Süden 2, mit Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Giuseppe Pippo Pollina, live auf der Bühne am 19.10.2019 in Regensburg, Arena. (Quelle: dpa/Jens Niering)
Audio: Inforadio | 14.01.2020 | Hans Ackermann | Bild: dpa/Jens Niering

Konzertkritik | Liedermacher-Trio in den Wühlmäusen - Lebensfreude und politische Botschaften

Das Liedermacher-Trio Schmidbauer Pollina Kälberer findet sich seit gut zehn Jahren immer wieder für gemeinsame Projekte zusammen. Beim Berliner Konzert am Montagabend gab es berührende Balladen, engagierte Polit-Songs - und Standing Ovations. Von Hans Ackermann

Ein Lied, zwei Sprachen - Pippo Pollina beginnt an diesem Abend im Berliner Kabarett-Theater Die Wühlmäuse bei "La città dei bianchi" auf Italienisch, dann setzt Werner Schmidbauer das Lied von der "Stadt der Weißen" in seiner Mundart fort - auf Bayrisch.

Zwei Sprachen, ein Thema: der Süden. Kaum ein anderes Wort ist mit mehr Sehnsucht und süßer-schmerzendem Fernweh besetzt. Genau von diesen schönen Gefühlen lebt der herzerwärmende Konzertabend "Süden II" des Liedermacher-Trios Schmidbauer Pollina Kälberer.

Musikalische Männerfreundschaft

Immer zum Jahresende treffen sich der gebürtige Münchner Werner Schmidbauer und der aus dem schwäbischen Ulm stammende Martin Kälberer auf Sizilien mit Pippo Pollina. Er wurde geboren in Palermo, lebt schon seit vielen Jahren in Zürich, hat aber seine Wurzeln für alle Zeiten im äußersten Süden Europas. Dort feiert man gemeinsam Silvester, sortiert die neuen Lieder und geht danach zu dritt auf Tournee - vor gut zehn Jahren hat diese musikalische Männerfreundschaft begonnen.

Die Songs an diesem Abend handeln von der Lebensfreude unter südlicher Sonne, aber auch von Not und Flüchtlingselend - das in der Armut des Südens entsteht und im Norden den Rechtspopulismus nährt. "Stolz drauf" ist eines der engagierten politischen Lieder des Trios, das vor gefährlich-falschem Nationalstolz warnt.

Pollina markiert emotionalen Höhepunkt

Im Trio ist Werner Schmidbauer der versierte Conferencier  - früher hat er im Bayerischen Fernsehen das Jugendmagazin "Live aus dem Alabama" moderiert oder in "Aufgspuit" süddeutsche Mundart-Musiker vorgestellt. Martin Kälberer setzt mit ausgefallenen Perkussionsinstrumenten wie dem Hang - einer Art elektronische Steeldrum -  und bodenständigem Akkordeon musikalische Glanzlichter. 

Die künstlerische Seele des Trios aber ist Pippo Pollina. Mit seinem Lied "Vita d’artista" markiert er nach etwa zwei Dritteln des Konzerts einen emotionalen Höhepunkt des Abends. Die berührende Ballade erzählt mit dem genau richtigen Pathos vom Leben der Künstler und Musiker. Immer auf Reisen, sehen sie ihre Familien viel zu selten. Auch wenn seine Kinder heute selbst erfolgreiche Musiker sind - Pollinas Sohn unter dem Künstlernamen Faber  - man nimmt dem knapp 60 Jahre alten Cantautore (so das italienische Wort für Liedermacher) das Bedauern und die Selbstzweifel ab, ohne auch nur eine Sekunde an der Authentizität dieses Bekenntnisses zu zweifeln. Anrührend  auch Werner Schmidbauers lang zurückreichende Erinnerung an Diskurse mit seinem Vater - der "vor mehr als 30 Jahren" tragisch in den Bergen verunglückte.

Kaum verwunderlich, dass sich nach mehr als  zwei Stunden Konzert rund 500 Menschen ausnahmslos erheben und diesen drei aufrichtigen Herz-und-Seele-Musikern stehend applaudieren.

Sendung: Inforadio, 14.01.2020, 07:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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