Mitglieder der Reformbühne Heim und Welt: Ahne, Jakob Hein, Falko Hennig, Roman Israel, Heiko Werning und Jürgen Witte. (Quelle: volksbuehne.berlin/A. Völcker)
Audio: Inforadio | 21.02.2020 | Ute Büsing | Bild: volksbuehne.berlin/A. Völcker

Kritik | Lesebühne feiert Geburtstag - "Heim und Welt" und Bier en masse

Mit 25 Jahren ist "Heim und Welt" eine der ältesten Lesebühnen Berlins. Am Montag feierte sie ihren Geburtstag bei einer großen Gala in der Volksbühne. Mit viel Bier - aber nicht bierernst. Von Ute Büsing

20.000 Texte an 1.300 Sonntagen hat Jakob Hein, Stamm-Mitglied der Lesebühne "Heim und Welt", gezählt. Kurz kommt der Schriftsteller - und Psychiater - im weißen Kittel auf die große Bühne, dann legt Hein darunter den schwarzen Anzug frei. Fein für die Jubiläumsgala.

Auch die "Bolschewistische Kulturkapelle Schwarz Rot", die den prallen dreistündigen Abend musikalisch befeuert, ist am Montagabend elegant gekleidet. Jakob Heins Kollegen allerdings (ja, sie sind derzeit alle männlich), tragen lässigen Freizeitlook, jeder nach seiner Fasson. Sie hoclen an Cocktailtischchen und auf Polstermöbeln aus dem Roten Salon, wo sie sonst inzwischen jeden Sonntag auftreten.

Gerne mit einem gepflegten Bierchen

Die Fasson ist schon sehr unterschiedlich bei den Freunden des gepflegten ironischen Stehgreifwortes, das gerne mit einem gepflegten Bierchen daherkommt. Auf der Bühne kreisen Flaschen, im mit fröhlichen Pärchen zwischen 20 und 50 gut gefüllten Parkett schwappt das Gesöff in Plastikbechern.

Nur bierernst ist niemand: Alle haben Feierlaune, aber das ist meist auch bei normalen Veranstaltungen der Reformbühne Heim und Welt so, die im Schokoladen in Mitte begann, im Kaffee Burger weitermachte, von der Panorama Lounge in die Jägerklause zog und jetzt in der Volksbühne beheimatet ist.

Mitglieder der Reformbühne Heim und Welt: Ahne, Jakob Hein, Falko Hennig, Roman Israel, Heiko Werning und Jürgen Witte. (Quelle: volksbuehne.berlin/A. Völcker)
Bild: volksbuehne.berlin/A. Völcker

Die Mischung macht's: die der total verschiedenen Typen, Präsentationsformen und Inhalte. Der Koteletten-bewährte, berlinernde Ahne hat ebenso Fans wie Urgestein Jürgen Witte mit weißem Wallebart, Reptilienforscher Heiko Werning, Kultschriftsteller Jakob Hein und der schwarz behütete Neuzugang aus der Lausitz, Roman Israel, mit sehr eigenen poetischen Kreationen. Falko Hennig fehlte live, trat aber in einer der viel zu lang geratenen Filmzuspielungen mit Freundes- und Feindesworten auf. Da wurde auch der eklatante Frauenmangel der Männertruppe auf die Schippe gekommen.

Schlusschor mit Maurenbrecher und Kaminer

Allerdings kam am Montag noch ein weiterer Mann mit Bierpulle auf die Bühne und gratulierte: Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Er las einen Text des verstorbenen Mitbegründers Michael Stein. Spezialgast Fil flachste herrlich daher und sang von einsamen Elektrorollern. Zum Schlusschor gruppierten sich dann auch viele Ex, wie Liedermacher Manfred Maurenbrecher, die Schriftsteller Vladimir Kaminer und Bov Bjerg, und endlich auch eine Frau: Schriftstellerin Daniela Böhle, die es verflixte sieben Jahre mit der Männerbande aushielt.

Beitrag von Ute Büsing

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