Saenger Moritz Kraemer und Francesco Wilking (v.l.) beim Konzert Unter meinem Bett 2 mit ihrer Band Die Hoechste Eisenbahn im Astra in Berlin. (Quelle: dpa/Hoensch)
Audio: Inforadio | 06.01.2020 | Steen Lorenzen | Bild: dpa/Hoensch

Konzertkritik | "Unter meinem Bett" im Kesselhaus - Das Ende der platten Reime und Blockflötenmelodien

Wenn der Nachwuchs Musik hört, sind piepsige Chöre und debile Reime für Eltern oft schwer zu ertragen. Doch seit einigen Jahren tut sich was in der Kindermusik, wie mit der Reihe "Unter meinem Bett". Erfrischend fand Steen Lorenzen die Präsentation am Sonntag.

Es gibt Klassiker, wie Frederik Vahles "Anne Kaffekanne" oder Gerhard Schönes "Jule wäscht sich nie". Und dann gibt es den dicken Katalog mit unerträglichem Geplärre. In den letzten Jahren hat sich allerdings einiges getan in der Kindermusikabteilung, denn dort sind vermehrt Künstlerinnen und Künstler unterwegs, die normalerweise ihre Songs nur für Erwachsene schreiben. Sie haben Nachwuchs bekommen und retten sich vor schlechtem Geschmack, indem sie zum Beispiel ihre Songs in der Reihe "Unter meinem Bett" veröffentlichen. Das fünfte Album mit den erfrischenden Songs für alle Altersklassen ist am Sonntag mit einem zweistündigen Konzert im Kesselhaus gefeiert worden.

Ran ans Eingemachte

Volles Haus, singfreudiges Publikum und wortwitzige Entertainer auf der Bühne - das ist der erste Eindruck des Nachmittags. Jede Menge Musiker aus der deutschsprachigen Indie-Szene geben sich das Mikrofon in die Hand: Sven Van Thom, Die Höchste Eisenbahn, Andreas Dorau oder auch Bernd Begemann, der in beigem Anzug, mit roter Krawatte, zurückgegelten Haaren und zusammen mit seiner 14-jährigen Tochter Belinda durch das Programm führt.

Zeigefinger-Texte mit debilen Reimen zu Blockflötenmelodien sind Geschichte. Stattdessen geht’s mit viel Humor und Hintersinn ans Eingemachte.

Die richtigen Fragen…

Fragen werden gestellt und nicht immer beantwortet: Warum wissen es die Eltern auch nicht so genau? Warum sind einige dumm und andere schlau? Sind Angeber Lügner oder gute Schauspieler? Und Frösche verwunschene Prinzen oder einfach nur schlecht gelaunt? Und warum stehen die Erwachsenen auch bei diesem Konzert und gaffen ihre Handys an?

… und knallige Neonfarben

Die Musik ist angenehm genreübergreifend. Für die "Unter-meinem-Bett"-Band und den dazu gehörenden Kinderchor gibt es keine Berührungsängste, wenngleich die Rockabteilung vielleicht etwas zu kurz kommt an diesem Nachmittag. Dabei ist laut kein Problem, schließlich tragen die etwas Feinfühligeren im Publikum neongelbe und pinke Schallschutzkopfhörer - was dem Konzert nebenbei angenehme Farbtupfer gibt.

Was fehlt sind Frauen auf der Bühne. Naima mit ihrem Projekt "Pauken und Planeten" reicht definitiv nicht, um den nächsten Generationen zu zeigen, wie vielfältig die Musikszene ist. Wie gut, dass wenigstens die Teenager-Töchter der Musiker Bernd Begemann und Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn) die Männerdominanz ein wenig aufbrechen.

Die Chance nachzubessern gibt es bereits am 15. März. Dann ist das Kindermusik-Kollektiv erneut im Kesselhaus zu Gast.

Sendung: Inforadio, 06.01.2020, 7.50 Uhr

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