Die Pianistin Angela Hewitt am Flügel. (Quelle: © Lorenzo Dogana)
Bild: © Lorenzo Dogana

In Berlin versehentlich zerstört - Konzertpianistin trauert um 140.000 Euro teuren Flügel

"It's kaputt" - die weltbekannte Konzertpianistin Angela Hewitt trauert um einen einzigartigen Flügel, der versehentlich in Berlin zerstört wurde. Transporteure hatten das fast 600 Kilogramm schwere Instrument fallen lassen. Von Grit Lieder und Oliver Noffke

Ein wertvoller Konzertflügel der weltberühmten Pianistin Angela Hewitt ist in Berlin versehentlich zerstört worden. Wie die Kanadierin auf ihrer Facebook-Seite schreibt, ist das Unglück passiert, unmittelbar nachdem sie die Aufnahmen zu ihrer neuen CD abgeschlossen hatte. "Die Klavier-Transporteure kamen in die Regie [...], um zu sagen, dass sie mein kostbares Fazioli Grand Piano fallen lassen haben."

Dabei handelt es sich um einen Konzertflügel vom Typ F278 Fazioli. Der Neupreis für dieses Modell beginnt bei etwa 140.000 Euro. Der tatsächliche Wert dürfte jedoch weitaus höher gewesen sein. Laut der Musikerin war es das einzige der Serie, das mit vier Pedalen ausgestattet war. "Zumindest wurde niemand verletzt", schreibt die Pianistin über den Unfall mit dem 590 Kilogramm schweren Instrument. Nicht nur sie, auch die Transporteure hätten unter Schock gestanden.

"Ich habe dieses Piano abgöttisch geliebt"

Hewitts Agentin wollte auf Anfrage lediglich bestätigen, dass bevorstehende Konzerte nicht von dem Vorfall betroffen sein werden. Zum genauen Wert des Konzertflügels wollte sie sich nicht äußern. Ihre Londoner Plattenfirma Hyperion teilte rbb|24 mit, dass sich der Unfall Ende Januar in einer Berliner Kirche ereignet habe. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

In ihrem Facebook-Eintrag schreibt Hewitt, dass sie sich erst jetzt soweit fühle, über den Verlust zu sprechen. "Ich habe dieses Piano abgöttisch geliebt. Es war mein bester Freund, mein bester Begleiter." Der Hersteller habe das Instrument mittlerweile untersucht und festgestellt, dass es nicht mehr zu retten sei. Unter anderem sei der Eisenrahmen gebrochen. "Es macht keinen Sinn, finanziell oder künstlerisch, dieses Instrument wiederherzustellen", so Hewitt. "It's kaputt."

Die Pianistin Angela Hewitt in London 2016 am Flügel. (Quelle: © Keith Saunders Photography)
Bild: ©Keith Saunders Photography

Angela Hewitt wurde 1958 im kanadischen Ottawa geboren und ist für ihre Bach-Interpretationen weltberühmt. Bereits als Jugendliche erhielt sie zahlreiche hochkarätige Preise der klassischen Musikszene. In Berlin ist sie unter anderem gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester aufgetreten. Im Juni wird Hewitt in Leipzig die Bach-Medaille erhalten - als erste Frau überhaupt.

Sendung: Abendschau, 11.02.2020, 19.30 Uhr

Beitrag von Grit Lieder und Oliver Noffke

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26 Kommentare

  1. 26.

    Warum so ernst, wenn es um einen Gegenstand geht ;)
    Nur weil ein IPhone normalerweise 1500€ kostet, darf ich also nicht der Meinung sein, dass es völlig überteuert ist? Mal nur so zum nachdenken, als Analogie...

  2. 25.

    Alles klar. Von Konzertflügeln haben Sie also auch keine Ahnung. Sonst wären Ihnen die Preise geläufig. Und den Artikel haben Sie auch nicht gelesen. Sonst wüßten Sie, daß der gußeisere Rahmen gebrochen ist. Holz verwendet man dafür seit Jahrhunderten nicht mehr - weil es schlicht und ergreifend nicht dafür geeignet ist.

  3. 23.

    Und das war Ihnen vorher noch nicht bewusst? Oder haben Sie das bewusst ignoriert? Oder wollten Sie es nicht wahr haben? Oder ist Ihnen die berlinerische Form der Konversation schlicht nicht zugänglich genung? Sollten wir mehr Jamben und Trochäen in unsere "Berliner Schnauze" mit einbauen, damit Außenstehende ja einen Eindruck von kulturell gebildeten Berlinern haben? Wir verdienen im Übrigen auch weit aus mehr, als geistreich Beobachter, wie Sie es sind.

  4. 22.

    Oh man. Armselig. Dann machen sie mal wieder ihre Techno Musik an...Da kann man nur hoffen das ihr Sohn mehr Bildung als sie bekommt!!!

  5. 21.

    Dazu kommt, dass sich die Firma nach so einem Schaden, selbst wenn er ausreichend gedeckt sein sollte, wohl eine neue Versicherung suchen kann. Und das dürfte ein aussichtloses Unterfangen sein. Tut mir echt leid das. Sowohl für A.W. als auch für die Spedition...

  6. 20.

    Natürlich sind die 140.000 € für mich schwer zu fassen (wenn auch bei Konzertflügeln durchaus keine Ausnahme). Aber daß es riesige Unterschiede zwischen Instrumenten gibt, und daß bei guten Instrumenten auch jede Menge Emotionen im Spiel sind, unterschreibe ich als Musiker sofort.

  7. 19.

    Als alter Klavierträger ist mir dieses Instrument bekannt. Es ist die Königsklasse unter Klavierträgern. Der Fazioli stellt Transporteure vor eine besondere Herausforderung. Jeder der sich uber einen solchen Unfall freut, muss einen Riss an der Glocke haben. Da werden 600 Kilo von 2 Männern getragen (evtl. noch ein, zwei leute zum absichern) und diese 600 kilo können tödlich sein. Ich hoffe für die Transporteure, das sie sich nichts getan haben und ausreichend versichert sind. Solch ein Schaden führt schnell zum bankrott. Die Lage in Berlin ist prekär. Händler oder Umzugskunden wollen so wenig wie möglich Geld ausgeben und die Transportunternehmen liefern sich ein Wettrennen um den besten Preis. Oft fahren die Transporteure für fast den selbstkostenpreis zum Einsatzort. Meines erachtens nach ist es eine Frechheit das sich so schwer und riskant arbeitende Menschen mit verhältnismäßig so wenig Geld zufrieden geben müssen.

  8. 17.

    Die Empathie- Kultur- und Ahnungslosigkeit mancher Mitbürger ist wirklich erschreckend.

    Wen der Artikel nicht interessiert, braucht ihn nicht zu lesen. Wer keine Ahnung von Musik im Allgemeinen und Klassik im besonderen hat, soll dann einfach mal...nichts schreiben. Ganz viel Meinung bei ganz wenig Ahnung. Eine fatale Kombination.

    @nico: Sind Sie tatschlich ein solcher Profi mit absolutem Gehör, Konzertpianist, Klavierbauer- oder stimmer, das Sie beurteilen können, ob es besser klingende Flügel gibt als den 4-pedaligen Fazioli F278 gibt?

  9. 16.

    Wenn eine Pianistin, wie Angela Hewitt, 8 Stunden pro Tag an ihrem Flügel übt, dann sind das rund 3000 Stunden im Jahr.

    Die Klaviermechanik eines Flügels reagiert auf kleinste Modulationen der Finger. Jeder Flügel hat ein eigenes Klangbild. Eine Musikerin, wie Angela Hewitt, ist so eine emotionale Bindung mit ihrem Instrument eingegangen.

    Wie sehr sie ihr Musikinstrument geliebt haben muß, erkennt man ja schon daran, daß sie es auf ihren Konzertreisen mitgenommen hat.

    Auch Vladimir Horowitz hat seinen Flügel auf Konzertreisen mitgenommen.

  10. 15.

    Ich dachte, ich wäre schon ein schlechtgelaunter Zyniker, aber es geht offenbar noch schlimmer. Ein dämlicher Kommentar von... egal.

    Ich mochte nicht in der Haut der armen Transporteure stecken, und in Jens' schon gar nicht.

  11. 14.

    Jede Spedition handhabt das allerdings anders. Es lohnt sich, sich im Vorfeld eines Transportes in einem solchen Wert mit den Versicherungsbedingungen und der Deckungshöhe vertraut zu machen, damit man im Schadensfall nicht auf die Nase fällt. Ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass der Flügel in kompletter Höhe für den Transport versichert ist. Wenn die Pianistin gut beraten ist (wovon man ausgehen kann) dann kümmert sich ihre eigene Musikinstrumenten-Versicherung um die Durchsetzung ihrer Forderungen ggü. der Spedition und deren Versicherer. Im Zweifel jedoch ist nach der erklärten Haftungsgrenze des Spediteurs aber Schluss.

  12. 13.

    Schadens froh zu sein, ist kein guter Charakterzug! Der materielle Wert wird auch nicht Ausschlag gebend sein! Dafür gibt es die erwähnte Firmen Versicherung des Spediteurs. Der Schaden ist für die Dame eher darin zu sehen, dass Sie mit jeder Taste und jeder Eigenheit des Instruments vertraut ist. Jeder Anschlag hat eine eigene Charakteristik, auf jeden Instrument ist das "Klangbild" anders und die Anschläge müssen immer wieder geübt werden, damit es perfekt Klingt. Die Dame kann zwar gut spielen, aber um wieder ihre max. Performance zu bekommen, braucht sie wahrscheinlich einige Zeit mit einem neuen/anderen Instrument.

  13. 11.

    Wie geil ist das denn?

  14. 10.

    Wie geil ist das denn?

  15. 9.

    Ja, es gibt tatsächlich Musikliebhaber, die dieses Thema tatsächlich interessiert und Anteil nehmen. Das hat etwas mit Empathie zu tun. Die aber und Respekt sind derzeit bei einigen abhanden gekommen.

  16. 8.

    Die ersten drei Kommentare (Stand 14:41 MEZ) zeigen es mal wieder zu deutlich: Der Berliner, mit dem, was er für Herz und Schnauze hält und unfähig zu Empathie und Kunstgenuss, braucht und verdient die Art von Musik, die auf solchen Instrumenten und dank solcher Künstlerinnen entsteht, einfach nicht. Gebt ihm eine Blaskappelle, die ihm die "Berliner Luft" trötet, oder seine Hertha-Hymne zum Mitgrölen, und er ist zufrieden.

  17. 7.

    Jede Transportfirma versichert Güter. Kann sich von dem Versicherungsgeld einen neuen Flügel kaufen, es gibt sicher besser klingende. Wieder eine Meldung was für das Fratzenbuch.

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