Danny Elfman Portrait (Quelle: dpa/Danny Elfman)
Audio: Inforadio | 17.02.2020 | Hans Ackermann | Bild: Invision/AP Photo

Konzertkritik | Danny Elfman im Kammermusiksaal - Jede Menge Bilder auch ohne Film

"Simpsons", "Batman" oder "Desperate Housewives": Für Dutzende Filme und Serien hat Komponist Danny Elfman die Musik geschrieben. Im Kammermusiksaal der Philharmonie bot er am Sonntag allerdings ein ganz anderes Programm. Von Hans Ackermann  

Als Filmkomponist, erzählt Danny Elfman, müsse er mit seiner Musik immer "dem Film dienen". Im Konzertsaal dagegen habe er völlig freie Hand, es gebe "keine Regeln". Elfman ist einer der erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods. Von den "Simpsons" über "Batman", "Desperate Housewives" bis zu "Nightmare before Christmas" - für diese und über 100 weitere Filme und Serien hat der amerikanische Komponist die Musik geschrieben.

Am Sonntagabend hatte er im Kammermusiksaal der Philharmonie allerdings etwas ganz anderes zu bieten. Fünf Sätze hat Elfmans 2018 komponiertes "Klavierquartett" - ein Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker, das vom Philharmonischen Klavierquartett Berlin zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt wird. Das Ensemble besteht - mit dem Cellisten Knut Weber, dem Geiger Luis Esnaola und dem Bratscher Matthew Hunter - aus drei Streichern der Berliner Philharmoniker. Dazu kommt der ebenfalls vorzügliche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Pianist Markus Groh. Er lehrt als Professor an der Berliner Universität der Künste.

Starkes Selbstbewusstsein, starker Klang

Wenn diese vier Musiker das Stück "mit großem Selbstbewußtsein" spielen, sagt Danny Elfman, würden sie zeigen, dass sein Klavierquartett "ihr Stück" sei. Der Kammermusiksaal, in dem Elfman die Musiker am Nachmittag noch bei einer letzten Probe besucht hatte, ist für ihn eine "wundervolle Konzerthalle".

Sämtliche fünf Sätze des Klavierquartetts hat der Komponist mit deutschen Satzbezeichnungen versehen. Die Sätze heißen deshalb unter anderem "Duett für vier", "Die Wolfsjungen" oder "Kinderspott". Die Kindermelodie aus drei Tönen singt  Elfman mit den Silben "NaaNannaNaaNaa" vor und erklärt vergnügt: "Dieses Spottlied singen in den USA alle Kinder. Ich habe aber sicherheitshalber den Cellisten Knut Weber gefragt, ob auch die deutschen Kinder so etwas singen. Und er meinte: 'Ja natürlich!'"

Gesprächskonzert

Der spöttische Kindergesang - den man wohl in der ganzen Welt kennt - wird im zweiten Satz des Quartetts nach allen Regeln der Kunst variiert. Die Geschichte dazu erzählt Danny Elfman am Abend dann auch nochmal vor mehreren Hundert Zuschauern. Sie haben sich schon eine gute Stunde vor dem Konzert im Saal eingefunden. Auch die Musiker sind schon auf der Bühne und genießen den witzigen Dialog mit dem 1953 in Los Angeles geboren Komponisten. Pro Jahr schreibe er "Musik für einen bis zwei Filme", erzählt Elfman dem Publikum, dazu seit mehr als zehn Jahren auch stets ein großes Werk für den Konzertsaal. Darunter das "Violinkonzert" aus dem Jahr 2017,  das "Klavierquartett", und jetzt im Sommer wird er in London ein neues "Konzert für Schlagzeug und Orchester" uraufführen.

Vorbild Schostakowitsch

Mit der "Seele der russischen Komponisten" fühlt sich Danny Elfmann, wie er sagt, besonders "eng verbunden". Sein Klavierquartett erinnert deshalb nicht zufällig an die Musik von Dmitri Schostakowitsch. Elfmans Verehrung für den russischen Komponisten geht so weit, dass er in jedem seiner Werke die Initialen "D S C H" versteckt. Wo genau, in welchem Satz diese Kombination der vier Töne "d", "es", "c" und "h" im Klavierquartett zu hören ist, will der im besten Sinne "verspielte" Komponist nicht verraten - das müsse man schon selbst heraushören.

Mit Elfmans Kammermusik, die von Klavierquartetten des britischen Komponisten Frank Bridge und dem kolossalen Op. 25 von Johannes Brahms umrahmt wird, beschert das Philharmonische Klavierquartett Berlin dem Kammermusiksaal schon im Februar einen Höhepunkt - der im laufenden Jahr kaum noch zu übertreffen sein wird - Konzertmusik, die bei allen drei Komponisten des Abends auch ohne Film jede Menge Bilder erzeugt. Danny Elfman bekommt vor der Pause riesigen Beifall, nachdem ihn die vier Musiker in einer schönen Geste nach der Aufführung seines Quartetts wieder zu sich auf das Podium geholt hatten. Gesprächskonzerte dieser Art, am liebsten mit genau diesem Komponisten, sollten in der Philharmonie viel öfter stattfinden.

Sendung: Inforadio, 17.02.2020, 7.50 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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