Max Kaus, Zillen und Ziegeleien II, 1931, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum (Quelle: Brücke-Museum, Nick Ash)
Audio: Inforadio | 15.05.2020 | Barbara Wiegand | Bild: Brücke-Museum, Nick Ash

Nach Corona-Schließzeit - Brücke-Museum öffnet wieder mit Werken von Max Kaus

Er war kein Mitglied der Künstlergruppe "Brücke" und malte doch ähnlich expressiv: Und so nahm das kleine Dahlemer Museum eine Schenkung der Witwe zum Anlass, das Ende der Corona-Schließzeit mit Kunst von Max Kaus zu feiern. Von Barbara Wiegand

Türkisblau schimmert im Bildhintergrund das Wasser, auf dem gelblichen Sand davor hockt eine Gruppe von Badenden, die nackten Körper sichtlich von der Sonne gefärbt. 1924 schuf Max Kaus (1891 – 1977) dieses Gemälde auf der Ostsee Insel Vilm. Er liebte es, das Meer zu malen und den Strand, genauso wie Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und andere Maler der Künstlergruppe "Brücke". Deren "Seestücke2 hängen direkt daneben. Zwar gehörte Max Kaus nicht zur "Brücke", war einigen von ihnen aber nahe, als Mensch und Künstler. Mit Erich Heckel etwa verband ihn zeitlebens eine innige Freundschaft, seit die beiden sich im Ersten Weltkrieg beim Dienst als Sanitäter kennengelernt hatten. 

Keine Spontanmalerei

Als Künstler ging Max Kaus allerdings doch anders ans Werk, als Heckel und seine "Brücke"-Kollegen: Direkt am Strand zu malen, wie die Gruppe um Ernst Ludwig Kirchner es gerne mal tat, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Dafür legte er dann doch zuviel Wert auf die Komposition seiner Bilder, die Anordnung der Figuren, erläutert Isabel Fischer. In der von ihr kuratierten Ausstellung ist Max Kaus also unter den Malerfreunden der "Brücke" aber auch für sich.

Zu sehen gibt es einige Selbstportraits, auf denen sich der Berliner Künstler mit skeptischem Blick unter dunklen Brauen in Szene setzt. Oder aber, er hält sich ganz im Hintergrund: Mit Sonnenbrille auf der Nase erscheint er einmal etwa nur als Spiegelbild, während vorne seine dritte Ehefrau Sigrid vor einer rot blühenden Blume sitzt. Sie schenkte das 1975 entstandene Gemälde zusammen mit 19 weiteren Bildern von Max Kaus dem "Brücke"-Museum.

Max Kaus, Liegende Frau mit Katze, 1923, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum (Quelle: Brücke-Museum, Nick Ash)"Liegende Frau mit Katze" von 1923

Ein vielschichtiges Werk

Es sind Werke aus allen Schaffensphasen, die nun zusammen mit anderen aus dem Bestand gezeigt werden – von frühen, noch in dunkleren, aber schon mit dick pastosem Strich gemalten Portraits, über leuchtend expressionistische Szenen, bis hin zu fast abstrakten Gemälden, bei denen Kaus immer durchschimmern lässt, was ihn in der Wirklichkeit inspiriert hat. Im Spätwerk sind es dann wieder großflächige figürliche Malereien, expressiv vor allem in den Farben.

Ein vielschichtiges, sich immer wieder veränderndes Werk, dass doch eines gemeinsam hat: die Bilder sind alle en detail komponiert. Die Zimmer, die er malt, sind akkurat eingerichtet: hier die Vase, dort der Stuhl, das Sofa, auf der die Frau zusammen mit einer Katze ruht.

Die eingangs geschilderten Badenden wirken weniger wie Urlauber, eher wie eine sorgsam postierte Skulpturengruppe. Die bunten Boote im Hafen, die er imposant nebeneinander ankern lässt, sind in einer abstrakteren Variante des Motivs arrangierte Farbfelder.

Es ist diese "durchdachte" Vielschichtigkeit, die die Bilder von Max Kaus vor allem sehenswert machen und es lohnt sich, diese Auftaktausstellung nach wochenlanger Schließzeit zu besuchen.

Sendung: Inforadio, 15.05.2020, 14:55 Uhr

Beitrag von Barbara Wiegand

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