Der Entwurf des Freiheits- und Einheitsdenkmals am Humboldtforum (Bild: imago images/Wolf P. Prange)
Video: Abendschau | 19.05.2020 | Christian Titze | Bild: imago images/Wolf P. Prange

Vor dem Humboldt-Forum - Bau des Berliner Einheitsdenkmals beginnt

Erst haderte der Bundestag mit der "Einheitswippe", dann kamen denkmalgeschützte Mosaiken in die Quere und schließlich Fledermäuse, die im Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals überwinterten. Nun wurde kurzfristig der Baubeginn verkündet.

Nach jahrelanger Verzögerung startet in Berlin der Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Der Baubeginn ist am Dienstag, wie ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Montag sagte. Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem künftigen Humboldt-Forum soll eine riesige begehbare Schale an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern.

Immer wieder verzögerte sich Bau-Start

Erste Planungen hatte es bereits 1998 gegeben. Im November 2007 hatte der Bundestag die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals beschlossen. Für das seit Jahren umstrittene Projekt hatte 2018 der Bundestag 17 Millionen Euro freigegeben. Ursprünglich war die Eröffnung für den 9. November 2019 geplant, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls.

Doch immer wieder verzögerte sich der Baubeginn des Denkmals, unter anderem wegen des Erhalts denkmalgeschützter Mosaiken des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, das an dieser Stelle stand, wegen der verspäteten Freigabe der Baugelder, aber auch der Schutz von Fledermäusen, die im Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Humboldt-Forum lebten und die nach Erkenntnissen von Tier- und Naturschützern zum damals geplanten Baubeginn im November bereit mit ihrem Winterschlaf begonnen hatten.

Kulturstaatsministerin Grütters "erleichtert"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat sich fast ihre gesamte Amtszeit mit der Umsetzung des Denkmals beschäftigt und zeigte erleichtert: "Wir haben jede Menge Hindernisse, Denkmalschutz, Naturschutz und tatsächlich auch Baustellen-Einrichtung beseitigt", sagte sie dem rbb am Dienstag.

Wann die Wippe fertig sein soll, dazu wollte Grütters keine konkreten Angaben machen. Zu oft sei der Zeitplan in der Vergangenheit durcheinandergeraten.

Sendung: Abendschau, 18.05.2020, 19:30 Uhr

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Antwort auf [Befürworter] vom 18.05.2020 um 20:50
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35 Kommentare

  1. 35.

    Das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ wird von vielen in- und ausländschen Besucherinnen und Besuchern nicht als Ort des Ge- und Nachdenkens verstanden, sondern eher als monströser Stadtplatz zum Fotografieren, Versteckspielen oder Picknicken
    Ist es wirklich sinnvoll, dass wir vor dem weltoffenen „Humboldt-Forum“ einen ähnlichen Stadtplatz als nationales „Denkmal“ (!) erhalten? Frau Grütters vorbildliches Engagement hätte sicherlich ein anderes Objekt verdient.



  2. 34.

    Was nützt das Teil, wenn Menschen in der Stadt hungern und leiden?

  3. 33.

    Diese Kritik hat ja auch - nicht zu Unrecht - bspw. Klaus Lederer vorgetragen, in Bezug auf rechnerische Minderheiten. Ich weiß nicht, ob die zumindest leichte Distanzierung von Lea Rosh von ihrer Idee jetzt damit zusammenhängt. Auf jeden Fall scheint mir "die Wippe" ein recht distanziertes Verhältnis zur Demokratie zu verkörpern, sozusagen als Betrachtung aus der Außenperspektive. Alles lässt sich aus der Nachhineinperspektive auf diese Weise erklären, gleich ob bei der "ökologischen Frage", die Anfang der 1970er noch reichlich verlacht wurde und an der jetzt glücklicherweise niemand mehr vorbeikommt, beim Bewusstsein der Einen Welt, was sich ankündigt und bei vielen anderen Fragen, die jetzt offenstehen.

    Wer im aktuellen Prozess drin ist, empfindet das allerdings ganz anders. Insofern versucht die Wippe irgendwo die "Quadratur des Kreises".



  4. 32.

    Ja, aber das Denkmal für die ermordeten Juden Europas hat ja auch einen ganz anderen Ansatz, es soll ja optisch erst einmal eine irritierende Zumutung sein und beim Begehen beklemmend wirken, das ist ja Teil der Aussage - aber wie soll eine Wippe, die sich entsprechend der Mehrzahl der Besucher leicht in eine Richtung neigt, für "Einheit" stehen? Genau das Gegenteil ist doch die Aussage - es entscheidet das Recht der Mehrheit, des Stärkeren. Nix mit Einheit, Spaltung in Extreme ist die Aussage.

  5. 31.

    Wieso, Frau Grütters versteckt sich doch nicht, sondern ist doch sogar begeistert von sich, dass sie das Monstrum gegen den Willen der Berliner durchsetzen konnte? Ob es noch irgendjemand anderes gibt, der die Wippe gut findet, ist allerdings unklar.

  6. 30.

    Ich wollte genau diese Gedanken schreiben. Aber ich kann "UKW3000" nichts hinzufügen.
    So wird es kommen, genauso, wie der Corona Virus bleiben wird.

  7. 29.

    Ich will die Frage, wann und von wem die Vorstellung der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kam, mal zurückhaltend gesehen offen lassen. Mit der Wahl im Frühjahr 1990 wurden jedenfalls die Weichen gestellt und dann ging es nur darum, welche Partei den ersten wirklichen demokratischen Jahrestag als erstes verhindert. Aus bundesdeutscher Sicht "Es darf keinen zweiten demokratisch-deutschen Staat geben neben uns."

    Damit will ich mich nicht gegen eine Vereinigung aussprechen. Nur andere Vorzeichen hätte ich sinnvoller gefunden.

  8. 28.

    Erst wurde ohne Zustimmung der Bevölkerung der Palast der Republik angeblich wegen Asbest abgerissen, jetzt wird ohne das Volk zu fragen ein hässliches überteuertes Denkmal hingerotzt. Egal ob das Land oder der Bund diesen Unsinn bezahlt. Es ist und bleibt eine Steuerverschwendung! Aber die Meinung des Steuerzahlers ist ja wie immer egal.

  9. 27.

    Wo verstecken sich eigentlich diejenigen Personen, die dieses Denkmal in dieser Form an diesem Ort wollen?

  10. 26.

    Das ist wieder ein praktisches Beispiel dafür, was unsere Politiker von den Meinungen iher Bürger halten. Nämlich gar nichts!!!
    Als nächstes Denkmal kommt das Einheitsdenkmal der EU für Frau Merkel, noch schöner , noch größer und noch teurer.

  11. 25.

    Sie haben recht. Die Montagsdemonstranten waren die eigentlichen Helden.
    Mit viel Mut traten sie der Diktatur entgegen um Verbesserungen in der DDR zu erreichen.
    Es ging dabei In erster Linien nicht um Wiedervereinigung sondern um Reformen.
    Erst als klar wurde wie marode und kaputt die Wirtschaft der DDR war, wurde klar, dass Reformen hier nicht reichen.
    Dann kam der Ruf nach fairer Wiedervereinigung.

  12. 24.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang an das seinerzeit nicht minder umstrittene "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" erinnern: Optisch zunächst eine Zumutung, entsteht der ergreifende und wirklich beeindruckende Effekt dieses Ortes durch das "Eintauchen" des Betrachters in das Stelenfeld selbst.

    Ich hoffe inständig, dass sich ein ähnlich intensives Erleben auch beim betreten der "Einheitswippe" einstellt. Ansonsten bliebe die "Wippe" lächerlich.

  13. 23.

    Ja, und wenn Sie noch mal genauer hinsehen: Das Denkmal wird durch den Bund finanziert; nicht durch das Land Berlin.

  14. 22.

    Wenn ich den Zustand der Bahnhöfe und Fahrzeuge bei der BVG sehe, den völlig versifften, vollgeschi*** und vollgepi*** Busbahnhof Steglitz zum Beispiel, dann könnte man fast meinen, das Geld wäre anders sinnvoller angelegt. Aber Steglitz ist kein Touristen Hotspot, hier kann dem Berliner ruhig das Kot*** kommen beim Umsteigen.

  15. 21.

    Die Idee scheint erstmal faszinierend. Lea Rosh u. a., die mit der langsamen, allmählichen Hin-Bewegung zu etwas und Weg-Bewegung von etwas wollten damit das demokratische Prinzip versinnbildlichen. Doch sowohl Rosh als auch andere haben sich inzwischen etwas davon distanziert. Klaus Lederer merkte an, dass beim Versinnbildlichen von Mehrheitsströmungen das Prinzip des Minderheitenschutzes vollkommen außen vor bleibe.

    Selber hätte ich ein Denkmal in Leipzig besser gefunden, mit einer "Korrespondenz" in Berlin. In Leipzig ging es vorrangig um Demokratisierung der DDR, in Berlin war der Mauerfall nachvollziehbar das beherrschende Thema.
    Über die Art und Weise des Zusammenkommens war damit noch nichts gesagt. Den Mutigsten, die zuerst auf der Straße waren, war gewiss nicht am bloßen Beitritt des Kleineren zum Größeren gelegen, an der faktischen Übernahme des Kleineren durch das Größere, wie auch 40 J. lang Wesentliches nur übernommen werden brauchte, um sich Ärger zu ersparen.

  16. 20.

    Völlig richtig. Würde dieses Gebilde Gedankenschaukel heißen, wären sicher weniger dagegen und ein Sinn noch herleitbar. Bei Einheit wippt bei mir nix in Gedanken. Und irgendwie ist dieser Ort ja ambivalent. Erst den Palast der Republik abreißen und am selben Ort mit irgendeinem Kunstdings den Leuten die Einheit verschaukeln. Na ja... Auf jeden Fall wirds ein toller Spielplatz und für Berlin ordentlich was zu tun im Unterhalt. Es soll ja technisch auch immer schön schaukeln und wippen und TÜV bekommen und so.

  17. 19.

    Brauchen wir als Bürger so ein Denkmal?

  18. 17.

    War nicht gerade Sparen angesagt?

  19. 16.

    Was für ein Blödsinn, hässlich und teuer.
    Schade um jeden Euro.
    Das Geld sollte man lieber für die Sanierung von Schulen verwenden.
    Prestigebauten haben wir wirklich genug.

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