Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums stehen am 04.02.2020 vor dem erworbenen Ölgemälde "Cain or Hitler in Hell" von George Grosz (1944). (Quelle: David von Becker)
Video: rbb24 | 04.02.2020 | Milan Panek | Bild: David von Becker

Gemälde von George Grosz - Deutsches Historisches Museum zeigt Hitler in der Hölle

George Grosz zeigte in seinen Gemälden die Folgen von Hass und Leid durch Kriege. Während der NS-Zeit wurden seine Werke als "entartet" gebrandmarkt. Das Deutsche Historische Museum in Berlin-Mitte zeigt nun, wie Grosz sich Hitler in der Hölle vorstellte.

Das von George Grosz 1944 im Exil in den USA gemalte Werk "Cain or Hitler in Hell" hängt seit Dienstag im Deutschen Historischen Museum in Berlin (DHM). Das Gemälde des vor den Nazis geflohenen Grosz (1893-1959) wurde mit Unterstützung von Bund und Kulturstiftung
der Länder im vergangenen Jahr für die Sammlung erworben. Es gilt als eine der herausragenden Arbeiten des Künstlers und befand sich seit seiner Entstehung im Besitz der Familie.

Das Bild zeige "die Perspektive eines Künstlers im Exil auf das katastrophale Ausmaß des Mordens und der Zerstörung in Deutschland", sagte Museumschef Raphael Gross während der Präsentation in der Dauerausstellung zum nationalsozialistischen Völkermord. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 60 und 70 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen.

Die Hölle auf Erden - von Grosz in Öl gemalt - zeigt einen brennenden Horizont. Im Vordergrund der ermattete Hitler, zu seinen Füßen unzählige "lausartige Skelette", wie Grosz selbst sagte. Er habe "Hitler als faschistisches Monster, oder als apokalyptisches Beast, verzehrt von seinen eigenen Gedanken und Kindern" gemalt, sagte er zu dem Bild. "Cain or Hitler in Hell" gilt als eines der Hauptwerke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

"Einen der begabtesten Künstler der Weimarer Republik"

Das Gemälde sei "vielleicht ein Albtraum und trotzdem wahr", zitierte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Dienstag bei der Präsentation Grosz. In jedem Fall gehöre es "zu den Kulturgütern mit gesamtstaatlicher Bedeutung" und besitze eine "Ausnahmestellung" in den sehr routiniert stattfindenden Ankäufen des Bundes. Grosz' "apokalyptische Schreckensvision wirkt angesichts des wiedererstarkenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft wie ein Appell gegen das Vergessen", befand Grütters.

Der Erwerb setze "ein Zeichen der Wiedergutmachung" und ehre "einen der begabtesten Künstler der Weimarer Republik", so Grütters. Insofern habe man der Familie einen "angemessenen Betrag" für das Bild bezahlt. Einen genauen Kaufpreis nannte die Kulturstaatsministerin nicht, machte jedoch klar, dass der Bund den Löwenanteil bestritten habe. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf nach eigenen Angaben anteilig mit 100.000 Euro.

Museum zeigt Grosz neben Werk von Nussbaum

In der neuen Berliner Dauerausstellung, als Blickfang platziert vor knall-orangener Wand, hat "Cain or Hitler in Hell" einen Platz in direkter Nachbarschaft zu Bildern von Felix Nussbaum (1904-1944) gefunden. Auch der Osnabrücker Maler, der in Auschwitz starb, thematisiert die NS-Herrschaft, in dem er etwa in "Zerstörung II" auf seine von den Nazis ruinierten Bilder anspielt. Beide Gemälde passten in das neue Konzept der Ausstellung, so Gross: "Sie zeigen eine neue Perspektive auf, binden die Geschichten der Opfer stärker als vorher mit ein - diese sind eben nicht nur Opfer, sondern auch selbstbewusste Akteure."

George Grosz wurde 1893 in Berlin geboren. Seine Werke werden Stilrichtungen wie der Neuen Sachlichkeit, dem Futurismus und dem Expressionismus zugeordnet. Ab 1920 entwickelte er sich zu einem Chronisten und Kritiker seiner Zeit. Vor allem der Militarismus und das konservativ-reaktionäre Bürgertum der Weimarer Republik sind Hauptthemen vieler seiner Gemälde. Während der NS-Zeit wurden 285 seiner Werke als "entartet" diffamiert. Ende der 1950er Jahre kehrte aus dem US-Exil nach Berlin zurück, wo er kurz darauf verstarb. Er ist auf dem Waldfriedhof Heerstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf begraben.

Sendung: Abendschau, 04.02.2020, 19:30 Uhr

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