Celebrations 4 in der Komischen Oper (Quelle: Screenshot)
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Audio: rbb Inforadio | 22.05.2020 | Hans Ackermann | Bild: Screenshot

Streamkonzertkritik | Deutsche vs. Komische Oper - Klarer Tagessieger im "Sängerwettstreit"

Zwei Mini-Konzerte, überschrieben mit "Lieblingslieder" in der Deutschen Oper  Berlin und "Celebrations 4" in der Komischen Oper Berlin, traten online quasi gegeneinander an. Hans Ackermann hat beide Konzerte gesehen und einen Sieger im "Sängerwettstreit" gekürt.

Barrie Kosky und Günter Papendell gehen in der Komischen Oper mit "Auf Flügeln des Gesanges" von Felix Mendelssohn Bartholdy um Punkt 18 Uhr online. "Die Veilchen kichern und kosen, und schau'n nach den Sternen empor", heißt es im Text von Heinrich Heine, den Bariton Papendell höchst lyrisch vorträgt. Mit hellen Klängen begleitet Kosky den Sänger am Flügel.

"Celebrations 4" in der Komischen Oper (Quelle: Screenshot)
Barrie Kosky und Günter Papendell in der Komischen Oper | Bild: Screenshot

Neben Felix Mendelssohn haben sich die beiden Künstler noch je ein Lied von Hugo Wolf und Gustav Mahler für ihren Auftritt ausgesucht - nachdem Kosky in der vorherigen Ausgabe seiner "Celebrations" Operettenlieder von Oscar Strauss, Paul Abraham und Friedrich Hollaender präsentiert hatte. Dagmar Manzel hatte sich dabei zu Kosky auf den Flügel gesetzt, Papendell singt doch lieber im Stehen.

"Lieblingslieder" in der Deutschen Oper (Quelle: Screenshot)
Byung Gil Kim und Maxime Perrin in der Deutschen Oper | Bild: Screenshot

Nur knapp 50 Zuschauer wollen anfangs auf der Facebook-Seite der Komischen Oper mit dabei sein. Zur gleichen Zeit sind auf der Seite der Deutschen Oper, beim koreanischen Bassbariton Byung Gil Kim, schon etwa 800 Fans versammelt. Für das Opernhaus in Charlottenburg scheint es damit eins zu null zu stehen. Aber, die Bass-Arie aus Richard Wagners "Lohengrin", die Kim grimmig und mit großer Stimme vorträgt, ist schon seit dem Vormittag online.

Nach gut dreieinhalb Minuten ist das Video aus der Deutschen Oper zu Ende. Mehr als zehn solcher kurzen "Lieblingsstücke" könnte man hier jetzt noch anschauen, auch den Film mit Siobhan Stagg, die begleitet von Donald Runnicles mit Arien von Mozart für einen Höhepunkt dieser Reihe gesorgt hat.

Zurück in der Behrenstraße wird gleich das dritte Lied vorgetragen, vorher fasst Barrie Kosky zum besseren Verständnis zusammen, wohin er die Zuschauer mitnehmen wird. "The twilight-world of Gustav Mahler" beschreibt er die Stimmung der Rückert-Lieder, lässt dann auch schon die ersten zarten Töne der Klavierbegleitung von Mahlers "Um Mitternacht" anklingen. "Kein Stern vom Sterngewimmel, hat mir gelacht, um Mitternacht" -  auch hier ist Günter Papendell wieder ganz in seinem lyrischen Element.

Das Konzert in der Komischen Oper ist eigentlich ein aufwendiges Musikvideo, mit verschiedenen Kamerapositionen und einer durchdachten Bildregie, die den gesamten Saal des Hauses mit einbezieht.  Knapp 30.000  Aufrufe hat Koskys "Celebration 3" mit Dagmar Manzel vor zwei Wochen erzielt, die zweite Folge mit der Sopranistin Alma Sadé und ihren "Yiddish Operetta Songs" ist nach vier Wochen zahlenmäßig sogar noch erfolgreicher.  Den intensiven Vortrag von Günter Papendell haben am ersten Tag nur wenige Stunden nach Konzertende schon mehr als 2.000 Online-Zuschauer angesehen.

Bariton gegen Bass, Mahler, Wolf und Mendelssohn gegen Wagner, bester Bühnenklang gegen mageren Mono-Sound -  im virtuellen Wettstreit zweier Opernhäuser geht der  Tagessieg eindeutig an die Komische Oper Berlin. Wo Barrie Kosky am Schluss noch versichert, sein Haus arbeite vom Boden bis zum Keller fieberhaft an einem "Corona-Spielpan" für den Herbst. Bis dahin muss es an der Komischen Oper aber unbedingt noch weitere "Celebrations" geben.

Sendung: Inforadio, 22.05.2020, 6:55 Uhr

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