James Blunt. (Quelle: imago images/SVEN SIMON)
Audio: Inforadio | 10.03.2020 | Magdalena Bienert | Bild: imago images/SVEN SIMON

Konzertkritik | James Blunt in der Arena am Ostbahnhof - Bloß keine gute Laune aufkommen lassen

Vom Soldaten zum Popstar – James Blunt hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nun ist der britische Sänger wieder auf großer Welttournee und machte dabei am Montagabend auch Halt in Berlin. Ein leichtfüßiges Popkonzert sieht anders aus, findet Magdalena Bienert.

Mit langsamen Schritten kommt James Blunt zu den Klängen von "How it feels to be alive" auf die Bühne. Seine Gitarre hängt ihm lässig am Rücken. Wow, er beginnt sein Konzert tatsächlich mit einem Lied, in dem er sein eigenes Ableben besingt! Wie mutig. Auf diesen Song vom aktuellen Album folgt "Smoke Signals" von 2014 – darin fragt sich der Brite, warum er auf der einsamen Klippe hoch oben nicht erhört werde: "Ich werde hier ohne dich sterben", singt Blunt. Ein lebensbejahender Konzertauftakt sieht definitiv anders aus.

"Hallo Berlin, wie geht’s?"

Zum Glück ruft Blunt nach den zwei Downern "Hallo Berlin, wie geht's?" Und sofort springen seine Fans im Innenraum von den Stühlen, dankbar für ein fröhliches Lächeln ihres Stars und für die Uptempo-Nummer "The Truth" - auch ein neuer Song vom sechsten, aktuellen Album "Once upon a mind". Dies sei sein ehrlichstes Album, sagte Blunt in mehreren Interviews.

Was klingt wie eine Floskel, nimmt man dem 46-Jährigen aber ab - man kennt die Geschichte seines schwerkranken Vaters (leidet an einer chronischen Nierenkrankheit, kürzlich wurde endlich eine Spenderniere gefunden, Anm.d.Red). Aber: Wer achtet schon penibel auf Texte, wenn nur der Beat stimmt. Bei "High" oder "Wisemen" klatschen tausende Hände, simulieren Handylampen einen Sternenhimmel und ersetzt das überwiegend weibliche Publikum mit viel Herzblut die fehlenden Backgroundsängerinnen.

Statt Romantik nur Herzschmerz

James Blunt hat noch vier weitere Live-Musiker dabei, die er am Ende freundlich vorstellt. Die Bühne ist überhaupt erstaunlich minimalistisch gehalten. Es gibt keine Deko und nur wenig speziell eingesetzte Videoclips. Der für Humor und Selbstironie bekannte Sänger hält sich auch mit allzu viel Geplauder zurück. Ein paar deutsche Standards, na klar, er lebte schließlich als Kind zwei Jahre in Soest (NRW).

Dann nimmt er die Männer im Saal hoch. Er imitiert sie, wie sie mit verschränkten Armen neben ihren Frauen sitzen und scherzt sinngemäß, dass sie sich wohl heute hier einen romantischen Abend erhofft hätten, dabei singe er ja nur "unglückliche Lieder". Aber jetzt käme etwas Romantisches! Und James Blunt setzt sich ohne Begleitung ans Klavier und stimmt "Goodbye my lover" an, und ob man will oder nicht: der Gänsehaut ist es herzlich egal, ob sie auf verschränkten oder jubelnden Armen zum Vorschein kommt - sie kommt.

Konfetti kann jeder – James Blunt bleibt sich treu

Und dann noch ein Song für seinen Sohn, dann noch einer über die ewige Liebe und nach 70 Minuten der Elektro-Ohrwurm "OK", den Blunt zusammen mit dem deutschen DJ und Produzenten Robin Schulz gemacht hat. Die fast ausverkaufte Halle tanzt ausgelassen. Wäre man jetzt bei einem Coldplay-Konzert, wäre das der Moment für bunte Ballons und Konfetti aus Kanonen. Bei James Blunt aber ist die Devise: Bloß keine gute Laune aufkommen lassen und schnell spielt er, als letztes Lied vor den Zugaben, das bewegende Stück "Monsters".

Zur Abschieds-Ballade für seinen kranken Vater laufen auf der Leinwand alte schwarz-weiß Fotos der Beiden durch. Das ist tatsächlich sehr konsequent von dem nahbaren und sympathischen Sänger, der 90 Minuten lang eine nahezu perfekte Show abliefert.

Beitrag von Magdalena Bienert

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3 Kommentare

  1. 3.

    Hier kommt es auf keine Effekte oder Shows an... James Blunt ist authentisch und sich treu geblieben...
    Das Konzert war genau so wie man es von James Blunt kennt, einfach klasse... Der Gesang ist es auf was es ankommt und nicht was drumherum abläuft...
    Ich war und bin begeistert und kann nur sagen, hoffentlich noch lange weiter so....

  2. 2.

    Die Rezensentin hatte sich wohl ins falsche Konzert verlaufen? Wer erwartet denn ein "leichtfüßiges Popkonzert" bei einem Sänger, der sich, auch in den "ruhigen" Liedern, derart powerful auslebt und mit seiner Band einen derartigen Rockdrive forciert? Gute Laune gab´s jedenfalls genug.
    Übrigens war das Konzert bei weitem nicht ausverkauft. Der komplette Oberrang, für den wir eigentlich Karten hatten, war schwarz abgehängt, das hat die Rezensentin wohl übersehen.

  3. 1.

    Leichtfüßig?, damit haben wir auch nicht gerechnet.Es war hinreißend, rührend und entspannend.Eine glanzvolle Leistung,ohne Pause ca 22 Songs durchzusingen.

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