Szene aus Florentina Holzingers Stück 'Tanz' (Quelle: Sophiensäle/Eva Würdinger)
Audio: Inforadio | 06.03.2020 | Ute Büsing | Bild: Sophiensäle/Eva Würdinger

Kritik | "Tanz" in den Sophiensälen - Romantische Ballettbilder treffen auf Hardcore-Horror

Jugendfrei ist das Stück "Tanz - Eine Sylphidische Träumerei in Stunts" nicht. Aber zirkusnah. Zwei Stunden lang werden Parodien auf gängige Kitsch-, Splatter und Porno-Klischees gezeigt. Und das Publikum? Ist begeistert und lacht lauthals. Von Ute Büsing

Um "Luftgeister" soll es in "Tanz - Eine Sylphidische Träumerei in Stunts" gehen - einem Ballett-Titel entlehnt. So schweben immer wieder Sylphen an Seilen durch das mit Bezügen vollgepackte provokative Körper-Kunstwerk von Florentina Holzinger.

Sie übt Kritik an den strengen disziplinierenden Zurichtungen an der Ballettstange und vermischt die mit Horrorfilm-, Märchenwald- und Trashmotiven. Und das in blutiger Manier, die an den Wiener Aktionskünstler Otto Mühl erinnert. In zwei zerdehnten Stunden werden zunehmend geschundene weibliche Körper zur Schau gestellt.

Die Torturen weden in Live-Video-Großaufnahmen sichtbar

Das Sophiensäle-Publikum ist ebenso begeistert wie die Kritiker, die diesen "Tanz" zum Theatertreffen eingeladen haben. Gefeiert wird die Vermengung klassischer romantischer Ballettbilder und Klänge mit unterhaltsamem Hardcore-Horror. Auf den Showeffekt kommt es an bei der Bühnen-Action, die als klassische Ballettstunde beginnt. Da zeigt die 79-jährige Primaballerina Beatrice Cordua ihren Schützlingen Schrittfolgen und wie das geht: schweben. Sie ist bereits nackt, auch die jungen Tänzerinnen lassen nach und nach die Hüllen fallen. Vaginalinspektionen schließen sich an, der beste Orgasmus wird gelehrt.

Jugendfrei ist die Vorstellung nicht. Aber zirkusnah. An hängenden Motorrädern werden Stunts vorgeführt, die nackten Akteurinnen lassen sich an ihren Haaren hochziehen, schon da sind schwere Haken im Spiel. Als die Action im Fantasywald mit Hexen und Geistern und Gliedmaßen-abtrennenden Wolf angekommen ist, werden einer Tänzerin diese Haken unter die Haut gebohrt und sie wird daran hochgezogen. In Live-Video-Großaufnahme wird die Tortur deutlich sichtbar. Schließlich wird aus Primaballerina Corduas blutüberströmter Vagina eine Ratte herausoperiert und zum bösen Ende wird der Wolf gepfählt.

Das Publikum ist begeistert

Da wird im Publikum laut gelacht. Die schrägen Parodien auf gängige Kitsch-, Splatter- und Porno- Klischees kommen an. Es heißt, das Spektakel an der Schmerzgrenze stelle die Frage nach der Bedeutung des Tanzes. Mag sein. Ich bin froh, als die Zurichtung zu Ende ist.

Beitrag von Ute Büsing

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