Rehearsal in Komische Opera " Roxy und Ihr Wunderteam"
Bild: Video: Abendschau | 24.02.2020 | Christian Titze

Sanierung der Komischen Oper ab 2024 - "The house is falling apart"

Die Komische Oper hat zwar einen hervorragenden Ruf, doch das Gebäude selbst bröckelt schon lange. Ab 2024 soll umfassend saniert und neu gebaut werden. Im Abgeordnetenhaus wurde nun über den Zeitplan für die Sanierung gesprochen - und die Kosten.

Auf den ersten Blick sieht in der Komischen Oper eigentlich noch alles ganz gut aus. Doch Intendant Barrie Kosky macht sehr schnell deutlich, dass es für die Sanierung seines Hauses eigentlich schon fünf nach zwölf ist. Er zeigt auf das riesige Netz, das unter der Decke gespannt wurde. "Weil ein kleiner Engel auf die Anatevka-Bühne gefallen ist." Wohlgemerkt: Einer aus Stein, aus dem bröckelnden Putz. Zum Glück sei niemand getroffen worden, sagt Kosky - und nimmt es mit Humor. "Fallen angel. Symbolisch." Das Netz habe 70.000 Euro gekostet.

"The house is falling apart," sagt Kosky.

Sie fällt auseinander, die Komische Oper. Und zwar nicht nur der Putz, gibt Kultursenator Klaus Lederer im rbb-Interview zu. "Dirigenten steigen inzwischen mit einer Leiter aus dem Fenster, weil sie durch die Tür nicht mehr rauskommen." Auch die Bühnentechnik von 1953 falle regelmäßig aus. Irgendwann sei hier ein Weiterbetrieb unverantwortlich, so Lederer.

"Man fliegt heute nicht in einem Flugzeug von '53, nutzt keinen Computer von '53", sagt Intendant Kosky. Er brauche gar keine supermoderne Technologie, fügt der gebürtige Australier hinzu. "Das ist gegen meine Idee von Theater. Aber wir brauchen ein gewisses Update."

"Wir wissen, dass die Kosten mehr werden"

237 Millionen Euro hat der Senat für die Sanierung der Komischen Oper veranschlagt. Wenn sie nicht eingehalten werden, werde die Senatskulturverwaltung das transparent machen,  so Lederer. "Es geht darum, ein funktionales Operngebäude zu sanieren und auf den Stand von 2020, 2025 zu bringen." Es gehe allerdings nicht darum, eine Luxussanierung durchzuführen, so Lederer.

Im Hinterkopf hat er dabei die Sanierung der Staatsoper, die mit 400 Millionen Euro gut 40 Prozent teurer wurde als geplant. Immerhin in zwei Punkten hat man es bei der Komischen Oper leichter: Denn dort muss keine Decke angehoben werden, um die Akustik zu verbessern, und es ist auch kein unteririscher Verbindungsgang zwischen zwei Gebäudeteilen nötig. Genau das hatte die Kosten an der Staatsoper aber explodieren lassen.

Parallelen zwischen beiden Kultur-Baustellen bestehen dennoch. So kann auch in dem historischen Gebäude der Komischen Oper der genaue Sanierungsumfang erst beziffert werden, wenn das Ensemble das Haus verlassen hat und in ein Ausweichquartier gezogen ist. Erst dann können beispielsweise Wände aufgestemmt werden, berichtete Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Montag im Abgeordnetenhaus. "Dann sieht man erst, ob 20 oder 80 Prozent der Wand XY marode sind." Aus der Kostenexplosion bei der Staatsoper habe man gelernt, verspricht Lüscher: Es werde "auf keinen Fall Teilbauplanungsunterlagen" geben.

Intendant Barrie Kosky erklärt schon heute: "Man muss ehrlich sein: Wir wissen, dass die Kosten mehr werden."

Kosky und rbb-Reporter Titze auf der Bühne der Komischen Oper
Blick von der Bühne der Abendschau: Technik aus den 50er Jahren | Bild: Abendschau/rbb

Streit um Grundstück für Anbau

Unwägbarkeiten existieren auch beim Zeitplan. Weil wegen der Rüge eines Architekturbüros ein Architektenwettbewerb neu ausgeschrieben werden musste, liegt das Projekt viereinhalb Monate zurück. Außerdem liefert sich das Land Berlin einen zähen Grundstücksstreit mit einem Investor, der das Areal in der Glinkastraße neben der Komischen Oper für sich beansprucht. Dort soll eigentlich im Zuge der Sanierung ein Anbau mit Büros und Probebühnen entstehen. Senatsbaudirektorin Lüscher räumt ein: "Die Zeit, die wir verloren haben, werden wir nicht kompensieren können."

Kultursenator Lederer wiederum gibt sich zuversichtlich, dass das Land über das Gelände zum geplanten Baustart verfügen darf, um die Komische Oper zu erweitern. Im März könnte dazu eine Gerichtsentscheidung fallen.

Susanne Moser, die geschäftsführende Direktorin der Komischen Oper, hofft derweil inständig, dass alles glatt geht mit Blick auf den geplanten Baubeginn. Denn dringend erneuert werden muss nicht nur das historische Gebäude, sondern auch die Bühnentechnik mit der Drehbühne. "Die darf einfach nicht steckenbleiben. Sie ist unerlässlich für fast die Hälfe unseres Repertoires, darunter einnahmenstarke Produktionen wie Anatevka und My Fair Lady."

Sendung: rbb UM6, 24.02.2020, 18:00 Uhr

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