Ausschnitt "Die Känguru Chroniken" (Bild: X-Filme, X-Verleih)
Video: Abendschau | 03.03.2020 | Petra Gute | Bild: X-Filme, X-Verleih

"Die Känguru-Chroniken" ab 5. März im Kino - Viele Pointen machen noch keinen guten Film

Von der "Fritz"-Comedy über Buch, Hörspiel, Lesung und Podcast jetzt zum eigenen Kinofilm. Mit den "Känguru-Chroniken" bringt Regisseur Dani Levy Berlins berühmtestes Beuteltier auf die große Leinwand. Von Anna Wollner

Selbst für Berliner Verhältnisse ist das ein ungewöhnlicher und vor allem skurriler Moment: Es klingelt an der Tür und dann steht da einfach ein kommunistisches Känguru, es behauptet der neue Nachbar zu sein, wolle gerade Eierkuchen backen und habe vergessen Eier zu kaufen. Kleinkünstler und Dauer-Schlafanzugträger Marc-Uwe Kling ist gerade mit vier Eiern im Karton aus der Küche zurück - da fällt dem Känguru ein, auch weder Schneebesen, Milch, Mehl und ganz zu schweigen einen Herd zu besitzen. Kurzerhand zieht es mit Sack und Pack bei Kling ein und bietet ihm auch noch direkt das "Du" an. Jetzt, wo man schon zusammenwohne.

Die Fans der "Känguru-Chroniken" von Marc-Uwe Kling, die 2008 erstmals als Printversion erschienen, kennen diesen Moment natürlich. Und die sind es auch, die vermutlich am ehesten die Leinwand-Adaption sehen wollen. Es ist also vertrautes Terrain, das Dani Levy hier mit seinem Cast auf die große Leinwand bringt. Marc-Uwe Kling selbst fungiert als Erzähler und Voice-Coach vom Känguru - er wurde wegen mangelnden Talents (attestiert vom Känguru) von Maxim Gorki-Ensemblemitglied Dimitrji Schad ersetzt. Als Schluffi in Schlafanzug, Bademantel und Hausschuhen.

Känguru-Humor par excellence

Das erste Kennenlernen und Beschnuppern, der Wunsch nach Eierkuchen, fehlenden Eiern, fehlendem Mehl, Pfanne und Herd führt nicht nur zur ungewöhnlichen und sehr einseitigen Zweck-WG, sondern auch immer wieder zu humorvollen Diskussionen zwischen dem Känguru und Marc-Uwe Kling. Der Humor des Kängurus ist dabei speziell. Die einen (vornehmlich Studenten-WGs, in denen die "Känguru-Chroniken" Bestseller der Klolektüre sind) lieben ihn, die anderen - naja, hassen ist vielleicht ein zu starkes Wort - lachen einfach nicht.

Die verfilmten "Känguru-Chroniken" bleiben immer eng an der Buchvorlage: Viele Episoden und hitzige Diskussionen sind übernommen, zum Beispiel die Frage, welche Hunderasse man wohl am weitesten treten kann. Die (un-)erfreuliche Antwort: Nazihunde. Die Szene wird komplett im Görlitzer Park durchgespielt. Der Wortwitz der Bücher blitzt dabei oft durch. Egal ob "Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot" oder "Mein, Dein, das sind doch bürgerliche Kategorien" - die Punchlines des Kängurus sind vorhanden und sitzen.

Meta-Film, der Pointen aneinanderreiht

Dabei will "Die Känguru-Chroniken" auch immer ein Meta-Film sein. Die Klärung der Eckdaten, wann man denn am besten mit der Erzählung anfange, mündet im ersten Disput zwischen Känguru und Erzähler. Immer wieder zitiert der Film andere Kultfilme wie "Pulp Fiction" oder "Fight Club" und tobt sich in der popkulturellen Spielwiese aus. Ein Effekt, der schnell verpufft, denn sie haben keine Funktion und bringen die eigentliche Geschichte immer wieder ins Stottern. Denn an der hapert es - sie ist viel zu groß gegriffen.

Viele Pointen machen am Ende noch keinen guten Film. Dani Levy als Regisseur und Marc-Uwe Kling als Drehbuchautor verlassen sich zu sehr auf die humoristische Strahlkraft des Kängurus und hetzen holpernd von einem lustigen Moment zum nächsten. Der Kiez in Kreuzberg ist bedroht, der rechtskonservative AzD-Politiker Dwigs (Alternative zur Demokratie) will die Wohnhäuser abreißen und angelehnt an Donald Trump einen Dwigs-Tower errichten. Kling und das Känguru müssen mit der Hilfe der Nachbarn und Kiezgrößen eben das verhindern. Gentrifizierung, AfD, Kapitalismuskritik, eine Handvoll zerstörter Porsche - weniger wäre hier manchmal mehr gewesen.

Die Animation fügt sich nahtlos ein

Und was ist mit dem Känguru werden sich jetzt viele fragen? Das spielt, als gebe es kein Morgen. Oder lässt vielmehr spielen. Dani Levy bezeichnete das Projekt als deutsches Paddington. Nur eben nicht kindertauglich. Denn selbstverständlich wurde nach einem sehr langen erfolglosen Casting das Känguru in den Film hineinanimiert. Frame für Frame, Bild für Bild. Und was – gerade im deutschen Kino – schnell in die Hose gehen kann, erweist sich als Glücksgriff. Das Känguru fügt sich in sein natürliches Habitat Berlin-Kreuzberg fast nahtlos ein. Nach wenigen Minuten ist vollkommen vergessen, dass ein Känguru im deutschen Film doch eher ein Fremdkörper ist. Was in keiner Sekunde die Leistungen von Dimitrji Schaad und seinen menschlichen Mitstreitern um Rosalie Thomass, Henry Hübchen oder Daniel Zillmann schmälern soll.

Ob es einen zweiten Teil geben wird, ist allerdings noch offen. Das Känguru habe sich am Set als Diva entpuppt, hat Dimitri Schad im Interview erzählt. Seinen Wohnwagen annektiert und der Crew mit seinen Sonderwünschen das Leben zur Hölle gemacht. Hier könne für Crew und Cast nur eine Sache dieses Trauma überwinden: Geld! Und das steht im schweren Gegensatz zum antikapitalistischen Grundverständnis des Kängurus.

Sendung: zibb, 03.03.2020, 18:30 Uhr

Beitrag von Anne Wollner

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich fand die Chroniken schon immer total langweilig. Scheint wohl nur für eine bestimmte Zielgruppe interessant zu sein. "der rechtskonservative AzD-Politiker Dwigs (Alternative zur Demokratie)". Gähn.

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