser kleinen Tour behauptet wird.

"Habt ihr Bock auf Feelings?", fragt der Frontmann bevor er das wortstarke "Tango im Treibsand" anstimmt und das textsichere Publikum ihm die erste Strophe komplett abnimmt, woraufhin er sich vor Begeisterung gekonnt zu Boden fallen lässt.

Das Publikum, vom Kind bis zum Rentner, ist textsicher und tanzfest sowieso. In der schweren Luft mischen sich immer stärker Joint- und Schweißgerüche, selbst im Oberrang ist es brütend heiß. Gegen 23 Uhr gehen die ersten, während auf der Bühne noch Hochstimmung herrscht. Es ist das letzte Konzert der zwar kurzen Tour, aber man spürt die Headliner-Spielfreude, die sich nach dem letzten Festivalsommer aufgestaut hat.

Als die Band nach gut zwei Stunden von der Bühne geht, verschwindet der ganze Zoo gut gelaunt in die Berliner Regennacht - das Beatchakra noch weit offen. Peng! Was für ein Abend!

Sendung: Inforadio, 28.01.2020, 07.55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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