Der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth, Leipzig 2016; © dpa/Hendrik Schmidt
Bild: dpa/Hendrik Schmidt

Im Alter von 89 Jahren - Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben

Der Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding am Donnerstag der DPA mitteilte. Mit seinem Drama "Der Stellvertreter" wurde Hochhuth auch international bekannt.  

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren überraschend in seiner Berliner Wohnung, wie sein Herausgeber Gert Ueding der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag bestätigte.

Hochhuth prägte maßgeblich das sogenannte "dokumentarische Theater", das in den 1960er Jahren entstand. In seinem Debüt "Der Stellvertreter" thematisierte er die Haltung des Vatikans zum Holocaust, damit sorgte er weltweit für Aufruhr und löst eine öffentliche Debatte aus. Hochhuth setzte sich in seinen Werken immer wieder mit dem Nationalsozialismus auseinander.

Recherchen zu "Juristen" führten zu Filbingers Rücktritt

Uraufgeführt wurde "Der Stellvertreter" 1963 an der Freien Volksbühne in Berlin, die Inszenierung übernahm Erwin Piscator.

Auch in anderen Stücken wie "Soldaten, Nekrolog auf Genf" über den englischen Premier Winston Churchill, "Unbefleckte Empfängnis", "Wessis in Weimar" oder "McKinsey kommt" über Massenentlassungen bezog er zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung.

Hochhuths Recherchen zu dem Stück "Juristen" über die Rolle früherer Nazi-Richter in der Bundesrepublik führten 1978 zum Rücktritt des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichters Hans Filbinger. Er veröffentlichte im Laufe seines jahrzehntelangen Schaffens auch Essays und Gedichte.

Theaterstreit mit Peymann

In Berlin stritt Hochhuth jahrelang mit Intendant Claus Peymann um die Nutzung des Berliner Ensembles. Dabei ging es unter anderem um die Untervermietung des früheren Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm an Dritte und um Aufführungsrechte. Hochhuth hatte 1996 über eine Stiftung die Eigentumsrechte an dem Theater übernommen.

Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, würdigte den Verstorbenen am Donnerstag als "überaus streitbaren, politischen Kopf". Das Berliner Ensemble trauere um einen leidenschaftlichen Autor, der sein Leben ganz ohne Frage dem Theater verschrieben habe. Theaterdirektor Martin Woelffer von der Komödie am Kurfürstendamm erinnerte an den Einsatz Hochhuths für den baulichen Erhalt der Kudamm-Bühnen. Im Theater am Kurfürstendamm - damals das Haus der Freien Volksbühne - war 1963 der "Stellvertreter" uraufgeführt worden

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ja, da ist "ein Großer" gegangen. Sicherlich nicht immer einfach, doch streitbar und, vor allem, wachrüttelnd.
    Selber war ich damals bass erstaunt, dass ein Mensch des Theaters und der Kunst es vermochte, einen aus der alten Riege, die Nachkriegswestdeutschland unter sich aufteilte, aus der Regentschaft zu kippen.

    Ludwig Erhard war es kurz davor, der etliche Schriftsteller als "Pinscher" bezeichnete. Damit war ein tiefer Graben markiert.

    Hochhuth war mutig. Auch mit "Wessis in Weimar". Eine politische Neuinszenierung abseits der Kunst geschah dann in Bischofferode mit Kali + Salz als Hauptakteur und Bodo Ramelow als demjenigen, der das Beste für die Betroffenen da noch rausholen konnte. Das ist die Quelle der Anerkennung. Des einen wie des anderen.

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