06.03.2020, Berlin: Deichkind treten in der Max-Schmeling-Halle auf (Quelle: imago-images/Roland Owsnitzki).
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Audio: Inforadio | 07.03.2020 | Simon Brauer | Bild: www.imago-images.de

Konzertkritik | Deichkind in Berlin - Zwischen Party-Krawall und Pop-Art

Vor 20 Jahren waren Deichkind nur eine weitere deutsche Hip-Hop-Band. Heute sind sie ein Gesamtkunstwerk aus Systemkritik, Dadaismus und Bier. Ihre Konzerte gehören angeblich zu den besten unter deutschen Künstlern. Simon Brauer bekam in Berlin die Bestätigung.

"Wer sagt denn das?" So lautet der Titel des aktuellen Albums der Hamburger Hip-Hop-Elektropunk-Band Deichkind. Wobei das Wörtchen "Band" ein wenig in die Irre führt: Echte Instrumente gibt es an diesem Abend in der Berliner Max-Schmeling-Halle nicht zu sehen.

Die Bühne ist meistens minimalistisch leer, denn Deichkind brauchen Platz für die vielen Tanz-Choreografien des Abends. Jeder Song ist durchinszeniert, mit wechselnden Kostümen und wechselnder Besetzung. Meistens sind die Deichkinder zu siebt auf der Bühne. Wer wann singt und wer nur tanzt, ist schnell egal.

"Kein Bier für Nazis"

Ballett, Aerobic, Ausdruckstanz: Deichkind schonen sich nicht bei ihrer körperlichen Ertüchtigung – ebenso wenig wie die knapp 12.000 Fans in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle. Die tanzen selbst zwischen den Pommes- und Bierständen zu den Hits aus 23 Jahren Bandgeschichte. Wer aber nur beseelt in seinen Bierbecher guckt, verpasst die einzigartigen Kostüme und Requisiten von Deichkind: sonderbare Sockenmonster, leuchtende Pyramidenhelme und synchronspringende Frauen auf Trampolinen.

Die neuen Songinszenierungen reihen sich wunderbar ein in das, was ältere Deichkind-Fans schon kennen: lauten, wummernden Bass. Zwischen Party-Krawall und Pop-Art finden die Deichkinder aber auch noch die Zeit für eine politische Nachricht. Sie schwenken eine Fahne mit der Aufschrift "Kein Bier für Nazis".

Kindergeburtstag für Erwachsene

Nach knapp drei Stunden steigt dann das Finale mit Deichkinds wohl größtem Hit. Zu "Remmidemmi" wirft die Band nochmal alles auf die Bühne: eine Hüpfburg, einen übergroßen Kothaufen-Emoji und eine Abrissbirne, auf der ein Bandmitglied hin und her schaukelt.

Nicht zu vergessen das traditionelle Schlauchboot, in dem sich ein weiteres Mitglied der Deichkind-Familie von den begeisterten Fans durch die Halle tragen lässt. Deichkind live in Berlin? - Ein Kindergeburtstag für Erwachsene, eine Avantgarde-Performance und: leider geil.

Sendung: Inforadio, 07.03.2020, 9.55 Uhr

Beitrag von Simon Brauer

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3 Kommentare

  1. 3.

    Nein, es war ein - zugegebenermaßen sehr gutes - Double.
    Habe nahe an der Bühne gestanden und den Herrn ohne sein Tuch vor dem Gesicht gesehen.

  2. 2.

    Das Konzert hatte jede Menge Spaß gemacht. Leider war der Sound an verschiedenen Stellen in der Halle nicht gut abgemischt. Das habe ich schon deutlich besser gehört (auch bei Deichkind in der Max-Schmeling-Halle).

  3. 1.

    FYI:
    Das 'weitere Mitglied der Deichkind-Familie', das im Schlauchboot durch die Halle getragen wurde, war an diesem Abend niemand Geringeres als Lars Eidinger himself.

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