Das Kreuz kommt zum sonnenuntergang und Windstille aufs Humboldt Forum (Quelle: Imago Images/Peter Meißner)
Bild: Imago Images/Peter Meißner

Installation abgeschlossen - Auf dem Humboldt Forum thront jetzt das Kreuz

Auf die Kuppel des weitgehend fertiggestellten Humboldt Forums in Berlin ist am Freitag das umstrittene Kreuz aufgesetzt worden. Laterne mitsamt Kreuz erhöhen das 644 Millionen Euro teure Kultur- und Ausstellungszentrum um 12 auf 68 Meter.

Unter Beobachtung zahlreicher Schaulustiger vor dem Stadtschloss wurde mit einem Schwerlastkran das 17,4 Tonnen schwere Ensemble aus Balustrade mit acht Engeln sowie Dach aus Palmwedeln mit dem Reichsapfel und dem Kreuz aufgesetzt. Die Arbeiten wurden immer wieder von spontanem Beifall begleitet. Die zunächst für den Morgen geplanten Arbeiten waren wegen der Windverhältnisse auf den Abend verlegt worden.

Kritiker sehen Widerspruch zum Zweck des Gebäudes

Das ursprünglich für die Rekonstruktion des Monarchen-Schlosses nicht eingeplante christliche Symbol wird heftig diskutiert. Kritiker sehen darin ein schlechtes Vorzeichen für völker- und religionsübergreifende Themen wie etwa die Restitutionsdebatte um Objekte mit kolonialem Hintergrund. Der religiöse Anspruch des Kreuzes wird zudem betont durch ein Schriftband um die Kuppel, in dem die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert wird.

Die zunächst für September geplante erste Teileröffnung des Humboldtforums war coronabedingt verschoben worden. Nach drei Eröffnungsetappen soll das Forum bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein. Das 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Sendung: Inforadio, 29.05.2020, 22 Uhr

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36 Kommentare

  1. 36.

    Den zentralen Dissens zwischen den Diskussionsteilnehmenden sehe ich hier darin, dass ein Teil sich ihrer ehrlichen Empfindung stellt und sehr genau weiß, weshalb sie nach Lissabon, Prag, Venedig oder Barcelona fahren - nämlich aufgrund des dort komponierten, unverwechselbaren Ensembles von Bauten dort -, und ein Teil offenbar dies leugnet.

    Die "Linden" können nicht begriffen werden ohne das Brandenburger Tor, was ihr den Abschluss setzt und ohne das Schlossgebäude an ihrem Anfang. Wahllos ist da nichts, komponiert ist alles. Im Zentrum.

  2. 35.

    Sie haben da so recht. Die Staatsleistungen welche die Kirche auch im Osten bekommt werden auch zur gerne vertuscht.

  3. 34.

    Der Palast der Republik war sehr gut geworden. Die Mehrheit der Ostdeutschen wollte ihn zudem behalten.
    Die jetzige Stadtschloss-Attrappe das Palazzo Bonzo ist architektonisch einfach nur Mist. Poltisch höchst verwerflich ist es den Protzbau eines Antisemiten und Völkermörders aufzubauen.

  4. 33.

    Das stimmt nicht so ganz: In der Reihe "Geheimnisvolle Orte" gab es "Das Berliner Stadtschloss", 44 Minuten. Erstmals ausgestrahlt 2010.

    Es gibt auch eine DVD (inklusive 56 Minuten Bonusmaterial) https://www.rbb-online-shop.de/dvd/alle-dvds/1493/geheimnisvolle-orte-das-berliner-stadtschloss-dvd

  5. 32.

    In den vergangenen Jahren bin ich mindestens einmal im Monat am neu entstehenden Schloss vorbeigekommen. Ich habe mich gewundert, dass in den Medien, gerade beim "Hauptstadtsender" RBB so wenig über die Rekonstruktion der Schlossfassaden zu erfahren war. Zur Geschichte des Schlosses gab es nicht eine einzige Dokumentation im RBB Fernsehen zu sehen. Sehr schade. Nun die umfangreiche Auseinandersetzung über das "umstrittene Kreuz". Bei einer weitgehend originalen Wiederherstellung von Fassade und Kuppel führt dass einfache Weglassen von Details wie Kreuz und Spruchband zu einer Verpfuschung des Projektes. Erwachsene Menschen müssten hier zu mehr Differenzierung bereit sein als so zu tun, dass ein modernes Kulturzentrum willkürlich mit einen christlichen Kreuz bekrönt wird. Das Humboldt Forum wird ein moderner Museumsbau umgeben von den historischen Fassaden des alten Schlosses sein. Den Widerspruch, der dabei entsteht, wird man zukünftig aushalten müssen.

  6. 31.

    Das Kreuz und von mir aus auch den Schloss-Neubau kann man kritisieren, aber jetzt den furchtbaren "Palast" der Republik zu glorifizieren, lässt sich mir die Nackenhaare aufstellen. Das kann nicht Ihr Ernst sein. Das Ding war das hässlichste Gebäude der Berliner Mitte, und es zerstörte optisch das gesamte historische Ensemble. Keine Metropole der Welt - ok, vielleicht mit Ausnahme von Bukarest - würde so ein geschmackloses Teil in ihrem repräsentativen Viertel aufstellen oder stehen lassen.

  7. 30.

    Der alte Adel baut sich eine Schlossfassade in Mitte, die Halterung dazu müssen die Steuerbürger zahlen. Reichsbürger wollen einen neuen Kaiser ausrufen. Und die Hohenzollern versuchen in Geheimverhandlungen mit der CDU den Staat ein Mal mehr so richtig abzuzocken. Diese Gemengelage ist gefährlicher als Corona für die gesellschaftlichen Verhältnisse.

  8. 29.

    Stadtklotz mit Christenkreuz und Raubgütern aus Kolonialen Zeiten. Da kommt zusammen was zusammen gehört. Das ist deutsche Kulturgeschichte. Quasi Leidkultur.

  9. 28.

    Es ist schon bezeichnend, dass das, was Sie als spaltend bezeichnen, die Vertreter des Humboldt-Forums als willkommenen Ausdruck von Mehrdeutigkeit sehen.

    Dahinter verbergen sich in der Tat zwei sehr verschiedene Weltbilder:
    1. Meinungsspektren sind von Übel. Mithin dient Kritik nur der Niederwerfung eines politischen Gegners.
    2. Auseinandergehende Meinungen sind immer fruchtbar, soweit Kritik nicht der bewussten Herabsetzung des Gegenübers dient.

    Der vollständige Wortlaut des Spruches lautet übrigens:

    „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

    Christian Stäblein findet den Spruch auf unsere heutige Zeit bezogen problematisch. UND er sieht die Nutzung des Humboldt-Forums als Gegenentwurf. Als Gegenüber-Entwurf.

  10. 27.

    Durch das Schloss und/oder das Kreuz wird Monarchismus gefördert? Geht's auch mal 'ne Nummer kleiner oder muss es immer dieser pseudolinksintellektuelle Jargon sein? Dass sie in Italien das Colosseum nicht abgerissen und Pompeji ausgegraben haben, ist dann wohl Verherrlichung von Sklaverei und Gladiatorenspielen?

  11. 26.

    lch bin weder katholisch, protestantisch, islanisch oder sonst was: dennochk, das Kreuz gehört wieder dort hin, wo es vor hundertenv von Jahren zuerst aufgestellt wurde. Prof- Dr. Dr. Kroll, Deutschamerikaner.

  12. 25.

    Das sehe ich genauso. Es ist ein historischer Fehler, sowohl Monarchismus als auch einseitige Religiosität in dieser Form zu fördern. Dass es keine genaue Rekonstruktion ist, interessiert niemanden wirklich und kann keine Argument sein. Man wird sich heute, innerhalb von Menschenrechten und Demokratie, doch wohl reflektiert dazu verhalten können, ob man ein unkritisches, distanzloses Ansinnen der klerikalfaschistischen Anteile der Gesellschaft umsetzt - oder eben nicht. Auch die Nutzung des Schlosses als vermeintliches Museum ist eine Farce. Kein Museum - weltweit - stellt weitestgehend losgelöst v. Wissenschaft aus. Ganz abgesehen davon, dass die Idee des Museums eine eurozentristische ist. Verklärung von Geschichte, Ablehnen von Verantwortung bzgl. Monarchie, Kolonialismus u. aller angeblich im Namen von Religion begangenen Verbrechen - das können die Ewiggestrigen in ihren Stammtischen herbeisehnen, aber ein pluralistischer, demokratischer Staat hat das nicht zu ermöglichen.

  13. 24.

    Das "Kreuz" ist das Symbol eines Todeskultes und der angebrachte Bibelspruch ist ein Text der Unterdrückung und Unterwerfung, der nach der blutig unterdrückten Revolution von 1848/49 installiert wurde. Passen beide sehr gut zusammen, aber nicht in diese Zeit und nicht in diese Stadt. Das Symbol der Restauration kann weg.

  14. 23.

    Da ich nicht "jeder" bin, sondern nur ein kleiner dummer Kevin, wüsste ich gerne, wer in diesem Falle "man" ist und was sich dieses "man" von der Bevölkerung wünscht. Ich komme beim besten Willen nicht drauf!

  15. 22.

    Und das ist gut so!!!

  16. 21.

    Sie müssen sich das gesamte Gebäude mal ansehen; es existiert auch ein sehr gutes Video. Ich halte die Fusion für gut gelungen und habe gestern per webcam die Kuppelmontage verfolgt. Suchen Sie mal das Fenster an dem Seine Majestität stets saß.

  17. 20.

    Hab einiges tagesaktuell in den Zeitungen gelesen, das Thema polarisiert. Wie sich zeigt, alleine das Spaltende und Ausgrenzende wäre schon ein ausreichender Grund gegen das Kreuz an dieser Stelle gewesen.

    Andreas Nachamas Artikel scheint mir nach wie vor mit der beste Kommentar zum Thema zu sein:

    "Mit dem Kreuz gegen religiöse Vielfalt - Wie das neue Humboldt-Forum zu einem Symbol Berliner Intoleranz wird"

    https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/mit-dem-kreuz-gegen-religioese-vielfalt/

  18. 19.

    Ob das Kreuz und die Inschrift an der Kuppel nun richtig oder Zeitgemäß sind darüber kann man sicher diskutieren aber ich bin froh das dieses Gebäude so wieder dort an genau diesem Platz steht und mich persönlich stört das Kreuz auf der Kuppel ebenso wenig wie der Halbmond an der ein oder anderen Moschee in unserem Land oder der Davidstern an Synagogen . Der gestrige Tag erinnerte mich ein wenig an die Vollendung der Dresdner Frauenkirche im Jahr 2005 und so wie die Frauenkirche ins Zentrum von Dresden gehört so gehört der Nachbau des Berliner Schloss an die Straße " Unter den Linden " ins Berliner Stadtzentrum !! Da ich grundsätzlich kein Freund von halben Sachen bin warte ich gespannt auf den Tag wenn das Humboldforum vollständig öffnet ohne irgendwelche Provisorien ähnlich wie die Verlängerung der U5 für mich erst fertig ist wenn alle neuen Bahnhöfe vollständig in Betrieb sind also auch der Bahnhof Museumsinsel !!

  19. 18.

    Ein schönes Beispiel. Berlin findet sich langsam wieder und kann sich einpendeln auf normal. Das braucht jetzt alles etwas Zeit und Abstand und möglichst wenig rbb...

  20. 17.

    Nicht ein Schloss mitsamt aller seiner Funktionen wird wieder aufgebaut, ein Berlin und vor allem die Straße "Unter den Linden" prägendes Gebäude wird wiedererrichtet. Dazu muss mensch wissen, dass solche Straßen wie die "Linden" immer ihren Anfang und ihr Ende hatten. Das Ende, der Schlusspunkt, das Finale ist das Brandenburger Tor, der Anfang war das seinerzeitige Berliner Schloss. Der Palast der Republik hat architektonisch niemals ein Ersatz dafür sein können, von all seiner Formen-, besser Nicht-Formensprache her.

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