oto eines Unbekannten von Deportationen aus Amsterdam, Juni 1943 (Quelle: Gedenkstätte Haus der Wanseekonferenz/Beeldbank WO2, 96802)
Audio: Inforadio | 05.05.2020 | Maria Ossowski | Bild: Gedenkstätte Haus der Wanseekonferenz/Beeldbank WO2, 96802

75 Jahre nach Kriegsende - Haus der Wannsee-Konferenz sucht Fotos von Deportationen

Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz sucht 75 Jahre nach Kriegsende nach historischen Fotos von Deportationen in Berlin. Von den Deportationen der weit über 50.000 Berliner Juden in die Konzentrations- oder Vernichtungslager gibt es bislang keine einzige bekannte Aufnahme. "Wir kennen nur Berichte, keine Bilder", heißt des auf der Internetseite der Gedenkstätte.

Das Haus der Wannsee-Konferenz ruft deshalb die Menschen dazu auf [ghwk.de], "zu Hause in ihren Fotoalben und Fotosammlungen zu schauen". In anderen Städten – etwa Amsterdam, Brandenburg, Warschau oder Würzburg – gebe es Fotos oder Filme der Deportationen.

Viele Haushalte besaßen eine Kamera

Der Historiker Christoph Kreutzmüller, der im Haus der Wannsee-Konferenz arbeitet, geht nach eigener Aussage davon aus, dass auch in Berlin die Deportationen dokumentiert wurden, beispielsweise als "Leistungsnachweisfotos" der SS. "Es ist davon auszugehen, dass es sowas gab. Zudem gab es in Berlin so viele Kameras. Jeder achte bis zehnte Haushalt besaß eine Kamera", so Kreutzmüller.

Der Historiker vermutet, dass viele solcher Bilder gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entweder auf Befehl oder im Bombenhagel vernichtet wurden. Doch Kreutzmüller geht davon aus, dass einige Fotos noch existieren – und das nicht nur in Berlin. Denn viele Berliner flohen gegen Kriegsende Richtung Westen.

Die Gedenkstätte hofft nun auf Bilder, auf denen etwa Menschengruppen zu sehen sind, die von Uniformierten bewacht eine Straße entlang gehen. Oder Bilder von Menschen, die mit Gepäckstücken beladen vor einem Gebäude oder an Haltestellen und Güterbahnhöfen stehen. Solche Fotos seien für die pädagogische Arbeit der Gedenk- und Bildungsstätte "von unschätzbarem Wert".

Sendung: Inforadio, 05.05.2020, 15:55 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde Ihren Aufruf sehr interessant und sehr wichtig! Tatsächlich habe ich bisher nur Fotos oder Dokumentationen über Deportationen aus Würzburg, Stuttgart oder Brandenburg/Havel gesehen und nichts aus Berlin. Höchstens mal Berichte von Zeitzeugen gehört, daß der jüdische Nachbar eines Tages nicht mehr da war. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es überhaupt keine Fotos aus Berlin gibt.
    Sicherlich haben Sie sich schon an die Zeitzeugenbörse e.V. gewandt, die ja mit der Gedenkstätte "Haus der Wannseekonferenz" eng zusammenarbeitet!

    Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg mit ihrem Aufruf!

    Mit freundlichen Grüßen
    Uwe Ulrich

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