28.05.2020, Berlin: Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin hält beim Spatenstich für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals, ein Feldermaus-Stofftier in der Hand. (dpa/Pedersen)
Video: Abendschau | 28.05.2020 | M. Ossowski | Bild: dpa/Pedersen

Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal - Grütters setzt symbolischen Spatenstich für die Wippe

Gäbe es den BER nicht, hätte die Wippe den Preis als bizarrste Baustelle Berlins verdient: 2007 wurde der Bau des Einheitsdenkmals beschlossen, doch Finanzierungsstreitigkeiten, Mosaike und Fledermäuse verhinderten ihn. Jetzt ist aber doch der Spatenstich erfolgt.  

Anderthalb Wochen nach dem Beginn der ersten Arbeiten ist der Bau des Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmals nun auch offiziell gestartet. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat am Donnerstag symbolisch den ersten Spatenstich gesetzt. Mit dabei waren auch die Architekten des Siegerentwurfs "Bürger in Bewegung" von Milla Partner.

Der Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmals am Humboldtforum (Bild: imago images/Wolf P. Prange)
Modell des Einheitsdenkmals | Bild: imago images/Wolf P. Prange

Architekten rechnen mit Bauzeit bis Ende 2021

Vor dem rekonstruierten Stadtschloss entsteht das Denkmal in Form einer begehbaren Wippe auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals. Die Kosten liegen bei 17,12 Millionen Euro. Das Architekturbüro rechnet mit einer Errichtung des Denkmals bis Ende 2021.

Von den Ausmaßen her ist das Denkmal mit einer Länge von 50 Metern und einer begehbaren Fläche von 700 Quadratmetern riesig. Die Planer sprechen von einer sozialen Plastik: Die Besucher müssen sich verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen, um etwas zu bewegen: Erst wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens zwanzig Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, soll die Schale sich langsam neigen.

Von Mosaiken und Fledermäusen

Der Bau des Denkmals geht auf einen Bundestagsbeschluss von 2007 zurück. Ursprünglich sollte die "Einheitswippe" zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im vergangenen Herbst eingeweiht werden. Zu Verzögerungen kam es unter anderem wegen des Erhalts von Mosaiken des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals. Auch politisch gab es einige Hürden - 2016 wurde das Vorhaben vorübergehend vom Haushaltsausschuss gestoppt.

Zuletzt verhinderten auch dort lebende Fledermäuse, dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Ende April stimmte die Oberste Naturschutzbehörde von Berlin einem geänderten naturschutzrechtlichen Konzept des Bundes zum Schutz von Wasser- und Zwergfledermäusen zu und erteilte eine Ausnahmegenehmigung für den Bau.

Sendung: Abendschau, 27.05.2020, 19.30 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    und wieder wird ein Platz in Berlin Verschandelt, na ja in Berlin ist das ja nicht's Neues
    Was für Architekten die sowas Entwerfen aber auch hier nichts Neues ,als ob nicht genug Schrottbauten in Berlin Stehen
    man sehe sich nur den Kuhdamm an .

  2. 33.

    Wieder Milla & Partner GmbH. Wenn man sich die Referenzen von Milla & Partner GmbH ansieht, muss man sich schon fragen, wie es sein kann, dass es bei den schwierigen Ausschreibeverfahren im öffentliche Bereich, dieses Büro immer wieder schafft, diese Aufträge zu erhalten. Klüngel lässt grüßen. Und hier, der Osten wird doch nur verarscht.
    Der alte Thierse mit Spaten, lächerlich.

  3. 32.

    Den Grundgedanken, an die friedliche Revolution '89 zu erinnern und nicht zuletzt an die ehem. DDR-Bürger*innen, finde ich sehr lobenswert und so zentral gelegen und zugänglich auch sehr gut.

    Ich hadere mit dem Konzept, nicht aber mit dem interaktiven Ansatz, der ist wiederum erfrischend und einladend. Wenn lediglich die Kommunikation und das Aushandeln von DDR-Bürger*innen mit (mehr) Demokratieinteresse eine alleinige Rolle gespielt haben sollen, wäre dieses Denkmal eine reduktionistische Sichtweise auf die Revolution. Der Revolution induzierende, politische Komplex bestand u.a. aus Gorbatschows Glasnost und Perestroika, die Unabhängigkeitserklärungen von Ukraine und Weißrussland, die Erfolge der Solidarnosc in Polen, die Annäherungspolitiken von Brandt uam., die desolate ökonomische Lage der Sowjet-Staaten und dann erst den aktivistischen Kräften in der DDR, an denen lediglich eine Minderheit(!) teilhatte. Eine historische Tür, die sich nur kurz öffnete, konnte genutzt werden.

  4. 31.

    Unvorstellbar, dass man dieses Geld in Kitas, marode Schulen und gute Lehrerausbildung gesteckt hätte. Sieg dem Kapitalismus und seiner Denkmale!

  5. 30.

    Fledermäuse und der Ort sind wichtiger als der Inhalt des Erinnerungszeichens. Das Denkmal ist so platt und banal (gemeinsam was bewegen), dass ich es aus Plauener Sicht als Beleidigung empfinde. Ich kann noch nicht mal gratulieren zu einem besser etwas als gar nix. Deutschland kann deutlich mehr.

  6. 29.

    Fürchterlich. Das Nationaldenkmal hätte dort viel besser eingepasst. Diese Wippe wirklich einfach lächerlich!

  7. 28.

    Ein neues, spektakul. Bauprojekt in Berlin ! Nach 22 Jahren (!)Planungszeit, soll es bereits in 1 Jahr (!)- 2021 - fertiggestellt werden - wer´s glaubt ! Ob das angesichts d. unendl. BER.-Geschichte realistisch ist ? Ich rechne - auch wg. der zuversichtl. stimmenden Planungsdauer - eher mit 20-25 Jahren Bauzeit ... Fertigstellung also 2040 ff. Hoffentlich erlebe ich das noch !
    MfG. B.W.

  8. 27.

    und wieder ist keine ostdeutsche Firma an diesem Bau beteilgt.

  9. 26.

    Ich dachte, der Schwachsinn ist vom Tisch. Verschauklungsdenkmal und die Politiker haben wieder was zum Feiern und Beklatschen. Steuerverschwendung.

  10. 25.

    @BerlinBerlinDonnerstag, 28.05.2020 | 11:07 Uhr

    Nur mal aus Interesse, was ist denn daran Unwissenheit? Der PdR wurde also nicht abgerissen? Der ICC ist also gegenüber dem PdR hübsch, ja? Aber genauso Asbestverseucht wie es der PdR war (in der gleichen Zeit gebaut, egal ob Ost oder West, beide haben damals keine Bedenken gegenüber Asbest gehabt). Sie können Hohenzollern und Disney nicht miteinander sinnhaft verbinden? In der Kommentation gabs eine Erklärungen dazu.

    Und West-Berlin? Nunja, sie müssten doch verstehen, dass die Kulturgebäude in Westberlin mehr Zuwendung finden/fanden als im Osten. Der PdR ist nur ein Beispiel dafür. Ich mach es Ihnen mal deutlich: West-Berlin ist/hat eine Inselmentalität entwickelt. Ist auch logisch, gemäß seiner Geschichte...

  11. 24.

    Man konnte auch austreten, man musste nicht bleiben und zum Jammerossi werden.

  12. 23.

    Ein lächerliches Denkmal. Es zementiert ja geradewegs die Probleme anstatt sie aufzulösen. Der Westen kam mit seiner kapitalistischen Heuschreckenwirtschaft, der Osten mit seinem Stasistaat.

    Soll jetzt die Wippe symbolisieren, dass nur das Schlechte von beidem überdauert hat und sich gegenseitig an Schmarn die Waage hält? Na, Prost Mahlzeit!

    Dafür den Lebensraum von Fledermäusen zu zerstören wars echt nicht Wert. Wert wäre es gewesen, wenn an die Probleme erinnert werden würde, die aus der Wiedervereinigung entstanden sind. Meinetwegen auch ein Denkmal der Wiedersehensfreude oder die Freude der ersten Stunde, also Glücksgefühl. Eine Wippe/Waage entspricht genau dem Gegensatz zu Glück. Erzwungenes Beisammensein ohne wirkliche Chancen. Hurra...

  13. 22.

    Wenn ich also eine Verschwörungstheoretikerin wäre, würde ich jetzt behaupten, dass der Corona-Virus uns als Rache der Fledermäuse für den Bau der "Wippe" gesandt worden ist.

  14. 21.

    Hallo Ossi/Berlin, 15:12 Uhr
    "Um uns auf ewig daran zu erinnern, wie wir beim, " Beitritt ", der einzig deshalb so schnell gehen musste, damit Kohl die Bundestagswahl im Herbst 1990 nicht verliert, verschaukelt wurden???"
    Den Betrug am "Ossi" allgemein wird wohl so schnell keiner im Osten vergessen, "blühende Landschaften" usw...
    Aber darum geht es hier nicht.
    Die Frage ist, warum der "Ossi" nicht die Kraft aufbrachte, auch die gesamte bundesrepublikanische Gesellschaft in eine viel gerechtere, bessere und zukunftfähigere Gesellschaft umuwandeln, also warum er nicht seine Erfahrungen miteinbringen konnte/wollte, die er durch den Marxismus gelehrt bekam?
    War tatsächlich zu viel Gold (West-Mark), was glänzte? Das ist die Farge....
    neben der Bedeutung, welche die Wiedervereinigung auch brachte: Demokratie und Freiheit!

  15. 20.

    Wenn ich also eine Verschwörungstheoretikerin wäre, würde ich jetzt behaupten, dass der Corona-Virus uns als Rache der Fledermäuse für den Bau der "Wippe" gesandt worden ist.

  16. 19.

    Na ednlich!
    Was lange währt...
    Ich mag den Chef-Bürgerrechtler Jahn zwar überhaupt gar nicht, aber zu dem, was er zum Gedenk- und Mahnmal sagt, stimme ich uneingeschränkt zu!
    Der Typ hebt die westlichen Werte und die Gesellschaft, der die DDR-Bürger angegliedert und einverleibt worden, zu sehr in die Höhe. Die Errungenschaften - selbst in der sozialistischen Diktatur - will er nicht sehen. Aber dass wegen des ehemaligen Unrechtsregimes und der Überwindung dieses jetzt endlich und ehrwürdig ein Bauwerk entsteht, finde ich nur gerecht und (wenn auch spät - immer noch) zeitgemäß.
    Ich bin selber im Herbst 89 als Abiturient in die Nikolai-Kirche (nur 25 km bis Leipzig) "gepilgert", statt zum Unterricht gegangen. Also MIR muss man wirklich nichts erzählen!
    Das soziale (Gedächtnis) in der DDR kommt mir aber immer noch viel zu kurz! Das allermeiste war schlecht und grausam, einiges war gerecht, sehr human und fortschrittlich.
    Es musste NUR Freiheit und Demokratie erkämpft werden.

  17. 18.

    Ja, ich denke auch, dass Kunst und Kultur durchaus Geld kosten dürfen. Solange aber Künstler aufgrund der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht sind, Theater, Orchester, Galerien vor dem Aus stehen, finde ich schon, dass der triumphierende Baustart für ein Denkmal (egal wie großartig oder nicht) im Moment ein völlig falsches Signal ist. Man hätte das durchaus verschieben können: von diesem Denkmal hängt kein Glück und kein Leben ab.
    Wartet doch ab mit dem Bau und gebt das Geld jetzt erst mal den notleidenden Künstlern. Wer den Bau dieses Denkmals beschleunigen will, kann ja dafür spenden.

  18. 17.

    So ein Quatsch. Man hätte das denkmalgeschützte Nationaldenkmal wieder herrichten müssen. Die Wippe ist ein Witz auf Kosten der Bürger, die nur den Zwecke verfolgt Kollonaden und Nationaldenkmal am Ort zu verhindern, als müsste man ein zweites Mal DDR spielen und die preussischen Junker abermals vertreiben. Das Nationaldenkmal war so beliebt in cder Nachkriegszeit im kaputte Berlin, dass die Stalinisten es weggerissen haben. Jetzt kommen die Oberen mit ihrer verrückten Wippe drüber. Ein Schildbürgerstreich. Ein teurer.

  19. 16.

    Ich hoffe für Frau Grütters, daß ihre Fledermaus gründlich durchgebraten ist. Ansonsten - Vorsicht!

  20. 15.

    Um uns auf ewig daran zu erinnern, wie wir beim, " Beitritt ", der einzig deshalb so schnell gehen musste, damit Kohl die Bundestagswahl im Herbst 1990 nicht verliert, verschaukelt wurden???

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