Plácido Domingo 2019 bei einem Auftritt in Moskau (Quelle: imago images/Gerdo)
Audio: rbb Kultur | 16.01.2020 | Interview mit Klaus Lederer | Bild: www.imago-images.de/Gerdo

Kritik an Staatsoper - Auftritt von Tenor Domingo in Berlin entzweit die Gemüter

An seiner künstlerischen Qualität gibt es keinen Zweifel, doch gegen Plácido Domingo stehen Vorwürfe der sexuellen Belästigung im Raum. Das Gastspiel des spanischen Weltstars in Verdis "Traviata" an der Berliner Staatsoper fand statt - unter Protesten.

Der Star-Tenor Plácido Domingo hat am Donnerstag an der Berliner Staatsoper Unter den Linden gesungen, obwohl es Forderungen gab, den Auftritt abzusagen. Mehrere Personen demonstrierten am Abend mit Plakaten vor dem Gebäude. Der Sänger tritt laut Staatsoper am Donnerstagabend und am kommenden Dienstag in Giuseppe Verdis "Traviata" auf.

Pro Quote Bühne fordert Auftrittsverbot

Der Verein Pro Quote Bühne [proquote-buehne.de], eine Organisation von Regisseurinnen und anderen Theaterschaffenden in Deutschland, hatte angesichts der Vorwürfe in den USA wegen sexueller Belästigung ein Auftrittsverbot für Domingo in Berlin verlangt. Dazu sagte Staatsopern-Intendant Matthias Schulz, sein Haus nehme jeden Vorwurf sexueller Belästigung sehr ernst. "In diesem konkreten Fall halten wir an den Auftritten von Plácido Domingo, der sich bei uns am Haus immer vorbildlich verhalten hat, fest und sehen keine ausreichende Grundlage für eine Vorverurteilung und dafür, den seit langem gültigen Vertrag zu brechen."

Lederer unterstützt Schulz

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) stellte sich im rbb hinter die Staatsoper; er respektiere die künstlerische Entscheidungsfreiheit der Intendanz, sagte er. Schulz habe ihm zugesichert, dass die Entscheidung im Haus intensiv diskutiert worden sei. "Und er hat mir eben auch gesagt: Es ist in den vielen Jahren, in denen Plácido Domindgo dort immer wieder aufgetreten ist, niemals auch nur ansatzweise zu irgendwelchen Vorkommnissen gekommen, die vergleichbar wären mit den Vorwürfen, die da erhoben sind." Das habe er zu respektieren, so Lederer.

Der Kultursenator kündigte aber an, er wolle sich mit allen Intendantinnen und Intendanten der Berliner Bühnen treffen, um sich über weitere Standards gegen Diskriminierung und Machtmissbrauch an Theatern auszutauschen.

Domingo weist Beschuldigungen zurück

Mehrere Sängerinnen hatten den spanischen Künstler im Zuge der "MeToo"-Bewegung teils Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe vorgeworfen. Der heute 78-Jährige weist die Beschuldigungen zurück - auch mit dem Hinweis, "dass sich die heutigen Verhaltensregeln deutlich von denen der Vergangenheit unterscheiden würden".

Nach den Vorwürfen war er als Chef der Oper in Los Angeles zurückgetreten [tagesschau.de]. Zuvor hatte Domingo angekündigt, nicht mehr an der New Yorker Metropolitan Oper aufzutreten. Auch weitere Termine in den USA wurden abgesagt.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Jede Frau kann heute allein mit der unbewiesenen Behauptung, an ihr wäre vor vielen, vielenJahren ein sexueller Übergriff begangen worden, das Leben eines vielleicht von ihr gehassten Mannes zerstören. Das gäbe den Frauen eine neue einmalige Macht über die Männer. Das darf der Rechtsstaat nicht zulassen.

  2. 7.

    https://images.app.goo.gl/23m6RSjx4a9wwVHd7

    Ein im Internet veröffentlichtes Foto zeigt Patricia Wulf, die einzige nicht anonyme Anklägerin des Opernstars, vor über zwanzig Jahren mit einem glücklichen Lächeln ihren Arm liebevoll auf die Schultern Plácido Domingos legend
    Hat etwa Plácido Domingo sie dazu gezwungen???.....

    Die MeToo und ProQuote dürften in einem Rechtsstaat wie Deutschland, in dem eine Vorverurteilung verboten sein sollte, kein Gehör finden.
    Viele der bekannten Sängerinnen und Sänger, die mit diesem einmaligen Operstarsänger zusammengearbeitet haben und ihn gut kennen müssen, unterstützen Plácido Domingo und stehen ihm gegen die unbewiesenen Unterstellungen bei.
    Der Staatsoper gebührt großer Dank, dass sie auf die unbewiesenen Beschuldigungen nicht eingegangen ist und den Opernliebhabern gegen den Willen von destruktiven Frauengruppen die Möglichkeit gegeben haben, die Stimme dieses hervorragenden Sängers live zu erleben.

  3. 6.

    Habe vorhin im Inforadio den Beitrag gehört. Das Statement von Pro Quote Bühne hörte sich gruseligerweise so an, als ob in solchen Fällen der Rechtsstaat ausgehebelt werden solle: "Kein Auftritt, solange er seine Unschuld nicht bewiesen hat." (sinngemäß)

  4. 5.

    Guten Morgen.
    Oculix eine typische Männersichtweise.
    Wissen Sie denn objektiv, wie sich eine Frau fühlt, die körperlich oder psychisch von Jemanden gegen ihren Willen angegangen wird? Nee...
    Ich auch nicht. Aber wenn etwas gegen den Willen passiert, Jemand in Ihre Intimsphäre eindringt, noch dazu Jemand der Macht hat, der vielleicht mit einem Fingerstreich all ihre berufluchen Träume zerstören kann, setzt das sicher Mechanismen in Gang von denen wir nicht im Entferntesteh etwas ahnen... Deshalb würde ich mit solchen pauschalen Aussagen sehr vorsichtig sein..

  5. 4.

    „ Der heute 78-Jährige weist die Beschuldigungen zurück - auch mit dem Hinweis, "dass sich die heutigen Verhaltensregeln deutlich von denen der Vergangenheit unterscheiden würden".“ Das ist wohl des Pudels Kern. Dürfen wir mit unseren heutigen Vorstellungen überhaupt beurteilen, wie es seinerzeit gelebt wurde? Vielleicht werden wir alle in 30 Jahren für etwas angeprangert, was heute üblich ist. Es ist ein schwieriges Unterfangen.

  6. 3.

    " über weitere Standards gegen Diskriminierung und Machtmissbrauch an Theatern auszutauschen. "

    das ist auch gut so , muß aber beide Seiten berücksichtigen , die des Beschuldigten und die des Klägers

  7. 2.

    " teils Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe vorgeworfen. "

    die sich nach so langer Zeit wohl auch nicht mehr beweisen lassen werden, aber die Vorwürfe stehen im Raum und ein weltbekannter Künstler wird so beschuldigt und diffamiert , wehren kann er sich nicht außer die Beschuldigungen zurückzuweisen . Erfolg hat auch viele Neider.. Warum tauchen erst im Zuge der "MeToo"-Bewegung diese Beschuldigungen auf ? warum wurden sie nicht zeitnah geäußert ?

  8. 1.

    Man kann kaum sagen, was nerviger ist:

    Die Sucht, sich dadurch zu profilieren, dass man sich bei jeder Gelegenheit für andere empört.
    Oder der permanente Drang zur Vorverurteilung.

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