Wolf & Moon
Audio: Inforadio | 14.01.2020 | Annette Kufner | Bild: radioeins/Jochen Saupe

Konzertkritik | Wolf & Moon in der Berghain-Kantine - Zwei Stunden in fast durchgehend dem gleichen Takt

Eine Gitarre, ein batteriebetriebenes Keyboard und ein iPad: Das Elektro-Folk-Duo Wolf & Moon ist bekannt für eingängige Songs mit einfachen Mitteln. Beim Konzert der Niederländer in der Berghain-Kantine hat Annette Kufner sich aber ein bisschen gelangweilt.

Einfach alles liegen lassen, ins Auto steigen und losfahren. Einfach der Nase nach. Der Weg ist das Ziel. Wenn es für dieses Gefühl einen Soundtrack gäbe, dann wäre das wahrscheinlich ein Song von Wolf & Moon. Obwohl derartige Aussteiger-Fantasien spätestens seit Beginn der Klima-Debatte endgültig out sein dürften: Als das Elektro-Folk-Duo am Montagabend in der Berghain-Kantine am Montagabend zu spielen beginnt, lässt das Publikum sich mitnehmen - von den gefühlvollen Melodien und den harmonierenden Stimmen von Stefany und Dennis, also Wolf and Moon.

Stimmug im Saal so verträumt wie die Musik

Das Konzert ist komplett ausverkauft. Die Stimmung im Saal ist so verträumt wie die Musik. Das Publikum ist wenig divers: Fast alle sind um die 30. Ansonsten sind auffällig viele Pärchen und Männer mit Bärten und langen Haaren da. Es könnte die Generation Easy-Jet sein, die hier der Musik lauscht. Menschen, die gern mal für ein halbes Jahr aussteigen und die Welt erkunden.

Das ist keine Überraschung. Denn in den Songs von Wolf and Moon geht es fast ausschließlich ums Reisen. Die Band haben die Niederländer sogar auf einer Reise gegründet: Sie lernten sich kennen und beschlossen kurzerhand, gemeinsam in die USA zu fliegen, das Land zu erkunden und Musik zu machen.

Es ist eine von vielen Reisegeschichten, die sie an diesem Abend auch auf der Bühne erzählen. Insgesamt spielen Wolf & Moon in der Berghain-Kantine ein rundes, publikumsnahes Set. Mit allem Drum und Dran: Fragen ans Publikum, Handzeichen, Mitsingen.

Fans kommen voll auf ihre Kosten

Trotzdem werde ich mit Wolf & Moon nicht so richtig warm. Nach zwei Stunden in fast durchgehend dem gleichen Takt stelle ich fest, dass ich mich langweile. Und wie die Reisegeschichten von Wolf and Moon ist mir auch die Musik zu oberflächlich - um nicht zu sagen: zu unbedeutend.

Bei den letzten Songs sehne ich mich sogar ein bisschen nach der Berliner U-Bahn und den Geschichten, die dort passieren. Die Fans von Wolf & Moon sind an diesem Abend allerdings sicher auf ihre Kosten gekommen. Und so erntet das Duo am Ende auch ohne mich einen dicken Applaus.

Sendung: Inforadio, 14.01.2020, 06:55 Uhr

Beitrag von Annette Kufner

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