Archivbild: Lary (Larissa Sirah Herden) bei einem Benefiz-Festival live in Berlin. (Quelle: imago images)
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Audio: Inforadio | 29.04.2020 | Hendrik Schröder | Bild: imago images

Konzert | Lary im Holzmarkt-"Studio 25" - Kleiner Raum, riesige Stimme

Die Wahlberlinerin Lary ist Schauspielerin und Fernsehjurorin - doch ihre wahre Liebe ist die Musik. Bei ihrem auf Youtube gestreamten Auftritt im Holzmarkt Studio 25 zeigte sich: Große Stimmen funktionieren sogar ohne Publikum. Von Hendrik Schröder

Zu zweit stehen sie in dem kleinen Raum, den die Holzmarkt-Macher und -Macherinnen "Studio 25" nennen und aus dem mittlerweile fast täglich Lesungen und Live-Konzerte über Youtube gestreamt werden.

Gitarrist Max steht bescheiden an der Seite im Halbdunkel. Lary hat den E-Bass um den Hals, das Basecap verkehrt herum aufgesetzt, Lederjacke, kurzer Rock. "Bevor ich hier anfang scheiße zu labern, fangen wir mal an", schnoddert Lary - und los geht's. Ein paar Gitarrensounds vorweg, dann hebt Lary an und: Wow.

Screenshot: Lary beim Live-Auftritt im Holzmarkt 25 Berlin. (Quelle: Youtube)
Bild: Youtube

Großstadtgöre sucht Extreme

Ich hatte viel weniger erwartet, in diesem kleinen Zimmerchen vor den zwei kleinen Kameras. Aber Lary singt groß, hat Volumen, Zärtlichkeit und am schönsten ist es, wenn sie ihre Stimme absichtlich und etwas trotzig ins Kratzen kippen lässt. "Eine Großstadtgöre auf der Suche nach Liebe und Extremen", haben die Kollegen von laut.de sie genannt. Das passt echt. So street-cool und sagen wir, gegenständlich, wie sie redet zwischen den Songs, glaubt man gar nicht, dass Lary auch ein abgeschlossenes Kulturwissenschaftsstudium hat.

Egal, es geht eh nur um die Musik. "Wenn ich Deine Gitarre wäre, würdest Du all meine Saiten lieben", singt Lary über eine offenbar eher suboptimal gelaufene Verbindung - und das ist ein sehr schönes Sprachbild.

Wahre Berlin-Klischees

Nach ein paar Songs erst fällt die ungewöhnliche Instrumentierung auf. E-Gitarre, E-Bass und keinerlei Rythmus-Sektion. Aber Gitarrist Max macht das so gut, dass nichts fehlt und holt zu jedem Song einen neuen Sound aus der Gitarre, mal hallend, mal knarzend.

Zehn Jahre lebt Lary jetzt schon in Berlin, aufgewachsen ist sie in Gelsenkirchen, danach hat sie in New York gewohnt und eher hobbymäßig Musik auf der Straße gemacht. Mittlerweile spielt sie als Schauspielerin bei der Serie "Bad Banks" mit und sitzt als Jurorin in Castingshows im Fernsehen.

Wie sehr Berlin bei all dem Herum-Jetten ihre Heimat geworden ist, verrät auch der eine unveröffentlichte Song, den sie spielt, darin fährt sie im Taxi durch Berlin, in geliehenen Schuhen, mit geklautem Feuerzeug und stürzt sich ohne Kohle aber mit großem Feuer in die Berliner Nacht. Ein derbes Klischee, nimmt man ihr aber ab.

Am Ende des kurzen Konzerts müssen Lary und ihr Gitarrist Max fürchterlich lachen, als das Bild langsam wegfadet. Hoffentlich nicht aus Verlegenheit, denn für so eine kleine Internetshow war das richtig gut.

Beitrag von Hendrik Schröder

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