Der me Collectors Room Berlin. Im Zentrum der "Moving energies" (Energieflüsse) genannten Ausstellung steht eine Rekonstruktion privater Arbeitsräumen des Sammlers Thomas Olbricht (Quelle: dpa/Gerd Roth)
Audio: rbbKultur | 26.02.2020 | Carmen Gräf | Bild: dpa/Gerd Roth

Zehn Jahre Me Collectors Room Berlin - "In der Kunst gibt es für mich keine Grenzen"

Thomas Olbricht sammelt Spielzeugautos und skurrile Objekte genauso wie Gemälde von Gerhard Richter - und zeigt sie in seinem Me Collectors Room in Berlin-Mitte. Nun feiert das Ausstellungshaus Jubiläum. Von Carmen Gräf

Gleich neben dem Treppenaufgang hängt es, in der Kunst- und Wunderkammer des Me Collectors Room: ein präpariertes und prächtiges Nilkrokodil. "Ein Krokodil hat Energie und Mut", sagt Thomas Olbricht. Eigenschaften, von denen man früher glaubte, dass sie sich auf den Menschen übertragen ließen. Das Tier hing einst in einer Apotheke.

Die Energie des Krokodils braucht Olbricht nicht. Er sprüht vor Begeisterung, wenn er über Kunst redet. Dass er über 70 ist, glaubt ihm keiner. Er wirkt mindestens 15 Jahre jünger, wenn er mit federnden Schritten durch den Me Collectors Room streift - sein Ausstellungshaus in der Auguststraße in Berlin-Mitte.

Es fing mit Briefmarken an

Seit Olbricht denken kann, sammelt er. Mit fünf Jahren fing er damit systematisch an. Zuerst waren es Briefmarken, später Modellautos. Es kamen Bilder, Skulpturen, Fotos und Videos hinzu. Er legt sich weder auf Epochen noch auf Stile fest. Er sammelt afrikanische Holzskulpturen, romantische Landschaftsmalereien, französische Jugendstilvasen, Designermöbel, Fotografien von Cindy Sherman, Bilder von Gerhard Richter, Anselm Kiefer, Katharina Grosse und unzähligen anderen Künstlerinnen und Künstlern. Aber auch Skurriles, Abseitiges und Morbides: etwa ein höfisches Trinkgefäß in Form eines Schiffes, ein überdimensionales Vagina-Bild oder eine Skulptur aus Mäuseschädeln. Weit über 4.000 Werke sind zusammengekommen.

Thomas Olbricht definiert Kunst großzügig und integrativ. Für ihn gibt es keine strikte Trennung zum Kunsthandwerk. Ein präpariertes Krokodil ist für ihn genauso ein Kunstwerk wie eine Skulptur, ein Bild oder eine Videoarbeit.

Energie aus Stilen, Epochen, Genres und Objekten

Mit der Kunst ist er schon sehr früh in Kontakt gekommen. Er gehört zu den Erben des Körperpflege-Konzerns Wella, hat aber beruflich zunächst andere Wege eingeschlagen: als Arzt und Chemiker.

Die Kunst ließ ihn jedoch nicht los. Thomas Olbricht wollte sie aber nicht länger für sich haben, sondern den Menschen zeigen. Deshalb eröffnete er vor zehn Jahren den Me Collectors Room in der Auguststraße. Gut 1.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche verbergen sich hinter der hohen Glasfassade. "Me" steht für "Moving Energies" - Energieflüsse, die sich aus dem Zusammenspiel verschiedenster Stile, Epochen, Genres und Objekte ergeben.

Mehr als eine Wunderkammer

Eigenwillige Adresse im Berliner Kulturbetrieb

Olbricht zeigt dort aber nicht nur Werke aus seiner Sammlung, sondern auch aus vielen anderen. Um auch andere Sehgewohnheiten zu präsentieren, sagt er. Das habe ihn schon immer interessiert, wie beispielsweise Werke aus dem arabischen Raum. Gern auch im Vergleich mit Arbeiten aus Deutschland wie in der letzten Ausstellung "Transverse Wave" mit Mary Bauermeister, Rashid Al Khalifa und Sounddesign von Simon Stockhausen. "Und wichtig war für mich, dass ich die Menschen, die hierher kommen, bewege", betont er. "Sei es, indem sie sagen, gefällt mir gar nicht oder noch schlimmer oder super - irgendwas, einfach nur anregen."

Alles, was aus der Kreativität des Menschen entsteht, ist für mich Kunst.

Thomas Olbricht, Sammler

Der Me Collectors Room ist eine feste Institution im Berliner Kulturbetrieb geworden. Eine eigenwillige Adresse, abseits der weltweiten Blockbuster-Ausstellungen, die Massen anlocken mit Werken, die jeder kennt: etwa von Picasso, van Gogh oder Monet. Neben Christian Boros mit seinem Kunst-Bunker und Julia Stoschek mit ihrer Video-Kollektion gehört Thomas Olbricht zu den bedeutendsten Kunst-Mäzenen der Stadt. Bereits 41 Ausstellungen hat sein Haus bisher gezeigt.

Wie Olbricht mit seiner Kunst zu Hause lebt

Der 70-Jährige meint, dass von der Kunst ein starker Energiefluss ausgeht. Die Jubiläumsausstellung zum zehnjährigen Bestehen des Me Collectors Room heißt "Moving Energies". Dafür wurden in der großen Halle zwei Räume aufgebaut, die daran erinnern, wie Thomas Olbricht mit seiner Kunst zu Hause lebt. Neben Werken von Gerhard Richter, Katharina Grosse, Anselm Kiefer, Ernst Wilhelm Nay, Dana Schutz und anderen steht Olbrichts Sammlung von Feuerwehrautos. Kunst? "Eine Grenze gibt es für mich nicht", sagt der Sammler. "Alles, was aus der Kreativität des Menschen entsteht, ist für mich Kunst."

Sendung: rbbKultur, 26.02.2020, 19:04 Uhr

Beitrag von Carmen Gräf

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