Fotoprobe: Die Affen von Marius von Mayenburg an der Schaubühne Berlin. (Quelle: imago images/S. Zeitz)
Video: rbb24 | 13.03.2020 | Christian Titze | Bild: imago images/S. Zeitz

Theaterkritik | "Die Affen" in der Schaubühne - Bitterernstes auf dem Affenfelsen

Marius von Mayenburgs neues Stück "Die Affen" zeigt ihn von einer düstereren Seite als zuletzt. Die Affenbewegungen hat das Ensemble drauf. So richtig zündet die Uraufführung an der Schaubühne aber nicht. Von Fabian Wallmeier

Rupp (Robert Beyer) starrt gedankenschwer ins Halbgrund des Globe-Theaters der Schaubühne. Er ist von einem universellen Welt- und Menschenekel ergriffen. An seiner Frau Sichel (Jenny König), versichert er ihr, liege das nicht - sie sei ihm immer noch die liebste von den Menschen. Aber auch von ihr sei er einfach enttäuscht, denn sie sei je nun mal ein Mensch - und die Menschen seien nun mal "insgesamt zum Kotzen" mit ihrem "wahnsinnigen Stumpfsinn".

Man glaubt noch ein paar Minuten, Marius von Mayenburg hätte wieder eine seiner überkandidelten Volldampfkomödien geschrieben, so wie "Stück Plastik" und "Peng", die er ebenfalls an der Schaubühne uraufgeführt hat. Doch obwohl im Publikum anfangs noch eifrig gegluckst wird, wird schnell klar: Sein neues Stück "Die Affen" ist anders. Von Mayenburg ist es dieses Mal bitterernst.

"Viellicht hats Papa rechts, und wir mussern zuruck"

Dabei bietet die Grundidee des Stücks eigentlich nahrhaften Boden für Slaptstick und Screwball der schmissigsten Art: Rupp bewegt sich langsam aber sicher weg von der menschlichen Zivilisation, rasiert und wäscht sich nicht mehr, fängt an zu zucken und immer verfremdeter zu sprechen. Kurzum: Er wird zum Affen. Seine Frau, seine Tochter (Genija Rykova) und sein Sohn (Mark Waschke) wollen ihn zunächst abhalten - doch schließlich folgen sie ihm.

"Die Affen" hat seine witzigen oder zumindest witzig gemeinten Momente. Doch weder falsche Zähne noch die ins Äffische kippenden Sprachverzerrungen ("Vielleicht hats Papa rechts, und wir mussern zuruck.") lassen Funken springen. Unterm Strich herrscht hier eine für von Mayenburg geradezu düstere Grundstimmung.

Robert Beyer in dem Theaterstück <<Die Affen>>, Regie von Marius von Mayenburg. (Quelle: schaubuehne.de/Arno Declair)

Robert Beyer Affengott!

Die spiegelt sich auch im Spiel wieder: Wie etwa Robert Beyer diesen ersten Affen spielt, ist beeindruckend - und das nicht, weil es besonders lustig wäre. Wenn er auf allen Vieren vom Affenfelsen gleitet und auf die erste Reihe zurast, kann man es vielmehr mit der Angst zu tun bekommen. Auch als später alle vier im Affenfell die Möglichkeiten des Tierischen ausreizen, wirkt das eher bedrohlich.

Von Mayenburg lässt seine vier Schauspielerinnen und Schauspieler über eine Ödnis aus Fels und Asphalt kriechen, auf der Leinwand dahinter werden die Bilder immer apokalyptischer. Er zitiert Rousseau und beschwört eine Welt unmittelbar vor dem Untergang, eine unrettbare "Oma Erde" und eine durch und durch verdorbene Menschheit. Von Mayenburg geht dabei leider sehr plakativ vor - und die eine Schippe, die er drauflegen müsste, um aus der Düsternis eine schmissige Groteske zu machen, lässt er liegen.

Fotoprobe: Die Affen von Marius von Mayenburg, Schaubühne Berlin. (Quelle: dpa/S. Zeitz)

Der Auftakt, der keiner war

Eigentlich sollte dieser Abend der Auftakt zum alljährlichen FIND-Festival sein, dem Festival für internationale neue Dramatik, das in diesem Jahr mit Gastspielen unter anderem von Milo Rau, Tashiki Okada, Edouard Louis und Kirill Serebrennikov besonders vielversprechend aufgestellt war. Doch das musste die Schaubühne kurzfristig absagen - wegen der Vorgaben des Senats im Zeichen der Corona-Krise. Die Premiere von "Die Affen" konnte dagegen stattfinden, weil der Globe mit seinen 270 Plätzen deutlich unter der vorgegebenen Grenze liegt.

Unter diesen Vorzeichen wirkt das Stück nun vielleicht auf eine andere Weise, als es das ohne die Absage getan hätte. Vielleicht hätten mehr lachbereite Zuschauende das Komödiantische in von Mayenburgs Text in den Vordergrund gerückt.

So aber will an diesem Abend mehrheitlich keine große Begeisterung aufkommen. Die dünne Haut der Zivilisation, die im Stück vollständig zerreißt, ist vielleicht kein so großer Spaß-Faktor, wenn täglich die Infiziertenzahl steigt, Toilettenpapier und stilles Wasser in den Supermärkten knapp werden und sich die Corona-Panik noch schneller verbreitet als das Virus selbst.

Vielleicht aber ist "Die Affen" auch einfach kein besonders gutes Stück.

Beitrag von Fabian Wallmeier

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren