Tom Beck mit Band live am 11.01.2020 im Mojo Club in Hamburg. (Quelle: imago images/Chris Emil )
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Audio: Inforadio | 13.10.2020 | Bruno Dietel | Bild: imago images/Chris Emil

Konzertkritik | Ex-"Cobra 11"-Star Tom Beck im Lido - Mitklatschen ja, Euphorie eher nein

Vor sieben Jahren gab Tom Beck seine Rolle bei "Cobra 11" auf, um sich auf seine eigene Musik zu konzentrieren. Gerade ist der schauspielernde Sänger wieder auf Tour und Bruno Dietel hat im Lido einen wachen Künstler und ein müdes Publikum erlebt.

"Cobra 11" – diese Worte wird Tom Beck heute Abend nur ein einziges Mal sagen, aber ohne diesen RTL-Dauerbrenner wäre wohl kaum jemand im Lido. Was über seine große Rolle als Hauptkommissar Ben Jäger in der deutschsprachigen Serie mit den wohl meisten Explosionen oft vergessen wird: Dieser Mann hat eine Musical-Ausbildung hinter sich. Tom Beck war Preisträger im Bundeswettbewerb Gesang, Darsteller in verschiedenen Musicals – das alles schon lange vor "Cobra 11". Er spielt Gitarre und Klavier, singt und rappt neuerdings auch – wenn auch nur für das Intro seiner Bühnenshow.

Tom Beck hat das Lido am Sonntagabend in etwa zur Hälfte füllen können. Das ist schade, aber eigentlich überhaupt nicht tragisch, denn wenn die Fans frenetisch, energetisch und motiviert sind, dann macht sich das kaum bemerkbar. Wenn. Das mit der Energie ist aber heute so ein Ding: Mitklatschen ja, Euphorie eher nein.

Quarkwickel und ein Bad in der Menge

Und dabei geben sich Tom Beck und seine Band die größte Mühe. Er wirkt gelöst auf der Bühne, die Nervosität vom Anfang quatscht er sich mit ein paar Tourgeschichten weg: Eine Knöchelverletzung hat er mit Quarkwickeln geheilt. Bei einem Tourstopp in Delbrück in NRW hat er überlegt, das Konzert abzubrechen, weil es riesige Aufregung um ein umgekipptes Bier gab: Alle dachten, es sei jemand umgekippt.

Schon während einer der ersten Songs dreht er Runden durchs Publikum, umarmt Fans, macht Fotos – und trotzdem bleibt die Gesamtstimmung lauwarm. Die spektakulären Dinge sind anscheinend schon in anderen Städten passiert. In Hamburg ist eine betrunkene Wienerin auf die Bühne gestolpert und hat mit vollster Überzeugung ein grottenschlechtes Schlagzeugsolo abgeliefert. In Köln haben Fans eine rotbraune "Cobra 11"-Lederjacke auf die Bühne geworfen und Tom Beck überredet, sie nochmal anzuziehen.

Nashville-Sound auf Deutsch

Tom Beck wundert sich über das sehr ruhige Berliner Publikum – und zieht einfach durch. Es sind viele Schmusepärchen gekommen, der Frauenanteil direkt vor der Bühne liegt bei fast 100 Prozent. Die anwesenden Männer wurden offensichtlich "mitgeschleppt", findet Tom Beck bei einer schnellen Fragerunde raus.

Beck nimmt seine Akustikgitarre in die Hand, singt von sozialen Medien und Entschleunigung, über die erste Liebe, für seine im Saal anwesende Frau. Dann werden Akkordeon und Kontrabass ausgepackt und englische Songs in Country-Besetzung gespielt, die er in Nashville aufgenommen hat.

Müdes Publikum für einen wachen Künstler

Die Energie auf der Bühne ist da, Band und Sänger Tom Beck harmonieren. Sicherlich – der deutsche Kuschelrock könnte durchaus auch auf einem Til-Schweiger-Soundtrack zu hören sein. Und nein, richtiger Rock’n’Roller wird Tom Beck nicht mehr. Aber er ist wach und aufmerksam, spielt unveröffentlichte Songs und holt den Singer-Songwriter aus dem Vorprogramm für ein spontanes, ungeprobtes Jason-Mraz-Cover auf die Bühne. Der letzte Song ist dann seinem im November geborenen Sohn gewidmet – die Klavierballade "Pinguine".

Sendung: Inforadio, 13.01.2020, 08:55 Uhr

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