Konzert von Efterklang im Berliner Admiralspalast am 10.02.2020. (Quelle: imago images/C. Thesing)
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Audio: Inforadio | 11.02.2020 | Hans Ackermann | Bild: imago images/C. Thesing

Konzertkritik | Efterklang im Admiralspalast - Dänischer Wohlklang mit butterweichen Konsonanten

Die dänische Band Efterklang sang bislang auf Englisch, wechselt auf ihrem aktuellen Album aber in ihre Muttersprache. Was das nun alles musikalisch zu bedeuten hat, fasst Hans Ackermann, der Efterklang im Admiralspalast gesehen hat, zusammen.

Mit dem Song "Supertanker" beginnt der Abend. Sänger Casper Clausen schaut darin einem riesigen Schiff beim Ablegen zu - in was für ein schönes Wort sich "Supertanker" doch verwandelt, wenn man es in einen dänischen Text eingebettet hört.

Dänisch statt Englisch

Gegründet im Jahr 2000, haben Efterklang -  was soviel wie "Nachklang" bedeutet -  ihre Lieder bisher auf Englisch gesungen. Erst seit kurzer Zeit textet Clausen nun in seiner Muttersprache. Neun dänische Lieder finden sich auf dem neuen Album "Altid sammen". Der Song, der dort vom Blick in zwei Augen handelt, heißt nun nicht mehr "In your eyes", sondern "I dine øjne" - was beim Hören mindestens genauso schön klingt.

Mit ihren dänischen Texten findet die Band besser zu sich selbst. Mit dieser Wandlung sind die drei Musiker aber auch ein Wagnis eingegangen. Schließlich will man überall auf der Welt verstanden werden, auch in New York, Toronto oder Seattle, wo die Band im nächsten Monat bei ihrer Welt-Tournee spielen wird.

Die Band Efterklang im Admiralspalast in Berlin Mitte. (Quelle: rbb/H. Ackermann)
Bild: rbb/H. Ackermann

Falscher Alarm

Hier in Berlin stehen nach gut 45 Minuten tatsächlich etwa zehn nebeneinander sitzende Zuhörer auf. Verlässt diese Gruppe jetzt etwa geschlossen das Konzert? Falscher Alarm, denn die Fans klettern schnurstracks auf die Bühne. Dort scharen sie sich im Halbkreis um den Sänger und singen mit ihm zusammen "Hold mine haender" - ein Höhepunkt des Abends.

Das gemeinsame Singen auf der Bühne passiert natürlich nicht zufällig. Vor jedem Konzert ermuntert die Band im Internet ihre Fans, Gruppen von mindestens fünf Sängern zu bilden, und sich per E-Mail für einen solchen gemeinsamen Bühnenauftritt anzumelden.

Zusammenkommen, sich an den Händen halten, womöglich ein Stück gemeinsame "Unendlichkeit" schaffen. Davon handelt  später das Lied "Vi er unendlig". Auf Dänisch gesungen, beweist es noch einmal eindrucksvoll,  dass diese Sprache wie geschaffen ist für die Musik.

Butterweiche Konsonanten

Mit butterweichen Konsonanten, die man zwar aufschreibt, aber beim Sprechen und Singen gerne weglässt. So wie die beiden Buchstaben "d" und "g". Im  Ortsnamen Sönderborg entfallen sie vollständig und verwandeln die süddänische Heimatstadt der Band in "Söhnaboh"  - was wirklich viel schöner klingt. Und als Beispiel dienen kann, für den Unterschied zum eindeutig härter klingenden Deutsch.

Schade für die Musiker, dass dieses in jeder Hinsicht gelungene Konzert den Saal im Admiralspalast nur zu etwa zwei Dritteln füllen kann und ganze Sitzreihen leer bleiben. So viel dänischen Gesang, den der vorzügliche Sänger Casper Clausen oft mit hoher Kopfstimme vorträgt,  gibt es in Berlin sicher so schnell nicht wieder.

Sendung: Inforadio, 11.02.2020, 07.55 Uhr

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