Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater (Quelle: dpa/Schöning)
Video: rbb24 | 06.02.2020 | 13 Uhr | Bild: dpa/Schöning

Räume fehlen am neuen Standort - Kudamm-Theater ist auf zusätzliche Hilfe des Landes angewiesen

Noch residiert die Komödie am Kurfürstendamm im Ausweichstandort Schiller-Theater. Doch 2022 soll sie an den Kudamm zurückkehren. Allerdings fehlen wichtige Räume, ohne die der Komödien-Chef nicht spielen könne. Er fordert Hilfe vom Land. Von Ute Schuhmacher

Weil nach dem Abriss der alten Theater am Kudamm der Neubau noch nicht steht, residiert die Komödie am Kurfürstendamm momentan im Schiller-Theater. Doch 2022 soll Theaterchef Martin Woelffer mit der Komödie ins neue Haus einziehen. Dafür fehlen am künftigen Standort jedoch Probebühnen, eine Werkstatt und Büros.

Weil er ohne die nicht Theater spielen könne, verlangt Woelffer nun mehr Unterstützung vom Land Berlin - noch mehr, muss man sagen. Denn Woelffer bekommt aktuell ja schon gut eine Million Euro im Jahr vom Land. Das ist gut viermal so viel wie er vor dem Abriss der beiden Kudamm-Bühnen erhalten hatte.

3.500 bis 4.500 Quadratmeter Gewerbefläche gesucht

Im Schiller-Theater läuft es für Martin Woelffer und seine Komödie gut, trotzdem soll er zurück. Ab Herbst läuft der Mietvertrag für das neue Theater am historischen Standort am Kurfürstendamm 207/208. Es gibt allerdings ein Problem, sagt Martin Woelffer: "Am Kudamm wird es nur die reine Abspielstätte geben. Das war von Anfang an so geplant", sagte Woelffer dem rbb. "Allen Beteiligten war klar, dass es mehr Unterstützung braucht."

Für die genannten Probebühnen, die Werkstatt und die Büros brauche Woelffer etwa 3.500 bis 4.500 Quadratmeter Gewerbefläche in Berlin, sagt er. Die müssten einige Kriterien erfüllen: Für die Werkstatt beispielsweise braucht es besonders hohe Räume. Nicht nur die Suche danach sei schwer - sie müssen auch bezahlt werden.

Der Komödienchef rechnet vor, dass er aktuell 85 Prozent seiner Ausgaben selbst finanzieren könne. Der Rest komme aus öffentlichen Geldern. Käme da noch ein großer Posten dazu, etwa die Miete für die gesuchten Räume, wäre das nicht mehr selbst zu stemmen, sagt Woelffer.

Kein zusätzliches Geld vom Land

Wegen dieses Problems sei man im Gespräch mit der Senatskulturverwaltung. Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) bestätigte das auf rbb-Anfrage. Allerdings: Hoffnungen auf mehr Geld vom Land könne er Woelffer nicht machen. Die rund eine Million Euro Landzuschüsse seien dafür da, die Mietkosten im neuen Theater zu decken.

Alle weiteren Kosten, die durch Anmietung von Lagerräumen entstehen, müsse Woelffer selbst aufbringen, sagt Wöhlert – und fügt hinzu: "Er ist ein privater Unternehmer mit seinem Theater. Das ist ihm aber auch bewusst."

Unterschiedliche Subventionierung der Theater

Das private Unternehmertum beißt sich aus Sicht von Martin Woelffer allerdings nicht mit höheren Zuschüssen. Schließlich würdem auch andere private Theater Zuschüsse erhalten. "Und zwar zum Teil durchaus höhere als die Komödie am Kurfürstendamm, ganz zu schweigen von den staatlichen Theatern", sagt Woelffer. "Das ist ungerecht."

Die Förderung von Theatern ist ein sensibles Thema: Unabhängig davon, wie viele Zuschauer sie anziehen, bekommen die verschiedenen Theater der Stadt unterschiedliche Subventionen. "Das heißt: Auf demselben Markt haben die Anbieter total unterschiedliche Bedingungen." Das sollte sich nach Woelffers Ansicht ändern. Bislang stoße er damit bei der Kulturverwaltung aber auf Granit.

Kooperation mit anderen Theatern?

Auch deshalb verfolgt der Komödien-Chef noch einen anderen Pfad: Er mache keinen Hehl daraus, dass er sich im Schiller-Theater sehr wohl fühlt und nichts dagegen hätte, dort zu bleiben. Doch ab 2023 soll an dem Standort die Komische Oper unterkommen, während deren Standort in Mitte saniert wird.

Woelffer wäre jedoch offen für eine Kooperation, die Oper nutze ohnehin die Werkstatt der Opernstiftung. Braucht sie dann überhaupt die Schiller-Theater-Werkstatt? Der Kulturstaatssekretär winkt ab. "Das ist keine Option für die Kudamm-Bühne", sagt Linken-Politiker Torsten Wöhlert. Die Komische Oper brauche die Räume nicht unbedingt als Werkstatt, aber sie brauche die Räume an sich. Alternativen sind derzeit unklar. Über eine Kooperation mit anderen Theatern sei man allerdings im Gespräch, sagt Wöhlert.

Archivbild: Schauspieler bei der Pressekonferenz zum Umzug des Theater und Komoedie am Kurfuerstendamm ins Schiller Theater am 16.03.2018 in Berlin. (Quelle: dpa)Hugo Egon Balder, Jochen Busse, Rene Heinersdorff, Martin Woelffer, Katharina Thalbach und Coline Serreau bei der Pressekonferenz zum Umzug ins Schillertheater im März 2018.

Weitere schmerzliche Folge der Rettung

Als Kultursenator Klaus Lederer (Linke) im Februar 2017 die Rettung der Kudamm-Bühne bekanntgab, wurde er dafür gefeiert. Einen "Riesenerfolg" nannte auch Theaterdirektor Martin Woelffer den Kompromiss, der mit dem Investor ausgehandelt werden konnte.

Danach durfte dieser zwar die beiden Traditionsbühnen abreißen, verpflichtete sich aber, dafür ein neues Theater zu bauen und in die Innengestaltung 3,3 Millionen Euro zu stecken. Dass das nicht reichen würde für den Innenausbau war eine der Kröten, die für den Erhalt des Theaterstandorts in dem Jubel geschluckt wurde.

Dazu gehört auch die neue Lage des Theaters im Keller des neuen Gebäudes, sowie die Vervierfachung der Subventionen an die Theaterstätte, bei gleichzeitiger Halbierung der Spielstätten. Denn aus zwei Theatern wird nach dem Neubau eine. All das wurde – nach einigem Grummeln - allgemein geschluckt. Mit drei Jahren Verspätung wird nun eine weitere Folge des Vertrags von 2017 schmerzlich bewusst: das Fehlen von Probebühnen, Werkstatt und Büros. Eine Lösung für dieses Problem sollte sich im Interesse der Komödie bald finden, bei zwei Jahren bis zur Rückkehr an den Kudamm bleibt der Komödie nicht mehr viel Zeit.

Sendung: Inforadio, 06.02.2020, 15 Uhr

Beitrag von Ute Schuhmacher

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

4 Kommentare

  1. 4.

    Der Senat unterstützt mit einer Millionen im Jahr, der neue Vermieter am Kudamm wurde vom Senat verpflichtet, eine aberwitzig geringe Miete zu akzeptieren und viele Millionen in den Bau zu stecken - und die Familie Woelffer hat immer noch nicht genug und führt mit der Salamitaktik alle an der Nase herum. Vielleicht sollten sich die Herren mal etwas mehr auf das Theatergeschäft und weniger um ihr eigenes Weingut und Ferienhäuser kümmern. Wohin verschwindet das ganze Geld?

  2. 3.

    Die beliebten Theater am und vom Kurfürstendamm waren doch schon immer ein Dorn im Auge der Kultursenatoren.

  3. 2.

    Fordern und Mi mi mi. Hat ne Tradition bei den Kunstschaffenden in Berlin.

  4. 1.

    Als Martin Woelffer den Vertrag für den Neubau unterschrieben hat muß ihm das Manko doch bekannt., Wer unterschreibt denn einen solchen Mietvertrag, wenn Büros, Werkstatt und Probebühne fehlen! Vielleicht mal nachfragen, dachte er das fällt vom Himmel?

Das könnte Sie auch interessieren

Berlin, 28.02.20: Das Leitungsteam der 70. Berlinale, Mariette Rissenbeek (rechts) und Carlo Chatrian bei der Verleihung des Goldenen Ehrenbären an die Schauspielerin Helen Mirren für ihr Lebenswerk (Quelle: imago images / Dan Yuqi).
www.imago-images.de

Die neue Berlinale-Leitung - Stehempfang statt Partystimmung

Am Sonntag sind zehn Tage Filmfestspiele fast vorbei: Die 70. Berlinale war zugleich die erste Ausgabe nach Dieter Kosslick. Wie hat sich das neue Führungsteam Rissenbeek und Chatrian gemacht? Nadine Kreuzzahler und Anke Burmeister ziehen Bilanz.