Eine Frau fotografiert am 20.02.2020 das Gemälde "Meules" während eines Rundgangs im Rahmen der Pressekonferenz zur Ausstellung "Monet.Orte" im Museum Barberini in Potsdam (Quelle: imago images/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 20.02.2020 | Magdalena Bienert | Bild: imago images/Martin Müller

"Monet.Orte" in Potsdam - Museum Barberini zeigt bisher größte Monet-Ausstellung

Das Museum Barberini in Potsdam widmet dem Maler Claude Monet die umfangreichste Retrospektive, die es jemals in einem deutschen Museum gab. Der Andrang war bereits am ersten Tag der Ausstellung groß. Von Magdalena Bienert

Das Museum Barberini in Potsdam lädt ein zu einer Reise - zu Monets Reise. Ein Ausstellungsraum stellt einen Ort dar - insgesamt sind es zwölf: von Paris, seiner Geburtsstadt, über London, wo er während des deutsch-französischen Krieges als 30-Jähriger Zuflucht suchte, weiter in die Bretagne auf die Insel Belle-Ile, wo er 35 Seestücke anfertigte. Venedig, Vétheuil oder Giverny - als in den 1840ern die Tubenfarben erfunden worden waren, gab es keinen Grund mehr für den umtriebigen Maler, drinnen zu arbeiten. Er wurde zum reisenden Innovator der Landschaftsmalerei.

Seit Samstag sind Monets Werke im Barbeini zu sehen. Die Ausstellung ist die bisher größte in Deutschland. Der Andrang war nach Angaben des Museums gleich zu Beginn groß. Schon in der ersten Stunde kamen 500 Besucher, die Online-Tickets sind für fast das gesamte Wochenende ausverkauft.

Immer auf der Suche nach einem besonderen Ort

Vor der Ausstellungs-Eröffnung in Potsdam war die Werkschau bereits in Amerika zu sehen, im Denver Art Museum, aus dessen Impressionismus-Bestand sieben Monet-Bilder nach Potsdam gereist sind. Der Direktor des Denver Art Museums, Christoph Heinrich, gehört zum vierköpfigen Kuratorenteam und erzählt von der Reiselust des Malers: "Als Impressionist war das Credo für Monet die Malerei 'pleine air', also unter freiem Himmel", so Heinrich. "Er hat dabei immer wieder den Charakter anderer Orte gesucht: die Rauheit der Küste der Normandie, diese unglaubliche, prachtvolle Farbigkeit der Mittelmeerküste, Holland oder der dicke fette Nebel in London."

Während der schmutzige, sogenannte "Pea Soup Fog" (Erbsensuppennebel) in London den Bewohnern die Luft zum Atmen nahm, war er 1870 für Monet "eine ästhetische Sensation". Der Maler habe stets vor Ort seine Staffelei aufgebaut. Aber es gebe immer noch Diskussionen darüber, was er in seinem Atelier vollendet habe, so Christoph Heinrich. "Man weiß bestimmt, dass er die Bilder aus London im Atelier über mehrere Jahre hin bearbeitet hat. Auch für seine Seerosenbilder hatte er sich später ein riesiges Atelier gebaut, wo die großen Werke entstanden, die heute in Paris zu sehen sind."

Ausgangspunkt sind 34 Exponate aus Plattners Privatsammlung

Die 110 gezeigten Exponate stammen aus 80 verschiedenen Sammlungen und sind aus 15 Ländern nach Potsdam gereist. Etliche große Museen haben Leihgaben gemacht, aber auch viele Privatsammler stellten Bilder zur Verfügung. "Monet.Orte" ist die größte Retrospektive, die je von ihm in Deutschland gezeigt wurde. Allein 34 stammen aus dem privaten Besitz von SAP-Mitbegründer und Museumsbesitzer Hasso Plattner. Dazu zählt auch das teuerste Monet-Gemälde "Meules". Erst jetzt verriet Plattner in einem Interview mit den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" [pnn.de] , dass er das Bild – zunächst anonym – im Mai 2019 für 111 Millionen Dollar (etwa 103 Millionen Euro) beim Auktionshaus Sotheby’s in New York erworben hatte.

Im Zuge der Ausstellungseröffnung am Donnerstag gab der Potsdamer auch bekannt, dass er sich ab dem 5. September 2020 sogar für immer von seinen Impressionisten trennen wird: über 100 Meisterwerke von unter anderem Renoir, Pissarro, Sisley und eben Monet gehen als Dauerleihgabe ans Barberini. Doch der Mäzen hat vorgesorgt, wie er erzählt: "Die Bilder hängen dann nicht mehr bei mir im Wohnzimmer, aber ich kriege gute Kopien."

Viel mehr als nur Seerosen

Einmal hat Plattner bei einem großen Auktionshaus eine täuschend echte Monet-Fälschung erworben. Ein Amerikaner aus Texas hatte sich daraufhin beim Auktionator gemeldet und gesagt, dass das verkaufte Bild noch bei ihm zu Hause an der Wand hinge. Er hatte das Original. Plattners sehr gut gemachte, jüngere Fälschung konnte nur anhand von Laboruntersuchungen der Pigmente ausgemacht werden.

Viele Bilder von Monet finden sich tatsächlich in amerikanischen Händen, wo der Franzose zuerst einen kommerziellen Erfolg erzielen konnte. Da war er bereits 50 Jahre alt und hatte acht Kinder zuhause zu versorgen, sechs davon Stiefkinder.

Wegbereiter für expressionistische Malerei

Je länger man sich mit den komplexen Farbstrukturen, dem spannenden Spiel von Schatten und Licht in blühenden Landschaften oder auf glitzernden Gewässern beschäftigt, umso mehr entwickeln Monets Werke eine Sogwirkung.

Auch Mit-Kurator Christoph Heinrich gerät ins Schwärmen: "Was mich mehr und mehr fasziniert: Wie er von Bild zu Bild, von Motiv zu Motiv seinen Duktus ändert. Es gibt nicht den Monet-Pinselduktus, der immer gleich ist. Flirrende Pappelbäume oder der ruhige Canale Grande oder die wilde Gischt der Normandie-Küste – der Pinselstrich ist immer komplett anders und trägt die Atmosphäre."

Zoomt man in seine späten Werke, erkennt man bereits, dass Monet mit seinen sichtbaren Pinselstrichen und der texturreichen Oberflächengestaltung Wegbereiter für abstrakte Expressionisten wie Jackson Pollock war.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.02.2020, 11:10 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ich hoffe auch für Sie, das dann auch noch alle Bilder hängen und wünsche Ihnen und Ihrem Besuch einen schönen Aufenthalt.

  2. 5.

    Lieben Dank aber wir gehen mit unserem Berlin-Besuch Mitte Mai hin.
    Schönes Rest-We.

  3. 4.

    Danke für die netten Wünsche. Ja man kann nur hoffen das aus den Desastern gelernt worden ist. Wollen Sie nicht mitkommen:-)

  4. 3.

    Ich drücke die Daumen und wünsche schon.mal ne schöne Zeit.
    Aus den Diebstählen in Dresden und dem Bodemuseum in Berlin haben hoffentlich alle Museen was gelernt.

  5. 2.

    Na, da drücken wir mal die Daumen.Ich freue mich auf diese Ausstellung, wir wollen nächsten Monat im Urlaub hin.

  6. 1.

    Na hoffentlich ist dieses Museum ausreichend gegen krimminelle Langfinger gesichert und versichert.

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