Dani Levy nimmt am 20.09.2019 bei der Jubiläumsparty 25 Jahre Radialsystem teil (Quelle: imago images/Future Image)
Audio: Inforadio | 03.03.2020 | Interview mit Dani Levy | Bild: imago images/Future Image

Interview | Regisseur Dani Levy über "Die Känguru-Chroniken" - "Für Marc-Uwe Kling ist das Känguru real"

Am Donnerstag kommen "Die Känguru-Chroniken" ins Kino. Im Interview spricht Regisseur Dani Levy über die Zusammenarbeit mit dem Autor Marc-Uwe Kling - und welchen Einfluss seine Kinder auf seine Arbeit hatten.

rbb: Dani Levy, Ihre Kinder haben Sie dazu gebracht, "Die Känguru-Chroniken" zu verfilmen. Stimmt das?

Dani Levy: Ja, das stimmt. Es fing mit meiner Tochter an, als sie vielleicht 15 oder 16 Jahre alt war. Ob in der Schule oder im Kiez – überall haben die Kinder, egal ob Mädchen oder Jungs, angefangen, "Die Känguru-Chroniken" zu hören. Mein Sohn ist jetzt 13 und hört es auch schon seit ein paar Jahren. Es war eine Dauerbeschallung bei uns im Kinderzimmer. Ich dachte, nachdem wir Rufus Beck und Harry Potter durch hatten, ist Schluss mit dieser Dauerbeschallung. Dann kam Marc-Uwe Kling und zog nicht mehr aus.

Hatten Sie Vorbehalte?

Meine Kinder haben das erstmal für sich entdeckt. Das war für sie reiner Kinderstoff. Ich habe mal zugehört und gefragt, ob sie es verstehen, wenn über kapitalistische Weltordnung oder bürgerliche Kategorien gesprochen wird. Sie bejahten es und ich habe gemerkt, dass sie sich mit Spaß und Neugierde durch diese Geschichten bewegen. Natürlich verstehen sie nicht alles, aber sie hatten einfach einen Riesenspaß, das verstehen zu wollen. Sie haben natürlich auch Dinge nachgefragt. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: So stark gemeinsam haben wir die Geschichten nicht gehört - bis zu dem Moment, wo ich angefangen habe, mit diesem Film zu tun zu haben.

Für meine Kinder war das natürlich der erste vernünftige Film, den Papa macht. Ich hätte das Angebot gar nicht ablehnen können. Das war für sie ein Volltreffer. Sie meinten: Eigentlich machst du einen Film für uns. Dann habe ich öfter mit ihnen gemeinsam "Die Känguru-Chroniken" gehört und mit ihnen darüber gesprochen. Aber der Hauptaustausch fand natürlich mit Marc-Uwe Kling statt.

Wie haben Sie sich den "Känguru-Chroniken" genähert: auf eine erwachsenere Art? Oder sind Sie mit einer verspielteren Art daran gegangen?

Marc-Uwe Kling als Hüter des Grals hat mich in sein Heiligtum hereingelassen. Es ging um seinen Schatz. Das war eine klare Ansage von ihm, die ich am Anfang nicht unkompliziert fand, aber über die lange Strecke, die wir gemeinsam gegangen sind, immer besser verstehen konnte. Die Ansage war auch ganz klar, dass er das Drehbuch schreibt: "Ich brauche zwar auf jeden Fall einen Regisseur, mit dem ich mich dramaturgisch beraten kann. Aber alles was Dialoge, Tonalität, Atmosphäre, die Art, wie die Figuren denken und sprechen, angeht, das ist meine Handschrift und die Handschrift soll zu 100 Prozent certified Marc-Uwe Kling sein." Für mich als Autoren-Regisseur, der seine Stoffe immer selber schreibt, war das eine Umgewöhnung. Wir haben fast eineinhalb Jahre am Buch gearbeitet. Es war eigentlich eine sehr schöne Zeit, weil es für mich eine Entlastung war, dass der Ursprungsautor dafür sorgt, dass der Film in seinem Kosmos richtig sitzt.

Wie haben Sie sich einbringen können?

Meine Aufgabe war es, mit Marc-Uwe Kling einen Weg zu suchen, dass genügend aus den Büchern im Film vorkommt, dass es eine Filmgeschichte ist, die ins Kino gehört. Das Schönste an der Zusammenarbeit war, einen übergeordneten Plott zu finden, der in den Büchern nicht drin ist, der aber den Ton der Bücher trifft. Das hat schon ein bisschen gedauert. Als das Drehbuch abgeschlossen war, war ich mit der Filmherstellung allein. Marc saß beim Drehen nicht auf meinem Schoß. Wir haben zwar gemeinsam die Schauspieler besetzt, aber die Filmregie habe ich natürlich alleine gemacht.

Was ich besonders reizvoll an den "Känguru-Chroniken" finde, ist diese Fight-Club-Geschichte, dieses Schizophrene. Ist das für Sie auch reizvoll?

Marc-Uwe Kling und das Känguru sind eine Art schizophrene Persönlichkeit. Das Känguru lebt die Seiten von Marc-Uwe aus, die er nicht hat, und umgekehrt. Diese Hassliebe zwischen dem Känguru und Marc-Uwe gehörte für mich dazu. Wenn man mit dem Autor Marc-Uwe darüber spricht, will er davon gar nichts hören. Er will nichts Psychoanalytisches hören oder warum er das Känguru entwickelt hat. Für ihn ist das Känguru real, das wohnt jetzt mit diesem Kleinkünstler zusammen, so wie er eben auch mal Kleinkünstler war. Vermutlich hat bei ihm auch ein Känguru mitgewohnt, das kann man immer nicht so richtig nachprüfen. Aber letztendlich wollte er dieses ganze Thema überhaupt nicht auftun.

Man hätte den Film viel stärker mit dieser These aufbauen können. Aber er wollte über die Existenz des Kängurus kein einziges Wort verlieren. Der einzige, der die Existenz des Kängurus anzweifelt, ist ironischerweise der Psychoanalytiker. Ansonsten gehört das Känguru in diese Welt und fällt auch nicht weiter auf, weder auf der Straße noch im Haus. Das Känguru ist ein absolut normaler Bürger. Das war von Anfang an seine Prämisse. Daran hält er fest, und das ist auch völlig korrekt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Dani Levy führte Alexander Soyez, Inforadio.

Bei dem Text handelt es sich um eine redigierte und gekürzte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: Inforadio, 03.03.2020, 10:45 Uhr

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