Ein Mann geht durch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Holocaust-Mahnmal) (Bild: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

75. Jahrestag der Befreiung - Diese Veranstaltungen erinnern an die Opfer von Auschwitz

75 Jahre liegt die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zurück. Der offizielle Gedenktag ist der kommenden Montag, bereits am Wochenende wird mit vielen Veranstaltungen in der Region an den Holocaust erinnert. Von Konrad Bott

"Shoa" in den Kinos

Elf Jahre Arbeit hat der französische Regisseur Claude Lanzmann für diesen Film auf sich genommen. Das Ergebnis ist der 1985 veröffentlichte Film "Shoah": mehr als neun Stunden Dokumentation zum Mord der Nazis an den Juden ohne eine einzige Sekunde Archivmaterial. Lanzmann hatte sich bewusst dafür entschieden, die Begegnungen mit den Überlebenden und deren Erzählungen für sich stehen zu lassen. "Shoah" wird in den nächsten Tagen an mehreren Orten in Berlin und Brandenburg in voller Länge gezeigt:

Sonntag, 26.1. - Filmuniversität Babelsberg, ab 10:00 Uhr
Montag, 27.1. - Akademie der Künste, ab 10:00 Uhr
Montag, 27.1. - Scala Filmpalast Werder, ab 12:30 Uhr
Montag, 27.1. - Kino in der Brotfabrik, ab 13:00 Uhr

Was heißt "nie wieder"?

Ins Berliner Ensemble [berliner-ensemble.de] lädt Dramaturg Johannes Nölting zur Diskussion ein. Als "Entsicherte Gesellschaft" ist der Thementag dort überschrieben. Journalisten, Historiker und Soziologen diskutieren die Gefährdung der Demokratie und den Umgang mit Antisemitismus. Auschwitz müsse nicht nur erinnert, sondern begriffen werden, so Nölting. Auschwitz ließe sich am besten gedenken, in dem man die Geschichte weiterhin ernst nehme. Der schuldbewussten Trauer müsse immer auch ein lebendiger Diskurs über Ursachen und Mechanismen zur Seite stehen.

Zum Abschluss des Tages lesen Schauspieler des Berliner Ensembles aus dem Roman "Der Reisende" von Ulrich Boschwitz, eine fiktive Geschichte des jüdischen Kaufmanns Otto Silbermann, dem nach der Machtergreifung der Nazis Stück für Stück die Lebensgrundlage entzogen wird.

Sonntag, 26.1. - Podiumsdiskussion "Auschwitz (Ge)Denken" - 13:00 Uhr, neues Haus
Sonntag, 26.1. - Podiumsdiskussion "Regression" - 15:00 Uhr, neues Haus
Sonntag, 26.1. - Podiumsdiskussion "Antisemitismus heute" - 17:00 Uhr, neues Haus
Sonntag, 26.1. - Szenische Lesung "Der Reisende" - 18:45 Uhr, Werkraum

Inbegriff der Inhumanität

"Auschwitz und Ich": Unter diesem Namen bündelt der rbb Geschichten zu Auschwitz in Text, Ton und Bild. Ausgangspunkt des Internetprojekts ist das Leben und Wirken des Malers und Auschwitz-Überlebenden David Olère. Olère wurde in Auschwitz gezwungen, den Leichen aus den Gaskammern die Haare abzuschneiden, die Goldzähne herauszubrechen und sie ins Krematorium zu bringen. Seine Bilder zeigen das Grauen des Vernichtungslagers und die Entmenschlichung der Häftlinge und Wärter gleichermaßen. Die Filmemacher der ARD haben sich auf seinen Spuren durch das Konzentrationslager bewegt. Dabei haben sie Zeitzeugen, Schüler, Politiker, Fremdenführer und Anwohner getroffen und deren Bezug zu Auschwitz in Interviews eingefangen.

Klingendes Denkmal

Ein "Requiem für Auschwitz" hat der Komponist Roger Moreno-Rathgeb geschrieben. Er selbst stammt aus der Volksgruppe der Sinti und hat das Werk ausdrücklich allen Opfern des Nazi-Regimes gewidmet. Das Stück mit seiner eingängigen Harmonik und feinen Spuren der Roma-Folklore ist 2012 uraufgeführt worden. Am Montag ist das "Requiem für Auschwitz" um 18:00 Uhr im Berliner Dom zu hören. Es spielen die Roma- und Sinti-Philharmoniker unter der Leitung von Riccardo Sahiti.

Verblasste Spuren

Der Dokumentarfilm "Vernichtet - eine Familiengeschichte aus dem Holocaust" erzählt die Geschichte der Familie Labe. Die Labes werden als Juden 1938 aus dem Brandenburgischen Glambeck vertrieben, ihr Hab und Gut angezündet. Auf der Flucht werden die Labes voneinander getrennt und in verschiedenen Ecken Europas ermordet. Der Film zeigt, wie Menschen auch abseits der großen Konzentrationslager den Nazis zum Opfer gefallen sind. Er macht deutlich, wie schwierig es meist ist, die Spuren der Verfolgten nachzuvollziehen. Die Dokumentaion - eine Kooperation von rbb, hr und NDR - findet sich ab Montag um 18:00 Uhr in der ARD-Mediathek.

Beitrag von Konrad Bott

Das könnte Sie auch interessieren

Vengaboys - Zoom Zoom Zoom Zoom (corona version with lyrics) (Quelle: Youtube)
Youtube

Musikkritik in Pandemie-Zeiten - Bitte keine Corona-Songs mehr!

Seit Monaten können Bands und Musiker nicht auftreten. Was machen sie stattdessen? Zu Hause sitzen und Lieder über Corona schreiben und sie in kleinen Youtube-Videos veröffentlichen. Fürchterliche Sachen kommen dabei heraus, schreibt Hendrik Schröder.