Archivbild: Publikum mit Leuchtstäben vor der bühne beim Hatsune Miku Konzert. (Quelle: dpa/A. Ladet)
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Audio: Inforadio | 21.01.2020 | Bruno Dietel | Bild: dpa/A. Ladet

Konzertkritik | Hatsune Miku in der Verti Music Hall - Emotionen vom Flachbildschirm

Immer makellos, immer im Typ angepasst - hinter der animierten Manga-Figur Hatsune Miku steckt nicht einmal mehr eine echte Stimme. Dass sie trotzdem in der Berliner Verti Music Hall spiele, irritierte und faszinierte Bruno Dietel zugleich.

So pünktlich schafft das keine menschliche Band: Um 19:59 Uhr geht das Saallicht aus, Musik setzt ein. Doch für alle, die jetzt nicht mehr als einen seelenlosen Avatar auf einem Flachbildschirm erwartet haben, gibt es gleich zu Anfang die erste große Überraschung: Vier echte Musiker und Musikerinnen betreten die Bühne, eine Liveband aus Fleisch und Blut mit Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gitarre.

Hatsune Miku-Konzert in der Verti Music Hall am 20.01.20 (Bild: rbb/Bruno Dietel)
Bild: rbb/Bruno Dietel

Hologramm ohne Tiefgang

Hatsune Miku ist sehr schlank, trägt entweder kurze Röcke, enge Korsetts oder Hotpants, dazu Overknee-Stiefel oder schwarze Strumpfhosen - die Sexualisierung der Figur beim Publikum ist mindestens einkalkuliert. Seit ihrer Erfindung für eine Musiksoftware-Werbekampagne ist Miku 16 Jahre alt, seit 2007 für immer jung.

Am Montag taucht sie in Berlin auf einer riesigen LED-Wand auf, die Figur bewegt sich allerdings stockend und unnatürlich und eigentlich auch nur auf einer Ebene. Nichts ist mit: mal im hinteren Teil der Bühne verschwinden oder auf die Bühne rennen. Der 3D-Effekt verpufft, wenn der Bildschirm im Bühnenlicht reflektiert, in Berlin ist vom Hologramm kaum etwas zu sehen. Das scheint nicht bei allen Konzerten so zu sein, wie zumindest auf Youtube-Videos von Shows in anderen Städten zu erahnen.  

Giftgrüne Lichtschwert-Armee

Für die etwa 2.000 Besucher in der Verti Music Hall ist das wichtigstes Werkzeug: ein kurzer Lichtstab, der die Farbe wechselt. Das sieht von hinten aus wie eine Armee von giftgrünen Lichtschwertern vor einer überdimensionierten Spielekonsole. Die Devise: Mit dem Stab rumfuchteln statt tanzen, das Publikum beherrscht die Choreographie perfekt. Je länger die Töne, desto langsamer wird der "Glowstick" vom Körper aus nach vorne in die Höhe gestreckt.

Die Menschen haben sich Frisuren und Perücken in den passenden Farben aufgesetzt. Vor Ort gibt es eigens für das Konzert aufgestellte Cosplay-Regeln: Wer sich bis zur Unkenntlichkeit als Manga-Figur verkleidet, wird nicht reingelassen.

Animierter Dank

Musikalisch ist Hatsune Miku interessant: Fans können mit der Software hinter der Säuselstimme Songs programmieren. Die erfolgreichsten davon werden dann offiziell veröffentlicht, inzwischen sind mehr als 4.000.

Die niedlich klingende Stimme von Miku hat keinen menschlichen Ursprung, sondern ist computergeneriert. Die musikalische Schwarmintelligenz sorgt dafür, dass in Berlin von Metalcore über Drum&Bass bis zu Reggae und Latin-Sounds alles zu hören ist - mit einer Liveband, die mit funky Gitarrenläufen, flatternden Bass-Soli, schnellen Tonartwechseln und gebrochenen Akkorden beeindruckt. Natürlich ist das alles so frei und flexibel wie eine Fließbandmaschine, das Tempo wird vom Computer und der Animation vorgegeben.

Bizarr wird es zwischen den Songs: lange, stille Pausen, nur eine einzige Ansage im gesamten Konzert, die wie kurz vor knapp mit dem Google-Übersetzer programmiert klingt. Sonst wird lustlos mit Texten auf der LED-Wand kommuniziert. Den Abend über bekommt man den Eindruck, dass hier überwiegend ein fertiges Video runtergespielt wird.

"Last Song" steht dann irgendwann in Pink auf dem Bildschirm - und Hatsune Miku bedankt sich mit Herzen bei den Fans. Die strömen noch beim letzten Ton aus der Halle, um schnell wieder dahin zu gehen, wo sie schon die Zeit vor dem Konzert verbracht haben: am Merchandising-Stand. Denn so richtig nahekommen können sie ihrem Star ja sonst nicht.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Manchmal könnte man den Fans auch einfach ihren Spass lassen anstelle darüber herzuziehen, so wie es in diesem Beitrag geschieht.
    Die vier Bandmitglieder bekommen einfach im ersten Satz ihre Menschlichkeit abgesprochen. Miku dann auch noch als seelenlos und unnatürlich zu bezeichnen, zusammen mit Begriffen wie "bizarr", "herzlos" und "schmerzhaft", ist einfach nur beleidigend.
    Ich muss bei diesem Kommentaren einer Netiquette zustimmen. Diese hat der Autor mit diesem Beitrag jedoch selber weit überschritten. Mir kommen hier Erinnerungen an RTL hoch, wie sie 2011 eine Schmähkritik über die Gamescom veröffentlicht haben. Das ist das Nivau, auf dem man sich hier bewegt.

  2. 6.

    Ich weiß nicht warum man sich die Mühe macht einen Bericht zu schreiben und eventuell sogar ein Konzert zu besuchen, wenn man sich nicht einmal 2 Minuten Zeit nehmen kann einen Wikipedia-Artikel zu lesen um wenigstens die Grundfakten über das Thema korrekt zu berichten.

  3. 5.

    Sie haben einige falsche Informationen in ihrem Text die dringend eine Überarbeitung benötigen.
    Darunter zum Beispiel ihre Aussage Miku's Stimme wäre computergeneriert, denn dem ist nicht so. Miku's Stimme besteht aus professionell aufgenommenen Samples der Schauspielerin Saki Fujita. Diese Samples werden dann bearbeitet und programmiert um das fertige Produkt zu kreieren, die Voicebank. Man programmiert übrigens keine Songs, man schreibt sie. Miku's Stimme ist ein virtuelles Instrument welches man nutzt wie alle anderen auch. Um diese Dinge herausfinden braucht man nicht einmal viel Zeit. Bitte informieren sie sich das nächste mal besser über die Themen über die sie schreiben, ihr Unwissen über den Gebrauch von Technologie in Musik der heutigen Zeit ist peinlich. Außerdem: Haben sie sich 'mal Schülerinnen angeguckt? Kurze Röcke und Overknee-Stiefel sind absolut normale Mode und nicht sexualisert.

  4. 4.

    Das Eqipment kostet mehrere Million Euro und ist deshalb alles andere als billig in irgendeiner Weise. Und Mikus Stimme war nicht wie vom Googleübersetzer, sondern so wie sich ein Japaner nun mal anhört, wenn er zum ersten mal Deutsch spricht.

  5. 3.

    Also ganz ehrlich, Ihre schlechte Kritik ist nicht gerechtfertigt. Klar wird der Hologramm-Effekt mit dem Scheinwerferlicht schwächer aber Mikus Animation ist vollkommen flüssig. Als langjähriger Fan bin schockiert über die Meinung/Bewertung die Sie sich meinen bilden zu dürfen. Ich habe Miku selbst schon drei mal gesehen und in Berlin war alles super. Ein bisschen sexy darf es bei Anime und Manga Figuren schon mal sein, das gehört dazu. Menschen erstellen mit ihr Lieder in denen sie ihre Träume, Hoffnungen und Gefühle teilen aber sie haben sich nicht auf das Konzerterlebnis eingelassen, wie mir scheint. Den weit über mehr als 2000 Fans hat es sehr gefallen, das konnte man schon aus Ihrem Beitrag hören, wie die Menge abging. Übrigens wurde Mikus Stimme durch das einsingen einer japanischen Schauspielerin erstellt. Ich als Liebhaber von Metal habe es als garnichts herzlos empfunden und verstehe warum Menschen mit ihr Musik produzieren. Sie haben sich nicht ausreichend informiert.

  6. 2.

    Da kann ich dir nur zustimmen. Ich war mittig ganz vorne in der dritten Reihe und die 3D-Projektion kam hervorragend rüber und keine Anzeichen von abgehackt oder ähnliches. Man sollte auch noch anmerken, dass die Projektion NICHT mithilfe einer LED-Wand sondern mithilfe von Beamer, die sich am Boden hinter der Bühne befinden, die Projektion auf eine Glasscheibe (oder ähnliches) projizieren.

  7. 1.

    Ich weiß nicht, wo Herr Dietel war. Ich habe eine sehr gute 3D-Projektion mit fließenden Choreographien gesehen. Außerdem unterschlägt Herr Dietel die anderen auftretenden Figuren der Vocaloid Familie. Für Liebhaber von "handgemachte Livemusik" sei dies "herzlos und schmerzhaft" (aus seinem Podcast). Solche gehen natürlich nicht zu diesem Konzert. Jede/r der dort hingeht weiß was er/sie zumindest grob erwartet.
    Zu der Show kamen auch Besucher aus dem weiten Ausland.
    Miku und die anderen haben nach meiner Auffassung mehr Herz und Seele als so manche "echte" Personen. Jeder Cent meines Tickets hat sich gelohnt. Ich überlege, nächstes Jahr wieder hinzugehen, wenn es wieder stattfindet.

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