Archivbild: Bodo Wartke am 15.07.2018 bei den Burgfestspielen Dreieichenhain. (Quelle: imago images/Peter Hartenfelser)
Video: Inforadio | 27.04.2020 | Hans Ackermann | Bild: imago images/Peter Hartenfelser

Konzertkritik | Bodo Wartke im Livestream - "Voll das Geschenk, heute Abend"

Zur "besten Sendezeit" war am Sonntagabend der Klavierkabarettist Bodo Wartke zu erleben. In einem Wohnzimmerkonzert, das vom Internetportal "TV Noir" über verschiedene soziale Netzwerke ausgestrahlt wurde. Für Hans Ackermann ein Highlight unter den vielen Livestreams.

Ob heute Abend wohl "eine Corona-Strophe" mit dabei sei, hatte ein Zuschauer gerade noch in einem Online-Kommentar gefragt – wenig später stimmt Bodo Wartke sogar ein vollständiges Corona-Lied an. Eine Hymne für einen Helden unserer Tage: "Christian Drosten, der Virologe der Berliner Charité", singt Bodo Wartke hinter seinem Flügel, "Christian Drosten, der alles so erklärt, dass ich es auch versteh', yeah…"

Ein Lied für Christian Drosten

Das Lied für den Virologen habe er eben erst geschrieben, erzählt Wartke, die Zuschauer würden eine "Weltpremiere" erleben. Sie erlebten mit dem Song auch gleich noch den Beweis, wie eindrucksvoll intelligentes, aktuelles und politisches Kabarett im Internet funktionieren kann. Seine Fähigkeiten beim spontanen Reimen führt Bodo Wartke weiter, wenn er sich vom Unverständnis für "Bolsonaro, Trump und all die Pfosten" wieder zurück dichtet zur Bewunderung für den Corona-Helden aus Berlin – "Christian Drosten".

Helge-Schneider-Dimensionen

Anders als auf der Bühne, wo Bodo Wartke gern mit leibhaftigen Zuschauern interagiert, muss er hier in die "trockene" Kamera hineinspielen. Doch unverdrossen und mit verschmitztem Charme singt der gebürtige Hamburger komische Liebeslieder, wie das sehnsüchtige "Dein Duft", oder formuliert mit trockenem Sprachwitz lustige Lebensweisheiten. An manchen Stellen lässt schließlich sogar der Großmeister des Musik-Kabaretts grüßen - wenn Bodo Wartke mit Scat-Gesang und äußerst flüssigem Klavierspiel musikalisch in die Helge-Schneider-Dimension vordringt.

60 Konzerte habe er wegen Corona abgesagt, erzählt Bodo Wartke dem Publikum, das hier auf dem Schirm nach fast zwei Monaten seinen ersten Auftritt miterlebt. Wohl auch beflügelt durch diese künstlerische Befreiung gelingt Bodo Wartke an diesem Abend eines der besten und aufrichtigsten Wohnzimmerkonzerte der vergangenen Wochen.

Eine anrührendes Ende – leider ohne Schluss-Applaus

Ein Konzert, bei dem sich der Kabarettist von der heiteren Seite zeigt, aber auch private Einblicke in seine Gemütslage gewährt. Etwa wenn er mit einem anrührenden Schlaflied für seinen vier Jahre alten Sohn das Programm nach einer guten Stunde beendet.

In diesem Moment kommt dann der große Nachteil aller Internet-Wohnzimmerkonzerte zum Tragen: Nie kann es dort tosenden Schluss-Applaus geben. Das hätte Wartke aber verdient, so bleibt ihm nur der Blick in die Kommentarspalten, in die allein bei Facebook innerhalb dieser einen Stunde mehr als 1.000 Zuschauer Herzen, Blumen, Smileys und allerlei Text-Kommentare eingetragen haben. "Von mir aus könnte er jeden Abend spielen", schreibt einer, eine andere formuliert es sprachlich etwas verknappt, aber genauso zutreffend: "Voll das Geschenk, heute Abend!"

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