Archivbild: Mitglieder des Ensembles des Deutschen Fernsehballetts tanzen am 01.12.2014 im Berliner Dom. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: rbb|24 | 04.02.2020 | Material: Abendschau, zibb, Archiv, Imago, dpa | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Ende einer Institution - Deutsches Fernsehballett wird Ende 2021 aufgelöst

Nun also doch: Nach knapp 60 Jahren steht das Deutsche Fernsehballett vor dem Aus. Wie Peter Wolf, Geschäftsführer des in der DDR gegründeten Ensembles, am Sonntag sagte, ist Ende 2021 Schluss - wegen zu wenig Aufträgen. Seit 1992 probt das Ballett beim rbb.

Schon 2014 stand das Deutsche Fernsehballett kurz vor dem Aus - doch nun ist endgültig Schluss, nach knapp 60 Jahren. Das kündigte Geschäftsführer Peter Wolf am Sonntag an. "Es rechnet sich einfach nicht mehr", sagte Wolf der Nachrichtenagentur dpa. Zuerst hatte "Bild am Sonntag" [bild.de, kostenpflichtig] darüber berichtet.

Sender wollen nicht mehr zahlen

Bis auf den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) seien die anderen Sender nicht mehr bereit, für das Ballett zu zahlen. Vom ZDF habe es schon seit 2017 keinen Auftrag mehr gegeben, sagte Wolf. Er habe deshalb den MDR um eine Beendigung der fast 30-jährigen Zusammenarbeit gebeten - dem sei entsprochen worden.

Der Geschäftsführer kündigte an, dass alle vertraglichen Verpflichtungen bis Ende nächsten Jahres erfüllt würden. 2020 seien noch zwölf TV-Shows im MDR geplant, darunter am 7. Februar beim Semper-Opernball. Im Dezember 2020 soll dann im Fernsehen Schluss sein, im Frühjahr 2021 gebe es eine Abschiedstournee.

Seit der Wende unter dem Dach des MDR

Gegründet wurde das Tanzensemble 1962 in der DDR. Zu den Solistinnen gehörten die Ungarin Emöke Pöstenyi sowie die Halb-Amerikanerin Susan Baker, die in der DDR Star-Status genossen. Das Ballett trat unter anderem in Shows wie "Ein Kessel Buntes" auf. Nach dem Mauerfall übernahm der MDR das Ensemble. Vor rund acht Jahren verkaufte der MDR dann das Ensemble an den heutigen Geschäftsführer, Peter Wolf.

Bereits 2014 hatte dem Fernsehballett das Aus gedroht. Daraufhin sei die Tanztruppe von einer Welle der Solidarität geradezu überrollt worden, sagte Wolf damals. Prominente hätten mehrere Projekte vereinbart, darunter Shows mit Hape Kerkeling und Carmen Nebel. Der Deutsche Kulturrat hatte die Tanz-Institution 2013 in die Liste bedrohter Kulturinstitutionen aufgenommen.

Fernsehballett sitzt seit 1992 beim rbb in Berlin

Mit dem Ende des Deutschen Fernsehballetts geht auch für den rbb ein wichtiges Kapitel zu Ende - denn seit 1992 hatte das Ballett seinen Sitz an der Masurenallee in Berlin-Charlottenburg. Zum 30. Geburtstag der Compagnie im Jahr 1992 musste der frühere Standort in den Filmateliers in Berlin-Johannisthal aufgegeben werden. Der Sender Freies Berlin (SFB), neben dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg einer der beiden Vorläufer des heutigen rbb, bot dem Ballett kurzerhand eine neue Heimat an - in einem Saal, der sich im Untergeschoss des Berliner Fernsehzentrums befindet.

Sendung: Abendschau, 02.02.2020, 19.30 Uhr  

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8 Kommentare

  1. 8.

    Die Zeiten ändern sich eben. Das Fernsehballett war schon spätestens ab Mitte der 1990ern Jahre ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit und wirkte wie aus der Zeit gefallen. Spätestens mit dem Ende der Samstagabendshows hat es seine Daseinsberechtigung verloren. Mich hat immer gewundert, wie lange sich dieser "Dinosaurier" noch gehalten hat. Die Big Bands, Samstagsabendshows etc. war es eine "Institution", die seine Zeit gehabt habt. Nun wurde es aber endlich Zeit, davon Abstand zu nehmen.

  2. 7.

    Wenn man das Fernsehen einschaltet, kommt nur noch Schrott und in den Öffentlichen politische Diskussionen. Das Niveau sinkt immer mehr ab. (Wo bleiben unsere Fernsehbeiträge?)Das deutsche Fernsehballett war einmalig und ein Aushängeschild für hochwertige Unterhaltung. Schade, dass grosse Fernsehshows gestorben sind und die Qualität von Fernsehen nur noch nach Kosten und Einschaltquoten entschieden wird . Aber das ist eben das Prinzip dieses Wirtschaftssystems, bei der die Kultur auf der Strecke bleibt ! Kein Wunder, dass Netflix & Co so einen Zulauf haben !

  3. 6.

    Die Zeiten haben sich geändert und auch die Choreographie. Daher lässt sich so etwas nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Früher spielten auch Bigbands in den Unterhaltungssendungen. Einige werden sich noch erinnern.

  4. 5.

    Also ich brauch sowas nicht.

  5. 4.

    Das Publikum wird langsam blind, Rollator-Nutzer oder verstirbt. Welche Sendungen soll es denn noch begleiten? Ein Kessel Buntes ist seit 20 Jahren vorbei. Carmen Nebels Fans bewohnen ausschließlich das MDR Sendegebiet. Fit und das gute Spee werden auch nur aus Preisgründen im Westen gekauft. Außer dem Ampelmännchen haben sich kaum Ost-Marken, zuvor von <= 17 Mio Menschen geschätzt, im 67-Mio-Westen nicht durchgesetzt. So geht's auch dem DDR Fernsehballett. Qualitativ o.k., Reichweite einfach zu klein. Nischenprodukt.

  6. 3.

    Was hat das auch mit Pressefreiheit zu tun???

  7. 2.

    Wenn man die Profitänzer alle entlässt und nur noch ein zusammen gewürfeltes Ensemble von zweitklassigen Tänzern mit ebenso zweitklassigen Choreografien auf der Bühne steht, bleiben eben auch die Aufträge weg. Seit der Mdr das Ballett verkauft hat ging es nur noch bergab. Schade, dass es das ehemals beste TV-Ballett nicht mehr geben soll. Als langjährigem Fan tut einem das in der Seele weh.

  8. 1.

    Traurig, das hochwertige Kultur dem schnellen Geld weichen muss. Das Niveau im deutschen TV ist tiefer als die Ruhestätte der TITANIC geworden und die "PRIVATEN" bestimmen den Weg. Emöke Pöstenyi und damals noch mit Susan Baker werden den "Kennern" unvergessen bleiben. Emöke hat das Ballett über die Wende hinweg gerettet. Es war schön zu hören, als selbst ein Dieter Thomas Heck nach 1990 "unser" Fernsehbalett ankündigte und man es eben auch im "West-Fernsehen" erleben durfte. Vieles fand ja dort keinen Sendeplatz. In memory: https://www.youtube.com/watch?v=nfQdDysLJVc

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